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Rechtliches

Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Auf den Spuren der Yakuza

Kapitel 1
Einquartiert im Queen-Hotel

Kogoro und ich wollten vor wenigen Wochen unseren Urlaub am Strand von Izu (Japanische Inselgruppe) verbringen. Wir erhofften diesmal mit keinem Mordfall konfrontiert zu werden, doch das Schicksal wollte es wahrscheinlich anders: Der Tod folgte uns nach Izu und es gab einen Hauptverdächtigen, der angeblich ahnungslos war. Das war eigentlich das einzige, was an diesem Fall normal war, da die Abnormalität hier vollkommen überwog: Wer war die geheimnisvolle Frau, die angeblich versucht hat, bei den Ermittlungen mitzuhelfen? Bestand ein Zusammenhang zu dem Gast, der sich seit dem Einchecken nicht mehr gezeigt hat? Es gab 400 Verdächtige. Und das schlimmste war, dass dieser Fall vollständig in Kommissar Tsujimuras und meinen Händen lag. Am besten schildere ich alles ausführlich:
Ich saß in der Lobby des Queen-Hotels und wartete auf Kogoro. Ich war mit dem Flugzeug nach Izu gekommen und hatte Kogoro scheinbar am Flughafen Narita aus den Augen verloren. Ich saß da und überlegte, ob er vielleicht den Flug verpasst hatte. Gelangweilt bestellte ich mir einen Kaffee und wartete. Zwei Stunden waren vergangen, inzwischen hatte ich schon drei Tassen getrunken, welche meinen Geldbeutel um einiges erleichterten. Dann fiel mir ein, dass ich doch ein Handy in der Hosentasche hatte. Ich wählte Kogoros Handynummer und wartete, bis Kogoro ranging. Am anderen Ende der Leitung konnte ich Kogoro schnaufen hören: „Tut mir Leid, Ikuya. Ich hab versehentlich das falsche Flugzeug genommen und bin in Sendai angekommen.“ Ich fragte: „Wann ungefähr kommst du dann auf Izu an, Kogoro?“ „Das müsste in ungefähr zwei Tagen sein. Ach ja, könntest du dieser einen Person Bescheid sagen, dass ich mich um zwei Tage verspäte?“ „Wen meinst du, Kogoro?“ „Habe ich dir etwa nicht gesagt, mit wem ich mich außerdem auf Izu treffen wollte?“ „Nein, das hast du mir noch nicht gesagt.“ „Na gut, vielleicht findest du eine gewisse Person namens … Mist, ich hab vergessen, den Akku aufzuladen …“
Daraufhin brach das Gespräch ab. Wen wollte Kogoro auf Izu treffen? Ich saß, genau so schlau wie zuvor, in der Lobby und trank noch die vierte und zugleich letzte Tasse Kaffe aus.
Nun ging ich zur Rezeption, um einzuchecken. Die Frau an der Rezeption, eine schlanke Frau mit zusammengesteckten blonden Haaren, gab mir den Schlüssel zu meinem Zimmer, das die Nummer 425 hatte. Ich nahm den Schlüssel und wollte gerade selbst meine Koffer schleppen, als die Frau an der Rezeption leise kicherte: „Sie müssen Ihre Koffer nicht selbst schleppen, Herr Hatano. Das macht ein Page für Sie.“ Die Frau an der Rezeption rief in die Hotelhalle hinein: „Fräulein Hitomi, kommen Sie bitte her!“ Das Hotelmädchen, eine junge Dame Mitte zwanzig, lief zu den Koffern. Sie war schlank und hatte braune, nach hinten gekämmte Haare, dazu noch ein sympathisches Lächeln im Gesicht. Sie nahm die Koffer und fragte unsicher: „Auf welches Zimmer soll ich die Koffer bringen?“ Die Frau an der Rezeption antwortete mit ernstem Blick: „Tragen Sie sie auf Zimmer 425!“ Fräulein Hitomi fragte verunsichert: „Wo ist Zimmer 425?“ Die Frau an der Rezeption antwortete genervt: „Viertes Stockwerk, mittlerer Gang, fünftes Zimmer von rechts.“ Fräulein Hitomi nickte und lief die Treppe hoch, während ich noch an der Rezeption stand. Dann sagte die Frau, die an der Rezeption arbeitete: „Entschuldigen Sie bitte. Fräulein Hitomi arbeitet erst seit ein paar Wochen hier.“ „Ist schon gut.“ Ich entfernte mich von der Rezeption und ging in Richtung meines Zimmers.
Ich lief in Richtung meines Zimmers, bis mein Blick auf drei verdächtige Personen fiel, die nebeneinander durch die Lobby liefen. Es war ein ziemlich dicker Herr mit stechendem Blick, modernem Kurzhaarschnitt und einem blauen Hemd mit kurzen Ärmeln. Der Zweite war ein eher dünner Herr mit mittellangen grauen Haaren, der ein orangefarbenes Hemd trug. Die dritte Person, eine auch eher schlanke Person mit Baseball-Kappe und einem gestreiften Hemd mit hochgestelltem Kragen, konnte ich leider nicht erkennen, da ich die Person nur von hinten sehen konnte und aufgrund des hochgestellten Kragens konnte ich weder Haarfarbe noch Haarlänge beurteilen. Der Dicke sagte etwas zu der Person mit der Baseball-Kappe: „Haben Sie die Ware dabei? Wir sehen es nicht gerne, wenn unsere Lieferanten die Ware nicht rüberrücken. Verstanden?!“ Die Person mit der Baseball- Kappe nickte und gab dem Dicken ein Tütchen mit einem weißen Pulver, dann zog der Dicke ein Geldbündel aus der rechten Hemdtasche und gab es der Person mit der Kappe. Der Herr mit dem orangefarbenen Hemd sagte zu der Person mit der Kappe in einem ironischen Ton: „Ich wünsche Ihnen noch schöne Ferien auf Izu.“ Die drei Personen liefen daraufhin alle in verschiedene Richtungen.
Inzwischen war es 19.00 Uhr geworden. Auf dem Weg zu meinem Zimmer schwirrten mehrere Gedanken in meinem Kopf herum: Wer war die Person mit der
Baseball-Kappe? Waren in dem Tütchen vielleicht Drogen? Was hatten die drei zwielichtigen Personen auf Izu vor? Handelte die Person mit der Kappe vielleicht gar nicht freiwillig? Nun gut, es waren Ferien, daher versuchte ich den Kopf frei von solchen Sachen zu behalten.
Ich betrat mein Zimmer, woraufhin ich zunächst über die feudale Einrichtung erstaunte: Französisches Bett, ein riesiges Badezimmer, ein Computer und teuerstes Geschirr. Man erkannte schon beim Betreten des Zimmers, dass es im westlichen Stil eingerichtet war. Die Koffer standen neben dem Bett. Im Hinterkopf überlegte ich schon im Voraus, wie viel Yen später auf der Hotelrechnung standen. Sicher um die 400000 Yen . Dann fiel mir ein, dass Kogoro gesagt hatte, dass sein Klient die Rechnung bezahlen sollte. Ich nahm daraufhin eine Flasche Sprudel aus dem Getränkekühlschrank, der doch etwas unpassend in diesem Zimmer wirkte, und trank ein paar Schlücke. Ich bestaunte eine Weile die Einrichtung des Zimmers, bis sich mein Blick zum Balkon mit Meeresblick wendete. Doch was ich sah, regte wieder zum Nachdenken an: Die Gestalt mit der Baseball-Kappe verließ das Hotel und fuhr mit einem Motorrad weg. Was hatte die Gestalt vor? Nun war auch mein Interesse geweckt. Würde vielleicht ein Verbrechen auf Izu geschehen?
Wäre Kogoro dabei gewesen, hätte sein Unterbewusstsein Alarm geschlagen. Nun ja, er ist bei allem etwas skeptischer als ich, daher ist er von uns Beiden wahrscheinlich als Detektiv erfolgreicher. Während ich noch nachdachte, überkam mich der Hunger. Ich bestellte mir also etwas zu essen. Wieder spielten sich in meinem Gedächtnis die Szenen ab: Die drei Personen, die nebeneinander durch die Lobby liefen, die Person mit der Baseball-Kappe, die dieses komische Tütchen an die anderen Beiden – vielleicht unter Einschüchterung - verkauft hat, dieselbe Person, die mit dem Motorrad wegfuhr … Vielleicht machte ich mir darüber zu viele Gedanken, vielleicht aber auch nicht.
Inzwischen war es 2.00 Uhr geworden. Ich hatte mich schon geduscht und mir die Zähne geputzt. Doch die Wirkung des nachmittags in der Lobby getrunkenen Kaffees hielt mich absolut vom Schlafen ab. Vor lauter Langeweile ging ich auf den Balkon, um auf das nächtliche Meer hinauszusehen. Als ich meinen Blick dem Innenhof des Hotels senkrecht nach unten neigte, sah ich Fräulein Hitomi, das Hotelmädchen, von links nach rechts, den Innenhof durchqueren. Fünf Sekunden, nachdem Fräulein Hitomi um die rechte Ecke des Hotels gegangen war, hörte ich plötzlich einen Schuss, der in seiner hohen Lautstärke das halbe Hotel beben ließ. Was war passiert? Ich rannte nach unten in die Lobby, doch die Empfangsdame war nicht da. Dann stürmte Fräulein Hitomi in die Lobby: „Der Gast aus Zimmer 517 hat mit einem Gewehr die Fensterscheibe des gegenüberliegenden Gebäudes eingeschossen. Wir müssen sofort Polizei und Krankenwagen rufen! Schnell!!!“
Sie telefonierte, indes lief ich zur Tür von Zimmer 517. Ich betrat das Zimmer nicht, um mich nicht in Gefahr zu bringen. Ich wartete vor dem Zimmer, bis die Polizei nach einer viertel Stunde kam. Mehrere Polizisten standen nun vor dem Zimmer. Unter den Polizisten hob sich ein dünner, eher kleinwüchsiger, schwarzhaariger Herr mit Anzug und Krawatte hervor. Von irgendwoher kannte ich diesen Herrn, doch mir fiel einfach nicht ein, wer er war. Bis er an der Zimmertür klopfte und laut rief: „Hier spricht Hauptkommissar Tsujimura. Machen Sie sofort die Türe auf!!!“ Eine halbe Minute verging, dann öffnete der Gast des Zimmers.
Und da zeigte sich eine Überraschung. Eine Überraschung, die noch größer war als der Schuss, der durch das nächtliche Izu hallte: Die Person, die die Tür öffnete, war der schlanke Typ mit den grauen Haaren. Der Typ, der noch nachmittags mit der Person mit der Baseball-Kappe und dem Dicken durch die Lobby lief.
Hauptkommissar Tsujimura, den ich, wie mir gerade einfiel, aus der Zeitung kannte, sprach mich an: „Sie sind doch der Assistent des berühmten Detektivs Kogoro Akechi, oder?“ Ich nickte, dann sprach Hauptkommissar Tsujimura weiter: „Dann können Sie uns sicher bei den Ermittlungen helfen, Herr Hatano.“ Ich überlegte und sagte: „Na gut, aber ich müsste auch einen Blick auf die Wohnung werfen, wo der Typ die Fensterscheibe eingeschossen hat.“
Kommissar Tsujimura führte mich daraufhin in den Innenhof des Hotels, dann in das Hochhaus, dessen Eingang sich auch im Innenhof des Hotels befand. Dann liefen wir durch das Treppenhaus ins 6. Stockwerk, wo sofort die aufgebrochene Tür auffiel. Ich fragte Kommissar Tsujimura: „Was ist denn hier passiert?“ „Der Hausmeister hörte hier das Geräusch von zerbrechendem Glas. Er klopfte an der Tür, doch es kam keine Rückmeldung. Da es nur einen Schlüssel zu diesem Zimmer gibt, den das Opfer bei sich trug, musste der Hausmeister die Türe aufbrechen.“
Wir betraten das Zimmer und gingen in das große Schlafzimmer, in dem die Leiche in einer großen Blutlache auf dem Boden neben dem Drehstuhl vor einem eingeschalteten Computer lag. Außerdem war die Fensterscheibe des Schlafzimmers zerschossen. Augenblick mal!!! Das Opfer kannte ich doch …
Die Leiche, die auf dem Boden lag, war der Dicke, der noch nachmittags mit dem nun Tatverdächtigen und der Person mit der Baseball-Kappe durch die Lobby lief. Nun stellte sich eine weitere Frage: Was hatte die Person mit der Baseball-Kappe mit diesem Fall zu tun?
Ich sagte zum Hauptkommissar: „Für mich sieht das nach einem völlig normalen Mord aus.“ Kommissar Tsujimura deutete daraufhin auf den Monitor des Computers, vor dem die Leiche lag und fragte kopfschüttelnd: „Und was halten Sie davon, Herr Hatano?“
Auf dem Monitor des Computers konnte man eine geöffnete E-Mail lesen, in der folgendes stand:

Das war dein Todesurteil, Hitoshi!!! Ich lasse mich nicht mehr von dir übers Ohr hauen. Wenn du diese Nachricht liest, wirst du nicht mehr am Leben sein. Sayonara!!!

Absender: 518@queenhotel.jp

Ich bemerkte: „Das ist dann doch ein bisschen merkwürdig. Welcher Mörder würde seinem Opfer mitteilen, dass er es umbringt? Das ergibt eigentlich keinen Sinn, oder, Hauptkommissar Tsujimura?“ Hauptkommissar Tsujimura überlegte: „Sie vergessen etwas: Vielleicht sollte die E-Mail einen anderen Zweck erfüllen. Aber jetzt haben wir wenigstens einen Tatverdächtigen. Nur er kommt als Täter in Frage, sowie sich zurzeit die Sachlage darstellt.“
Ich dachte kurz nach und versuchte zu kombinieren. Dann fiel mir etwas ein. Ich sagte lächelnd zu Hauptkommissar Tsujimura: „Sie irren sich. Es gibt noch eine weitere Person, die der jetzigen Sachlage nach auch höchst verdächtig ist. Wir können davon ausgehen, dass der jetzt Tatverdächtige sagen wird, dass er nicht von seinem Zimmer aus das Opfer erschossen hat. Somit schließen sich seine Aussage und die einer weiteren Person einander aus.“ Hauptkommissar Tsujimura fragte interessiert: „Und wer ist diese weitere Person?“ „Es ist die Person, die gesagt hat, dass der Tatverdächtige von seinem Zimmer aus geschossen hat. Ganz genau: Die Rede ist von Fräulein Hitomi, dem Hotelmädchen. Sie ist unsere zweite Tatverdächtige…“

Kapitel 2
Die Suche nach dem Unbekannten

Als ich diese Kombinationen von mir gab, war Kommissar Tsujimura sehr erstaunt: "Sie haben Recht, das Hotelmädchen käme ebenso für die Tat in Frage wie der Typ von Zimmer 517. Aber glauben Sie wirklich, dass sie es war?" Ich lächelte: "Habe ich je gesagt, dass sie es war? Nein! Ich wollte damit nur sagen, dass das Hotelmädchen auch in Frage käme. Ich habe mit keinem Atemzug erwähnt, dass sie es war." Hauptkommissar Tsujimura fragte mich daraufhin: "Sie scheinen uns eine große Hilfe zu sein. Würde es Ihnen etwas ausmachen, uns bei den Ermittlungen zu helfen?" "Nein, ich stehe Ihnen doch gerne zur Seite. Doch ich würde jetzt lieber ein paar Stunden schlafen." Kommissar Tsujimura sagte daraufhin: "Na gut. Aber um 9 Uhr sind Sie wach, haben wir uns verstanden?!"
Ich nickte und lief wieder rüber zum Hotel. Als ich dann auf meinem Zimmer angekommen war, war es schon 4.16 Uhr geworden. Ich dachte wieder über die Übergabe dieses merkwürdigen Stoffes in der Lobby nach, über den Mann mit der Baseball-Kappe, der scheinbar mit dem Motorrad wegfuhr, ... Während ich nachdachte, wurde ich plötzlich von der Müdigkeit überrascht ...
Das Telefon klingelte, ich schreckte auf. Ich merkte soeben, dass ich auf dem Bett sitzend eingeschlafen bin. Kurzer Blick zur Wanduhr: Es war 9.13 Uhr. Dann nahm ich, noch im Halbschlaf, den Telefonhörer ab: "Ja, hier Hatano ..." Am anderen Ende der Leitung war Hauptkommissar Tsujimura zu hören: "Stehen Sie auf, Hatano!!! Wir haben den Verdächtigen befragt. Wir geben Ihnen seine Personalien, Sie ermitteln dann für uns. Wir treffen uns in wenigen Minuten in dem Zimmer, das wir uns für die Verhöre geben ließen, Zimmernummer 833. In Ordnung?" Ich bestätigte, woraufhin Hauptkommissar Tsujimura auflegte. Und erst jetzt wurde mir das Ausmaß dieses gesamten Falles bewusst: Was, wenn der Tatverdächtige unschuldig war? Was, wenn der Täter demnach unter den mindestens 400 anderen Hotelgästen zu suchen war? Wäre das überhaupt möglich gewesen?
Ich ging an den Empfangsschalter des Hotels und fragte die Empfangsdame, die ich nach der Wegbeschreibung zu Zimmer 833 fragte. Sie antwortete in Stichworten: "Achter Stock, linker Gang, drittes Zimmer von rechts." Ich folgte der Anweisung und stand nun vor Zimmer 833. Ich klopfte, woraufhin mir Tsujimura die Türe öffnete: "Guten Morgen, Herr Hatano." Ich fragte spottend: "Warum sagen Sie Guten Morgen? Es ist doch schon beinahe Mittag. Na ja, egal. Dann geben Sie mir mal die Personalien des Verdächtigen und des Opfers!" "In Ordnung", sagte Tsujimura, nahm eine Mappe, warf einen Blick hinein und las vor: "Das Opfer hieß Hitoshi Kawakami, war 52 Jahre alt und von Beruf Programmierer. Außerdem wohnte er in dem Appartement neben dem Hotel: Da, wo wir auch später seine Leiche gefunden haben." "Aha, und die Daten bezüglich des Verdächtigen?" Tsujimura las weiter: "Der Tatverdächtige heißt Atsushi Kita, ist 60 Jahre alt und von Beruf Rechtsanwalt. Er kommt eigentlich aus Kyoto und gibt an, hier auf Izu nur Urlaub machen zu wollen."
Ich bemerkte: "Ist aber schon merkwürdig, dass jemand bei seinem Urlaub auch noch Verbindungen zu Drogenhändlern pflegt." "Was sagen Sie da?!" "Ich habe gestern gesehen, wie Ihr Verdächtiger gemeinsam mit dem Opfer Drogengeschäfte mit so einer komischen Person gemacht hat." "Sie haben es gesehen?" "Ja, das habe ich. Die komische Person wurde von den beiden eingeschüchtert und gab dem jetzigen Opfer ein Tütchen mit einem weißen Pulver, worauf das jetzige Opfer der Person ein Geldbündel gab." "Könnten Sie diese komische Person bitte beschreiben?" "Ich konnte die Person nur von hinten erkennen. Wegen der Baseball-Kappe und des hochgestellten Hemdkragens konnte ich nicht mal Haarfarbe oder Haarlänge beurteilen." "Na toll! Jetzt haben wir gerade eine heiße Spur, und dann kann keiner den Zeugen beschreiben." "Vielleicht kann ja die Empfangsdame diese Person beschreiben."
Gerade wollten wir das Zimmer verlassen, als plötzlich ein schlanker Typ mit grauen Haaren und Pferdeschwanz in dieses stürmte. Er hatte einen Fotoapparat dabei und trug eine braune Jacke. Dann fing er sofort an, Fotos von uns zu schießen. Hauptkommissar Tsujimura entriss ihm die Kamera und fragte wütend: "Geht es Ihnen eigentlich noch gut?! Wer sind Sie überhaupt?" Der Herr riss seine Kamera aus Tsujimuras Händen und sagte: "Mein Name ist Noriyasu Shibata, ich bin Pressefotograf." Der Fotograf zog einen Presseausweis aus der Hosentasche und zeigte uns diesen. Tsujimura fragte zweifelnd: "Aber wir haben diesen Fall noch gar nicht an die Presse weitergeleitet. Wie sind Sie auf uns gekommen?" Der Mann erklärte: "Ich habe vorgestern einen Anruf erhalten, dass ich in dieses Hotel einchecken sollte. Die Formalitäten wären schon geregelt und man hätte einen guten Auftrag für mich." Ich fragte: "Kam Ihnen die Stimme des Anrufers irgendwie bekannt vor?" "Nein, die Stimme klang sogar leicht verzerrt, dennoch folgte ich des Geldes wegen dem Auftrag. Aber dass sich hier ein Mord ereignen würde ... Unvorstellbar! Ach ja, sind Sie eigentlich mit Ihren Ermittlungen weitergekommen?" "Nein, aber wir geben Ihnen Informationen, wenn wir wichtige Anhaltspunkte haben." Herr Shibata lächelte: "In Ordnung. Bis dann!" Er verließ das Zimmer wieder.
Tsujimura atmete auf: "Den sind wir für eine Weile los." Ich fragte: "Aber warum wurde er überhaupt herbestellt? War er etwa ein Detail im Plan des Täters? Eines steht fest: Der Täter wollte, dass die Presse möglichst schnell von dem Mord Wind bekommt. Bloß was wollte er damit bezwecken?" Tsujimura zweifelte: "Aber normalerweise versucht ein Täter, möglichst lange ein Verbrechen zu verschleiern. Warum also stellt sich der Täter auf den Balkon und feuert auf das gegenüberliegende Fenster, wenn er doch wusste, dass es Zeugen geben könnte? Mir scheint es so, dass der Täter gesehen werden wollte..." Ich fragte daraufhin: "Was hat eigentlich Ihr Hauptverdächtiger, Herr Kita, ausgesagt, als Sie ihn fragten, was er zur Tatzeit gemacht hat?" "Er sagte, er wäre die ganze Zeit auf seinem Hotelzimmer gewesen, bis plötzlich das E-Mail-Modul zu pfeifen anfing." "Wie bitte?! Ein E-Mail-Modul?" "Das Teil ist in jedem der Hotelzimmer mit dem Computer verbunden. Die Computer in diesem Hotel sind dazu da, damit man entweder mit Gästen aus anderen Zimmern kommunizieren kann, oder damit die Rezeption wichtige Nachrichten an die Gäste schicken kann. Damit die Besucher überhaupt merken, dass eine E-Mail gekommen ist, schaltet das jeweilige E-Mail-Modul den zugehörigen Computer an und gibt ein lautes Alarmsignal von sich." "Ach so, und was stand in Herrn Kitas Mail?" "Er sagte, in der Mail wäre eine Novelle eines europäischen Dichters gestanden. Ihm wurde angeblich eine vollkommen sinnlose Mail geschickt."
Ich überlegte und schlussfolgerte: "Dann hat ihm also jemand die Mail geschickt, um sicherzustellen, dass er am Computer sitzt und es somit bemerkt hätte, wenn jemand an ihm vorbeigelaufen wäre. Hätte Herr Kita nämlich geschlafen und hätte somit nichts gemerkt, hätten wir annehmen können, dass sich jemand in sein Zimmer geschlichen hat und von dort aus geschossen hat. Das bedeutet, dass der Täter diese E-Mail nur geschickt hat, um zu zeigen, dass es zur Tatzeit unmöglich war, an Herrn Kita vorbeizukommen. Ergo: Herr Kita wurde mit einem Trick aufs Glatteis geführt. Jemand hat es geschafft, mit einem genialen Trick an ihm vorbeizukommen. Und dieser jemand war der Täter, was ich ohne Zweifel sagen kann."
Tsujimura erwiderte: "Vergessen Sie es! Die Gäste der Zimmer 512 bis 516 haben exakt dieselbe E-Mail bekommen und diese Leute sind jetzt auch nicht des Mordes verdächtig. Warum also wurde dann nur Herr Kita verdächtigt, wenn die Mail dem Zweck diente, jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben? Da kann doch irgendetwas in Ihrer Theorie nicht stimmen!" Ich gab nach: "Na gut, Sie haben Recht. Aber haben Sie denn eigentlich schon daran gedacht, nach der Tatwaffe zu suchen? Solange die nämlich nicht auftaucht, können auch Sie, Hauptkommissar Tsujimura, vergessen, dass Kita der Täter war." "Wir haben natürlich schon daran gedacht, sein Zimmer zu durchsuchen, aber wir haben weder das Gewehr noch die Munition auf seinem Zimmer gefunden." "Was für ein Gewehr war es eigentlich?" "Es war der Spurensicherung nach ein Gewehr mit dem Kaliber 10,5 mm. Die Kugel war aus Bleistahl."
Ich war überrascht: "Aber ein normales Gewehr hat das Kaliber 9 mm und die Kugeln dafür sind allgemein Vollbleimantelgeschosse. Haben Sie schon nachgeforscht, wo das Gewehr herkommen könnte?" "Ja, das haben wir gemacht. Das Gewehr ist von der Marke Herrmann und wurde von deutschen Soldaten im ersten Weltkrieg verwendet. Ein sehr auffälliges Modell. Wahrscheinlich zu auffällig, um damit einen Mord zu begehen, aber präzise genug, um das Opfer aus hundert Metern Entfernung tödlich zu verwunden." Ich rechnete nach: "Die Luftlinie zwischen dem Balkon des Tatverdächtigen und dem zerschossenen Fenster des Opfers betrug ungefähr 20 Meter. Der Täter konnte sich also ziemlich sicher sein, auch wirklich sein Ziel zu treffen. Dennoch muss er ein guter Schütze gewesen sein, da 20 Meter nicht gerade wenig sind."
Auf einmal kam ein Polizist ins Zimmer gestürmt: "Wir haben die Tatwaffe im Innenhof des Hotels gefunden. Na ja, es waren nicht wir, die die Waffe gefunden haben, sondern so eine Frau, die angibt, eine Detektivin zu sein. Kommen Sie also bitte mit in den Innenhof!" Wir nickten und folgten dem Polizisten in den Innenhof des Hotels.
Dort stand eine schlanke Frau mit langen blonden Haaren. Sie war schwarz gekleidet und hielt das Gewehr mit behandschuhten Händen. Sie erklärte: "Ich wollte durch den Innenhof laufen, als ich plötzlich dieses Gewehr da liegen sah. Ich hielt es für wichtig, da ja am Vorabend ein Mord geschehen ist und habe es sofort der Polizei gemeldet." Tsujimura fragte mit ernstem Ton: "Sie haben aber hoffentlich keine Fingerabdrücke hinterlassen oder weggewischt, oder etwa doch?" Sie antwortete mit einem kühlen Lächeln: "Keine Sorge, Fingerabdrücke habe ich keine hinterlassen, aber ich weiß nicht, ob ich irgendwelche weggewischt habe." Ich fragte: "Wie heißen Sie eigentlich?" Sie antwortete gelassen: "Ich heiße Miwako Kuniyoshi. Ich bin Detektivin." Sie zielte mit dem Gewehr in die Luft und schoss. Tsujimura erschrak: "Was sollte das schon wieder?!" Sie antwortete ruhig lächelnd: "Ich wollte nur mal prüfen, ob das Teil überhaupt funktioniert. Es sieht nämlich ziemlich alt aus. Also, bis dann. Ich bin nämlich privat hier und habe keine Lust, bei Ihren Ermittlungen zu helfen."
Sie ging zurück ins Hotel. Ich sah mir das Gewehr genauer an, dann erkannte ich: "Das Gewehr ist, wie die Spurensicherung bereits herausgefunden hat, von der Marke Herrmann und hat Kaliber 10,5 mm." Tsujimura fragte: "Aber warum liegt dieses Gewehr hier unten, wenn doch der Tatort im fünften Stock war?" Ich erklärte: "Entweder, weil der Täter es heruntergeworfen hat oder weil es schon die ganze Zeit hier lag. Letzteres macht natürlich das Hotelmädchen Hitomi verdächtig. Gehen wir mal davon aus, dass das Hotelmädchen Herrn Kawakami, das Opfer, schon im Voraus erschossen hat, später dann in den Innenhof des Hotels gegangen ist und dort den Schuss in die Luft abgefeuert hat. Dann wäre das Verbrechen genauso auch ihr möglich gewesen. Aber auch Frau Kuniyoshi, diese angebliche Detektivin, ist verdächtig." Tsujimura scherzte: "Das denke ich auch, da ich noch nie was von ihr in der Zeitung gelesen habe." Ich fragte: "Das meinen Sie doch nicht etwa ernst, oder?" "Nicht wirklich. Vielleicht kämen Sie auch noch auf die Idee, den Pressefotografen zu verdächtigen." Ich scherzte daraufhin: "Das ist eigentlich gar keine so schlechte Idee. Nein, lassen wir das, sonst verliert dieser Fall absolut an Pietät! Wir sollten zunächst die Empfangsdame fragen, wie diese komische Person mit der Baseball-Kappe aussah. Vielleicht hilft uns das dann weiter."
Wir gingen daraufhin zur Empfangsdame und fragten sie, ob Sie sich an das Gesicht der Person erinnern konnte, worauf sie antwortete: "Ach, den komischen Typ meinen Sie. Der Mann, den Sie suchen, trägt einen Vollbart und eine Sonnenbrille, mehr konnte ich darum auch nicht erkennen. Der Typ gibt an, er hieße Akira Kitaura und hat sich auf Zimmer 518 eingebucht." Ich fragte interessiert: "Warum erinnern Sie sich eigentlich so gut an Herrn Kitaura?" Auf einmal hörten wir aus der Richtung der Treppe eine weibliche Stimme: "Weil er das Essen auf sein Zimmer bestellt hat, obwohl er weg war." Es war Fräulein Hitomi, das Hotelmädchen. Sie sprach weiter: "Herr Kitaura hat mir gestern gesagt, ich solle ihm einen Teller mit Nigiri (Reisbällchen) auf sein Zimmers bringen, und zwar um exakt 1.45 Uhr. Aber Herr Kitaura war um 1.45 Uhr nicht auf seinem Zimmer, daher nahm ich den Teller wieder mit. Und als ich dann den Rundgang um 1.55 Uhr um das Hotel machte, sah ich, als ich am Innenhof vorbeigegangen war, plötzlich auf dem Balkon von Zimmer 517 eine dunkle Gestalt mit einem Gewehr stehen. Dann fiel der Schuss." Ich fragte: "Sie konnten also nicht sehen, wie die Person aussah, die gefeuert hat?" "Ich konnte es nicht erkennen." "Aber dann ergibt sich ein weiterer Widerspruch: Wie konnten Sie wissen, dass der Balkon zu Zimmer 517 gehörte, wenn Sie gestern noch Probleme damit hatten, ein Zimmer zu finden? Warum haben Sie den Rundgang gemacht, wenn Sie sich doch unsicher waren, wie das Hotel aufgebaut war?" Tsujimura hatte einen bösen Blick, mit dem er sagte: "Ich erkläre es Ihnen: Sie haben den Mord begangen. Wenn nämlich Herrn Kitas Aussage, also die Aussage des Tatverdächtigen, stimmt, dann sind Sie die Haupttatverdächtige, nicht wahr? Sie haben die Unwissende gespielt, damit jeder annehmen würde, dass Sie keine Ahnung vom Aufbau dieses Hotels hätten. Dann würde Sie auch keiner des Mordes verdächtigen, nicht wahr, Fräulein Hitomi?!" Sie wehrte ab: "Was denken Sie denn von mir? Ich bin doch keine Mörderin. Ich habe den Rundgang ums Hotel gemacht, allein deswegen können Sie doch nicht behaupten, ich hätte den Mord begangen!" Fräulein Hitomi rannte verängstigt weg. Tsujimura rief ihr noch nach: Bleiben Sie stehen! Sie blieb nicht stehen, sondern rannte weg. Wenige Sekunden später hörte man im gesamten Hotel wieder einen ohrenbetäubenden Schuss. Zum Zeitpunkt des Schusses konnte man den Typ mit der Baseball-Kappe, dem Vollbart und der Sonnenbrille vor dem Hotel stehen sehen. Doch plötzlich geschah etwas Unerwartetes:
Eine weitere Person mit Baseball-Kappe, Sonnenbrille und Vollbart stürmte mit einer Pistole durch die Lobby, verließ das Hotel und sprang auf das Motorrad, das ich schon am Vorabend gesehen hatte. Er fuhr weg, doch wenige Sekunden später hörten wir einen weiteren lauten Knall außerhalb des Hotels. Wir verließen das Hotel, um sehen zu können, was passiert war. Doch wir sahen nichts weiter als das Motorrad in einer großen Flamme. Das Motorrad war explodiert. Dann stürmte ein Polizist die Treppe herunter und rief panisch: "Der Typ mit dem Vollbart ist gerade in das Verhörzimmer gehetzt, hat unseren Tatverdächtigen, Herrn Kita, erschossen und ist abgehauen. Wir müssen ihn schleunigst verfolgen!" Tsujimura bedauerte: "Vergessen Sie es! Das hat sich soeben erledigt. Der Typ ist mit seinem Motorrad in die Luft geflogen. Von dem ist nicht mehr viel da."
Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Was ergab das für einen Sinn: Warum erschoss zuerst Herr Kita den Dicken, Herrn Kawakami? Warum wurde er dann selbst von dem Typen mit der Baseball-Kappe erschossen? Und aus welchem Grund explodierte dann das Motorrad mit dem Typen mit der Baseball-Kappe? Und warum, verdammt noch mal, gab es zwei Typen mit Baseball-Kappe, Sonnenbrille und Vollbart? Der eine war tot, soviel stand fest! Doch was war mit dem anderen, der noch bis zum Zeitpunkt des Schusses vor der Hoteltür stand? Hieß er wirklich Akira Kitaura? Hatte er wirklich etwas mit dem Fall zu tun? Es ergab sich kein Sinn bei der ganzen Sache. Außerdem wusste ich, dass irgendetwas nicht so war, wie es hätte sein sollen, doch mir fiel einfach nicht ein, was ... Eines stand fest: dieses Etwas hat mich schon bei der Inspektion der Wohnung des ersten Opfers gestört. Doch was war es bloß? Hatte es vielleicht etwas mit der Türe zum Tatort zu tun, die eingetreten wurde, da das Zimmer von innen verriegelt war? Oder eher mit der E-Mail, die dem Opfer dessen Tod vorhersagen hätte sollen? Oder war es die Position der Leiche? Vielleicht sollte ich doch mal Kogoro anrufen, dachte ich mir. Doch so, wie einen Dreifachmörder kenne, würde er vor Kogoros Ankunft noch einen Mord begehen. Die Zeit lief gegen mich ... Würden Hauptkommissar Tsujimura und ich den Fall noch rechtzeitig lösen, das stand offen ...

Kapitel 3
400 Verdächtige

Es stand eine Frage im Raum: Wo war die zweite Person mit Baseball-Kappe? War diese Person vielleicht der Täter? Oder war diese Person vielleicht auch nur ein Detail im Plan des Täters, genau wie der Pressefotograf namens Shibata? Eines war klar: Hinter diesem Dreifachmord steckte ein Organisationstalent, das diese drei Morde perfekt geplant hatte. Zunächst den Mord an Herrn Kawakami, bei dem Herr Kita angeblich vom Hotelmädchen gesehen wurde, wie er vom Balkon seines Zimmers aus geschossen hatte und kurz davor sowohl auf seinem Zimmer als auch auf den Zimmern der Gäste 512 bis 516 eine E-Mail mit einem sinnlosen Text angekommen ist. Dann dieser Gast von Zimmer 518, der Typ mit der Baseball-Kappe, der um kurz vor zwei Uhr nachts noch nicht auf seinem Zimmer war. Einen Tag danach wurde Herr Kita von dem Typ mit der Baseball-Kappe erschossen, woraufhin dieser an einer Person mit demselben Aussehen vorbei rannte. Doch als der Mörder mit dem Motorrad wegfuhr, explodierte dieses wenige Sekunden später. Wenn man krampfhaft zu kombinieren versuchte, ergab sich ein widersinniger Schluss:
Herr Kita, Herr Kawakami, dann der angebliche Herr Kitaura und dessen Doppelgänger haben mit Drogen gehandelt, doch Herr Kawakami wollte plötzlich nicht mehr mitmachen. Herr Kita war darüber erzürnt und brachte Herrn Kawakami um und schickte die E- Mails, um es so aussehen zu lassen, als ob diese nur dem Zweck dienten, ihm selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben. Doch die E-Mails fielen nicht auf und er wurde dennoch von der Polizei verhört. Eine der zwei Personen mit den Baseball-Kappen, nennen wir sie einfach einmal A und B, wurde von der anderen dann mit dem Mord an Herrn Kita beauftragt, damit dieser nichts aussagt, was für A zum Nachteil sein konnte. Also beauftragte Person A Person B mit dem Mord und brachte Person B danach zur gänzlichen Vernichtung aller Spuren mit der Bombe unter dem Motorrad um. Die Frage, die sich jetzt immer noch stellte, war Folgende: Wer war Person A? Außerdem ergab die These keinen Sinn. Das Ganze war viel zu einfach, wenn man annahm, dass der Täter bisher sauber gearbeitet hat. Die These passte nicht zu der Annahme, dass jemand sauber gearbeitet hat, um die Verbrechen nur zu verschleiern. Der Täter beging vermutlich die Verbrechen, um sicherzustellen, dass wir auf einer geraden Linie dachten, nämlich auf folgender: Herr Kita erschoss Herrn Kawakami, Herr Kita wurde von Herrn Kitaura erschossen und dieser explodierte später auf seinem Motorrad. Das Ganze ergab zwar Sinn, doch genau das war das Problem: Es ergab zuviel Sinn! Der Täter wollte allen einen klaren Fall darlegen, um selbst im Verborgenen zu bleiben. Schließlich hat der Täter auch sofort dafür gesorgt, dass wir für die ersten zwei Morde gleich die Täter hatten. Wer aber war der Täter und wie hat er alles so perfekt aufeinander abgestimmt, diese Fragen waren zu klären ...
Kommissar Tsujimura sagte zu mir: "Ich glaube jedenfalls immer noch an die Theorie, dass Fräulein Hitomi, das Hotelmädchen, die Täterin war, die jetzt in die Luft geflogen ist." Ich überlegte kurz und erwiderte: "Nein, sie war es nicht! Sie ist nur zufällig in der Mordnacht um das Hotel gelaufen, weil Sie begriffen hatte, wie die Zimmer zu finden waren: Die erste Ziffer beziehungsweise die ersten zwei Ziffern der Zimmernummer deuten auf das jeweilige Stockwerk hin. Die folgende Ziffer deutet auf den Gang hin, den man dann durchlaufen muss. Ziffer 1 ist der rechte, Ziffer 2 der mittlere und Ziffer 3 der rechte Gang. Die letzte Ziffer zeigt an, das wievielte von rechts das gesuchte Zimmer ist. Ich habe auch ein wenig Zeit gebraucht, um es zu begreifen, aber eigentlich ist es ziemlich simpel. Das Hotelmädchen konnte also gar nicht die Täterin sein, da sie nur zufällig den Gang um das Hotel gemacht hat. So, was sagen Sie jetzt, Hauptkommissar Tsujimura?" "Sie haben Recht. Ich habe das Hotelmädchen auch nicht verdächtigt, sondern wollte nur wissen, warum sie wusste, dass der Täter von Zimmer 517 aus geschossen hatte. Jetzt erst fange ich an zu begreifen. Doch Fräulein Hitomi hat nur eine dunkle Gestalt auf dem Balkon gesehen, wusste also gar nicht, wer der Täter war. Eine objektivere Zeugenaussage kann es gar nicht geben. Man kann es zwar mit Verkleidung schaffen, dass man als andere Person wieder erkannt wird, doch hier kannte Fräulein Hitomi nur den Standpunkt des Täters zur Tatzeit, sonst gar nichts. Sie wurde also nicht durch Fremdeinflüsse abgelenkt und sagte unwissend damit aus, dass Herr Kita der Täter war. Das ist der Kasus Knaxus bei diesem Fall, der so genannte Knackpunkt, der zeigt dass niemand anderes als Herr Kita der Täter gewesen sein kann."
Ich erwiderte: "Ihre Angabe ist zwar vollkommen korrekt, doch es gäbe eine einzige Möglichkeit, die Ihren Knackpunkt in Frage stellt. Es gäbe eine einzige Möglichkeit, es so aussehen zu lassen, als ob der Tatort wirklich Zimmer 517 gewesen wäre. In Wirklichkeit aber stand unser Täter auf einem völlig anderen Balkon und hat geschossen. Der Täter täuschte uns mit einem genialen Trick einen falschen Tatort vor und ließ Herrn Kita als Täter aussehen. Und bei den Zimmernummern ist mir soeben die Idee gekommen. Die Idee, die den Trick des Täters widerspiegelt. Mir fehlen nur noch die Aussagen des Hotelmädchens und das passende Motiv, dann ist der Fall klar."
Dann kam ein Polizist herein: "Wir haben die Identität des dritten Toten endgültig herausgefunden: Der Mann, der auf seinem Motorrad in die Luft geflogen ist, war ein von der Polizei gesuchter Auftragskiller namens Ginji Mino. Und was glauben Sie, was wir über die anderen zwei Toten herausgefunden haben?" Hauptkommissar Tsujimura fragte gespannt: "Was? Sagen Sie es!" Der Polizist sprach weiter: "Das erste Opfer hieß nicht Hitoshi Kawakami, sondern Minoru Shimabukuro und das zweite Opfer hieß nicht Atsushi Kita, sondern Tokio Kamei." Hauptkommissar Tsujimura fragte sich leise: "Wie bloß soll man aus all dem schlau werden? Falsche Namen, sinnlose E-Mails, keine Spur... Nur mehrere Personen, die sich allesamt merkwürdig verhalten: Diese komische Detektivin namens Miwako Kuniyoshi, der Pressefotograf Noriyasu Shibata, die eher schweigsame Empfangsdame, die Gestalt mit Baseball-Kappe und Vollbart und das Hotelmädchen, das vorhin so panisch war, als man es angesprochen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der Täter hinter einer dieser fünf Personen verbirgt."
Ich dachte nach und versuchte zu kombinieren, als plötzlich mein Handy klingelte. Ich nahm das Gespräch an: "Ja, hier Hatano ..." Am anderen Ende der Leitung war Kogoro zu hören: "Ich bin's, Ikuya. Ich habe erfahren, dass im Queen-Hotel gestern Nacht ein Mord geschehen sein soll." "Ja, das war folgendermaßen: ..." "Du brauchst es mir nicht zu sagen. Ich weiß es schon. Ich habe mich gestern Nacht über die Laptops im Flugzeug informiert: So ein komischer Typ namens Kawakami wurde von einem Typ namens Atsushi Kita erschossen." Ich fragte überrascht: "Aber die Namen waren erst am nächsten Tag bekannt. Wie kann das sein? Wie war die Nachricht formuliert?" "In der Nachricht stand Folgendes: Der Programmierer Hitoshi Kawakami wurde in der Nacht von dem Rechtsanwalt Atsushi Kita erschossen. Die Polizei vermutet, dass Herr Kawakami mit Herrn Kita wegen Drogengeschäften in Streit geriet und dieser ihn dann deswegen umbrachte. So war die Schlagzeile formuliert. Das war um ungefähr 2.05 Uhr." "Und stand auch etwas über die Explosion des Motorrads im Internet?" "Nein. Ich war gerade vor einer Minute im Internet, habe aber nichts dergleichen gefunden. Also, bis gleich."
Kogoro legte den Hörer auf. Plötzlich fuhr die Lösung des Falles wie ein Blitz durch mich. Plötzlich war mir klar geworden, wer der Täter war. Es war eigentlich so simpel, dass ich fast hätte lachen müssen. Nun wusste ich, was das Hotelmädchen in der Tatnacht tatsächlich gesehen hat, warum sich der Pressefotograf Shibata im Hotel befand und natürlich auch, warum es zwei Kitauras gab. Es fehlten nur noch das Motiv und die Aussage des Hotelmädchens.
Ich wollte zu meinem Zimmer gehen, als ich Fräulein Hitomi über den Weg lief. Ich hielt sie an und fragte sie: "Könnten Sie mir bitte ganz genau erklären, was in der Mordnacht passiert ist?" "Also das war so: Zunächst habe ich den Teller mit den Nigiri um 1.55 Uhr auf das Zimmer von diesem komischen Typ namens Kitaura, also auf Zimmer 518 bringen müssen. Da aber niemand dort war, nahm ich den Teller wieder mit." "Warum waren Sie sich so sicher, dass niemand dort war?" "Der Grund ist folgender: Ich habe fünf Minuten lang geklopft, doch niemand hat mir aufgemacht. Ich habe dann durch das Schlüsselloch gesehen, um festzustellen, ob das Licht in dem Zimmer überhaupt angeschaltet war. Doch das Licht war aus. Daher nahm ich den Teller wieder mit. Als ich dann kurz darauf durch den Innenhof ging, um das Hotel zu checken, sah ich, wie auf Balkon 517 eine dunkle Gestalt mit einem Gewehr stand und schoss." "Sagen Sie mal: Kann es sein, dass sich die Zimmerreihe, vom Innenhof aus gesehen, von Zimmer 511 bis Zimmer 518 erstreckt?" Fräulein Hitomi überlegte kurz und antwortete überrascht: "Das stimmt. Aber woher wussten Sie das?" Ich antwortete gelassen: "Nennen wir es einfach detektivische Intuition. Noch eine einzige Frage: Könnte es sein, dass zur Tatzeit in den Zimmern 511 bis 517 das Licht brannte?" "Ja, genau so war es." "Vielen Dank, Fräulein Hitomi. Sie waren mir eine große Hilfe."
Ich ging in die Eingangshalle, wo Hauptkommissar Tsujimura immer noch die Empfangsdame vernahm. Ich fragte ihn: "Haben Sie eigentlich schon nachgeprüft, ob die drei Toten am Oberarm tätowiert waren? Es ist wirklich sehr wichtig für die Auflösung dieses Falles." "Ja, wir haben bei allen drei Toten eine Tätowierung am Oberarm entdecken können. Ist das etwa wirklich wichtig für die Aufklärung des Falls?" "Ja, und soeben sind mir damit sowohl Täter als auch Motiv klar geworden."
Plötzlich klingelte wieder mein Handy. Ich nahm an und hörte Kogoros Stimme: "Hallo, Ikuya. Ich war gerade wieder im Internet und habe dort soeben gelesen, dass der Täter, der die Bombe unter dem Motorrad gelegt hat, in Osaka geschnappt wurde. Es besteht also kein Grund mehr zur Sorge." "Oh doch. Der Täter führt uns alle an der Nase herum. Wir haben es mit einem Genie zu tun. Alles war genau ausgeklügelt. Und ich weiß, dass sich der Täter immer noch im Hotel befindet. Ich kenne sogar die genaue Identität des Täters. Nur eine Person kommt in Frage." "Das meinst doch nicht etwa ernst, oder, Ikuya?" "Doch. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass nur diese eine Person in Frage kommt." "Na gut. Hast du übrigens die Person gefunden, die ich auf Izu treffen wollte?" "Ich weiß nicht. Ich bin nur mit wenigen Personen zusammengestoßen: Mit so einer Detektivin namens Kuniyoshi, einem Pressefotografen namens Shibata, dem Hotelmädchen Hitomi, dem Hauptkommissar Tsujimura und so einer schweigsamen Empfangsdame." "Ja, eine der Personen wollte ich auf Izu treffen. Also, bis gleich. Ich bin in einer dreiviertel Stunde da. Tschüss!"
Kogoro legte auf. Wen wollte er auf Izu treffen? Egal! Zunächst musste ich diesen mysteriösen Fall zur Auflösung bringen. Mir war klar, wer der Täter war, doch ich hatte keinen Beweis. Ich überlegte: Was habe ich sofort beim Einchecken an der Rezeption gemacht? Ich überlegte kurz, dann kannte ich den überführenden Beweis.
Ich ging zu Hauptkommissar Tsujimura und sagte zu ihm: "Ich habe soeben herausgefunden, wer der wahre Täter hinter diesem Fall war." "Wirklich? Haben Sie endlich herausgefunden, wie der Täter es so aussehen ließ, als ob Herr Kita der Täter war?" "Ja. Der wahre Täter nutzte die Tatsache, dass dieses Hotel im Sommer vollständig belegt ist, für seinen raffinierten Plan aus. Aber eine andere Frage: "Wo ist die Empfangsdame hin?" "Die ist gerade eben auf die Toilette gegangen." "Könnten Sie mir dann bitte einen Gefallen tun? Geben Sie mir bitte das Gästebuch, das auf dem Tisch der Rezeption liegt. In dem Buch findet sich der absolute Beweis, der den Täter überführt."
Tsujimura gab mir das Gästebuch und bemerkte: "Jetzt bin ich aber gespannt, was Sie damit vorhaben." "Keine Sorge, Sie werden es gleich erfahren. Auf Zimmer 511 werden Sie die Wahrheit erfahren, verlassen Sie sich drauf!"
Wir gingen zur Tür von Zimmer 511. Diese war jedoch verschlossen. Ich wies daraufhin Hauptkommissar Tsujimura an: "Treten Sie die Türe ein!" Er sagte noch kurz: "Wird gemacht!" Dann trat er mit seinem vollen Gewicht die Türe ein. Im Zimmer stand gerade die Person, von der ich wusste, dass diese der Täter war. Ich sprach die Person mit einem kühlen Lächeln an: "Ich wusste doch, dass wir Sie hier vorfinden würden. Kein Zweifel, Sie sind die Person, die die drei Verbrechen begangen hat! Gestehen Sie!"

Kapitel 4
Irrlichter

Im Zimmer stand gerade die Person, von der ich wusste, dass diese der Täter war. Diese Person war niemand anderes als der Pressefotograf Noriyasu Shibata. Ich sprach ihn mit einem kühlen Lächeln auf den Lippen an: "Sie waren es, nicht wahr? Gestehen Sie, Herr Noriyasu Shibata alias Akira Kitaura!!!"
Herr Shibata war gerade dabei, seine Koffer zu packen, als Hauptkommissar Tsujimura und ich in das Zimmer stürmten. Er zuckte zusammen und ließ vor Schreck einen Koffer fallen. Dann fasste er sich wieder und sagte lächelnd: "Wollen Sie etwa behaupten, ich hätte die drei Männer umgebracht? Wie soll mir das bitte möglich gewesen sein? Ich meine, Fräulein Hitomi hat doch ausgesagt, gesehen zu haben, wie Herr Kita auf dem Balkon von Zimmer 517 stand und geschossen hat. Herr Kita hingegen hat ausgesagt, dass er die ganze Zeit auf seinem Zimmer war. Wie also soll ich auf seinen Balkon gekommen sein?" Ich erläuterte: "Das war kein Problem für Sie: Sie brauchten gar nicht auf Balkon 517 zu kommen, weil Sie von Balkon 518 schossen."
"Dann hätte Fräulein Hitomi aber ausgesagt, dass der Täter von Balkon 518 geschossen hat. Dann hätte sie den Täter auf Balkon 518 gesehen." "Ich bin zunächst auch nicht auf die Lösung dieses Falls gekommen. Ich dachte die ganze Zeit über, Fräulein Hitomi hätte gesehen, dass es Balkon 517 war, in Wirklichkeit aber hat sie es aber nur gedacht."
"Und wie soll ich das geschafft haben, die Gedanken von Fräulein Hitomi zu manipulieren?" "Ganz einfach: Indem Sie Fräulein Hitomi dazu veranlassen, die Nigiri auf Zimmer 518 zu bringen. Sobald Fräulein Hitomi davon überzeugt wäre, dass Zimmer 518 leer steht, würde Ihr Plan aufgehen. Das Zimmer stand aber nicht leer, da Sie sich in diesem Zimmer befanden. Und zwar im Dunkeln. Ich erkläre es Ihnen: Zunächst bestellten Sie die Nigiri um 1.45 Uhr auf Zimmer 518. In dieses Zimmer haben Sie sich mit falschem Namen eingebucht. Und zwar mit dem Namen Akira Kitaura. Fräulein Hitomi war nun davon überzeugt, dass sich niemand in Zimmer 518 befände und ging mit diesem Wissen um das Hotel. Sie schalteten daraufhin das Licht im Zimmer an, gingen auf den Balkon und warteten, bis Sie Fräulein Hitomi sahen. Dann schossen Sie, um vom Hotelmädchen gesehen zu werden, und natürlich, um Herrn Kawakami zu erschießen." "Und warum hat Fräulein Hitomi ausgesagt, den Täter auf Zimmer 517 gesehen zu haben? Es ist von außen gesehen das siebte Zimmer von links." "In der Dunkelheit kann man die Fenster aber nicht mehr durchzählen. Fräulein Hitomi hat gesehen, dass in den Zimmern 512 bis 518 Licht brannte. Da sie aber dachte, Zimmer 518 wäre leer, nahm sie an, dass es nicht die Zimmer 512 bis 518 waren, sondern die Zimmer 511 bis 517, die einzige verbleibende Möglichkeit. Und so bleibt nur der Besitzer von Zimmer 511 als Täter übrig. Diese Person konnte als einzige festlegen, dass in Zimmer 511 das Licht nicht brannte. Dabei handelt es sich um Sie, Herr Shibata."
"Dieser Trick geht aber nur auf, wenn in den Zimmern 512 bis 517 das Licht brennt. Wie soll ich Herrn Kita und die Besitzer der Zimmer 512 bis 516 veranlasst haben, das Licht einzuschalten?" "Mit den E-Mails haben Sie das gemacht. Das E-Mail-Modul hat dafür gesorgt, dass die Gäste der 512 bis 517 aufstanden und das Licht einschalteten. In dieser Zeit haben Sie dann auch Herrn Kawakami erschossen. Sie wussten, dass in dieser Saison das Hotel vollständig belegt ist, daher wussten Sie auch, dass die Zimmer 512 bis 516 belegt sein würden. Natürlich mussten Sie es auch schaffen, Herrn Kawakami ins Schlafzimmer an den Computer zu locken. Aber wenn wir davon ausgehen, dass Herr Kawakami auch ein E-Mail-Modul besaß, konnten Sie auch diesen schnell an den Computer locken. Und damit wir später nicht mehr feststellen konnten, dass der Tatort in Wirklichkeit Zimmer 518 war, warfen Sie das Gewehr vom Balkon in den Innenhof."
"So, so... Und warum sind Sie sich so sicher, dass der Tatort Zimmer 518 war?" "Ich wusste, dass am Tatort etwas nicht gestimmt hat. Es war der Absender der E-Mail. Die Adresse ist im Queen-Hotel in jedem Zimmer auf die Zimmernummer eingestellt. In der E-Mail aber war der Absender 518@queenhotel.jp. Herr Kita auf Zimmer 517 konnte die E-Mail von seinem Zimmer aus gar nicht schicken. Daher wusste ich, dass er es nicht gewesen sein konnte.
Leider ist dieses Wissen bei mir zu spät gekommen. Herr Kita wurde nämlich zu diesem Zeitpunkt schon von dem Killer, den Sie engagiert hatten, umgebracht.
Ihnen als Pressefotografen und Reporter sollte es nicht schwer gefallen sein, die Fakten über den Mord an Herrn Kawakami gleich um 2.05 Uhr ins Internet zu stellen. Doch die angeblichen Fakten richteten sich nur an eine Person, nämlich an den Killer, Herrn Mino. Sie mussten ihm die Sache ja irgendwie glaubhaft machen und sagten zu ihm etwas in folgender Art: "Herr Mino, haben Sie es schon im Internet gelesen?" Der Killer sah im Internet nach und konnte somit nur noch Ihrer Aussage vertrauen und deswegen Herrn Kita umbringen. Um den Killer mundtot zu machen, brachten Sie die Bombe an dem Motorrad an und warteten, bis Herr Mino den Mord begangen hatte. Der ahnungslose Killer würde natürlich nach dem Mord auf sein Motorrad steigen, um zu fliehen, doch... Wir wissen schon, wie die Flucht endete.
Und wem war es als einziges möglich, nach dem Mord als Täter alles ins Internet zu stellen? Natürlich nur Ihnen, Herr Shibata. Sie sind die einzige Person, die sich als jemanden von der Presse ausgegeben hat und sich erkennbar gemacht hat!!!"
Herr Shibata fragte lächelnd: "Der Typ mit Vollbart und Kappe stand doch vor dem Hotel, als Herr Kita erschossen wurde. Kurz darauf ist der Täter, der genauso gekleidet war, auf das Motorrad gestiegen und explodiert. Was hätte das für einen Sinn ergeben sollen, vorzugaukeln, dass ein zweiter Akira Kitaura existiert?" "Es hätte keinen Sinn ergeben sollen. Es war ein Missgeschick Ihrerseits. Sie haben dem Killer die Verkleidung gegeben, damit er sich tarnen konnte, während er den Mord beging. Während er den Mord beging, brachten Sie verkleidet die Bombe unter seinem Motorrad an. Doch der Killer war schneller als Sie es erwartet haben. Sie wollten es so aussehen lassen, als ob Herr Kitaura, der natürlich nie existierte, der Mörder gewesen wäre, der später selbst ermordet wurde. Doch weil der Killer schneller als Sie es erwarteten war, rannte er am Eingang des Hotels an Ihnen vorbei. Man sah also, dass es zwei Personen mit Baseball- Kappe und Vollbart gab. Ihr Plan ist nicht aufgegangen. Sie wollten, dass man dachte, es gäbe nur einen Herrn Kitaura. Dieser sollte ermordet werden und aus der Liste der Verdächtigen gestrichen werden. Doch jetzt dachte man, diese imaginäre Person wäre immer noch am Leben. Man suchte also wieder nach ihm. Nun mussten Sie ein Ass aus dem Ärmel zaubern: Sie schrieben ins Internet, dass der Bombenleger in Osaka geschnappt worden sei und verschafften sich somit eine Verschnaufpause. Ein guter Plan, das muss man Ihnen lassen. Respekt, mein lieber Herr Noriyasu Shibata! Oder sollte ich Sie besser Akira Kitaura nennen?"
"Mein Motiv... Sie haben vergessen, dass ich kein Motiv habe. Warum hätte ich die drei Morde begehen sollen?" "Weil sowohl Herr Kawakami als auch Herr Kita und Herr Mino einem Abkömmling der Yakuza angehörten. Die Tätowierungen am Oberarm sind typisch für Mitglieder der Yakuza und dienen der lautlosen Verständigung. Sie wurden von der Yakuza in bestimmte Drogengeschäfte eingewickelt und hatten Angst. Angst umgebracht zu werden, wenn Sie aussteigen würden. Sie mussten also die einzigen drei Mitglieder der Organisation, die von Ihnen wussten, umbringen. Und die Morde waren nur deshalb so klar durchgezogen, damit niemand auf Sie kommen würde. Das ist das gesamte Geheimnis dieses Falls."
Herr Shibata lachte laut auf und richtete ein böses Lächeln auf Hauptkommissar Tsujimura und mich: "Sie haben doch keinen einzigen Beweis gegen mich in der Hand, oder etwa doch? Wie wollen Sie beweisen, dass Akira Kitaura und ich ein und dieselbe Person sind." "Die Handschriften im Gästebuch des Hotels. Es ist Pflicht, sich dort einzutragen." Ich schlug eine Seite auf: "Sehen Sie! Hier steht Ihr Künstlername, Akira Kitaura. Säuberlich in einer einfachen Silbenschrift, wie es für Reporter üblich ist. Japanische Reporter vereinfachen mit der Zeit ihre Schrift allgemein und hören auf, komplizierte Schriftzeichen zu verwenden. Sie schreiben doch auch nur noch in Silbenschrift, oder, Herr Shibata?" "Ha! Das ist doch kein Beweis. Nur weil der Name "Akira Kitaura" in Silbenschrift geschrieben ist, heißt das noch lange nicht, dass ich der Täter war." Hauptkommissar Tsujimura bemerkte: "Wir könnten doch einen Handschriftenvergleich mit ihm durchführen." Ich erwiderte: "Das bringt nichts. Entweder verweigert er oder verstellt seine Schrift." Herr Shibata lächelte düster: "Wir können ja einen Handschriftenvergleich durchführen. Sie werden sehen, dass ich eine andere Schrift habe." Ich lachte: "Sie denken wohl, Sie müssten nur Ihre Schrift verstellen, damit wir Sie nicht mehr überführen können. Den Handschriftenvergleich haben Sie schon unwissentlich gemacht." Ich schlug im Gästebuch eine andere Seite auf, auf der Herrn Shibatas Name stand: "Hier steht Ihr Name im Gästebuch. Wir brauchen nur eine gemeinsame Silbe, um Ihnen den Mord nachzuweisen. Nämlich die japanische Silbe ta in Ki-ta-u-ra und Shi-ba-ta. Diese Silbe stimmt in beiden Namen exakt überein, womit bewiesen wäre, dass Sie der Täter waren." Herr Shibata sank auf die Knie und schlug mit der geballten Faust auf den Boden: "Shit!!! Wegen so einem Mist habe ich mich letztendlich verraten. Ich glaub's einfach nicht! Ja, ich gestehe. Ich war der Mörder dieser drei Männer. Sie müssen aber wissen, dass ich von dieser Organisation umgebracht worden wäre, wenn ich diese drei nicht umgebracht hätte. Aber jetzt bin ich frei. Frei von dieser kriminellen Organisation. Sie können mich also verhaften, das ist allemal besser, als sich in den Fängen der Organisation zu befinden."
Daraufhin kamen einige Polizisten in das Zimmer. Sie führten den Reporter ab. Obwohl das Geheimnis dieser drei Morde geklärt worden war, stand noch ein Rätsel im Raum: Wen wollte Kogoro auf Izu treffen und warum?
Ich ging in die Lobby, wo ich auf einmal Kogoro sitzen sah. Ich setzte mich ihm gegenüber, woraufhin er lächelnd zu mir sagte: "Ich habe dir mit den Polizisten gerade zugehört. Gut gemacht, Ikuya! Ich hätte wahrscheinlich länger gebraucht, um den Fall zu lösen. Hast du eigentlich dieser Detektivin Kuniyoshi Bescheid gesagt, dass ich mich etwas verspäten würde?" "Was? Du wolltest diese Detektivin auf Izu treffen. Warum denn das? Hast du etwa irgendwas verbrochen, oder was?" "Natürlich nicht. Sie braucht meine Hilfe in einem Fall. Außerdem war dieses Treffen sowieso mal nötig. Sie ist schließlich meine Ehefrau." "Aber sie heißt doch Kuniyoshi mit Nachnamen. Wie also soll sie deine Ehefrau sein?" "Der Name Miwako Kuniyoshi ist nur ihr Pseudonym. In Wirklichkeit heißt sie nämlich Yoshimi Akechi und ist meine Ehefrau. Sie war für einige Jahre in Übersee, kam nach Japan und stieß dort augenblicklich auf einen sehr mysteriösen Fall."
Auf einmal hörten wir die Stimme der besagten Frau aus der hinteren Ecke der Lobby: "Hallo, Kogoro. Na endlich bist du auf Izu aufgekreuzt. Ich habe mir schon ernsthafte Sorgen gemacht." "Hallo, Yoshimi. Ich habe versehentlich den falschen Flieger genommen. Tut mir Leid, dass du warten musstest. Aber sag mal: Was hast du für einen Fall für mich?" "Nun ja, es geht um eine meiner Freundinnen. Sie heißt Hiromi Katsuragi. Ich habe sie bei einem Computerkurs kennen gelernt. Sie hat uns mal zu einer Feier bei ihr zu Hause eingeladen, weil sie nämlich Geburtstag hatte. Doch plötzlich klingelte während der Feier ihr Telefon. Ihr Ehemann war am Apparat. Sie hatte die Lautsprecher des Telefons eingeschaltet. Ihr Ehemann, der erzählte so etwas, dass er gerade im Flugzeug nach Kyushu sitze. Dann auf einmal fing er an zu schreien, dass das Flugzeug abstürze, woraufhin die Verbindung abbrach. Frau Katsuragi schaltete den Fernseher an. Im Fernsehen kam dann die Nachricht, dass ein Flugzeug nach Kyushu abgestürzt sei und alle Fluggäste getötet worden seien. Frau Katsuragi verließ daraufhin weinend das Zimmer. Wir waren natürlich geschockt. Doch kurz, bevor Frau Katsuragi das Zimmer komplett verlassen hatte, erkannte ich ein düsteres Lachen auf ihren Lippen." "Du meinst also, Frau Katsuragi hat es geschafft, ihren Mann durch einen Flugzeugabsturz umzubringen, ohne je in der Nähe des Flugzeugs gewesen zu sein?"
"Ganz genau, du musst mir in dem Fall helfen. Ich bin mir ganz sicher, dass sie es war."

Kapitel 5
Das Lächeln im Gesicht der Mörderin

Kogoro fragte seine Frau Yoshimi daraufhin: "Also zusammengefasst war das so: Hiromi Katsuragi, eine Freundin aus deinem Computerkurs, hat dich und ein paar andere Kursteilnehmer zu ihrem Geburtstag zu sich nach Hause eingeladen, als plötzlich das Telefon klingelte. Die Lautsprechanlage des Telefons war angeschaltet, woraufhin alle Gäste hören konnten, dass Herr Katsuragi sagte, er säße im Flugzeug. Dann schrie er, dass das Flugzeug abstürze. Daraufhin brach das Gespräch ab. Frau Katsuragi schaltete sofort den Fernseher an, wo man sah, dass das Flugzeug nach Kyushu abgestürzt ist und alle Fluggäste tot sind. Frau Katsuragi verließ weinend das Zimmer. Und nur du, Yoshimi, hast gesehen, dass Frau Katsuragi ein düsteres Lächeln im Gesicht hatte. Stimmt das so, Yoshimi?" "Ja, so ist es gewesen. Dieses Lächeln war so eindeutig. Sie konnte es nur gewesen sein. Ich weiß zwar nicht, was dahinter steckt, aber ich weiß ganz genau, dass es nur sie gewesen sein kann." Kogoro bemerkte: "Nicht nur das Lächeln war eindeutig, sondern auch der ganze Ablauf der Szenerie, die du mir gerade geschildert hast. Einiges passt wirklich nicht zusammen. Was hältst du davon, Frau Katsuragi einen kleinen Besuch abzustatten, Yoshimi?" "Keine schlechte Idee, Kogoro. Sie wohnt auch hier auf Izu." Kogoro lächelte: "Dann können wir ja gleich mit den Ermittlungen loslegen."
Daraufhin gingen wir durch die Straßen der sonnigen Halbinsel. Nach einigem Laufen standen wir vor besagter Adresse. Dort war eine kleine Villa. Auf dem Türschild stand in eleganten japanischen Schriftzeichen der Name "Katsuragi". Yoshimi deutete auf das Haus: "Hier wohnt Frau Katsuragi. Aber das ist schon merkwürdig. Letztes Mal war das Haus noch nicht so ..." Kogoro fragte interessiert: "Was ist merkwürdig?" "Davor hatte das Haus noch einige Makel an der Fassade, jetzt sieht es aus wie neu." Plötzlich hörten wir eine hohe Frauenstimme aus dem Garten des Hauses: "Das liegt daran, dass ich das Haus neu habe streichen lassen. Guten Tag, Yoshimi."
Hinter dem Haus kam eine schwarzhaarige Frau mittleren Alters hervor. Sie trug eine zu groß wirkende Brille und ein pfirsichfarbenes Hemd kombiniert mit einem rosa Rock. Yoshimi wirkte kurz geistesabwesend, dann schreckte sie auf: "Oh, Hiromi. Ich habe dich noch gar nicht bemerkt. Und? Wie geht es dir?" "Besser. Ich habe fast einen ganzen Monat lang getrauert. Seit diesem Zwischenfall hat mich in der letzten Zeit fast niemand mehr besucht. Aber sag mal, Yoshimi: Wer sind die zwei Herrschaften bei dir?" "Das sind mein Mann Kogoro und dessen Assistent Ikuya Hatano." Frau Katsuragi zuckte, als sie das hörte, erschrocken zusammen und fragte nervös: "Doch nicht etwa der Kogoro Akechi, der berühmte Meisterdetektiv?" Kogoro sagte in einem leicht affektierten Ton: "Doch, genau der bin ich."
Frau Katsuragi fing an zu schwitzen. In ihrem Gesicht konnte man schon beinahe ablesen, was in ihrem Kopf vorging. Sie schien etwas in der Art zu denken: "Verdammt. Ich wurde durchschaut." Natürlich versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen. Kogoro fragte lächelnd: "Was ist denn? Warum schwitzen Sie denn auf einmal?" Frau Katsuragi setzte ein falsches Lächeln auf und erklärte: "Im Sommer schwitze ich eben leicht. Kommen Sie, wir gehen ins Haus."
Sie öffnete die Tür des Hauses und führte uns herein. Wir betraten eine traditionell geschmückte Eingangshalle. Als Frau Katsuragi Kogoro und Yoshimi nicht im Blickwinkel hatte, stieß Yoshimi Kogoro den Ellenbogen in die Seite, überreichte ihm eine Polaroid, sah Kogoro in die Augen und nickte. Kogoro verstand die Geste, versteckte die Kamera unter seinem Hemd und nickte bestätigend. Daraufhin fragte Kogoro: "Entschuldigen Sie! Wo ist denn hier die Toilette?" Frau Katsuragi erklärte: "Gehen Sie einfach die Treppe hoch. Das erste Zimmer rechts ist die Toilette. Sie finden uns dann im Erdgeschoss im Wohnzimmer." Kogoro bedankte sich und lief die Treppe hoch. Wir gingen indes ins Wohnzimmer. Frau Katsuragi sah zwar nicht die Übergabe der Polaroid, dennoch sah sie Kogoro skeptisch hinterher, als dieser nach oben ging. Schon ihr Verhalten belegte die Theorie, dass sie die Mörderin war. Ihr Misstrauen Kogoro gegenüber war der beste Beweis dafür.
Auch das Wohnzimmer war auf traditionelle japanische Art eingerichtet: Sitzkissen, ein tiefer Tisch, ein Katana, das in einer Halterung lag ... Ich bemerkte: "Sie scheinen begeistert von japanischer Geschichte. Habe ich Recht, Frau Katsuragi?" "Ja, aber meine persönlichen Vorstellungen von einem Wohnzimmer konnte ich erst nach dem Tod meines Mannes umsetzen. Davor war dieses Zimmer streng westlich eingerichtet. Sie müssen wissen, der tragische Tod meines Mannes Takuya war zwar sehr schlimm für mich, gab mir aber auch neue Freiheiten."
Kogoro kam ins Wohnzimmer und setzte sich zu uns: "Dann könnte man auch sagen, dass Sie vom Tod Ihres Mannes profitieren, nicht wahr?" Frau Katsuragi lächelte: "In gewisser Weise könnte man das behaupten. Aber man kann wiederum nicht behaupten, dass ich meinen Mann umgebracht hätte. Er ist bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Das wird Ihnen auch Ihre Ehefrau Yoshimi bestätigen können." Kogoro sagte daraufhin: "Sie haben ja auch beim Tod Ihres Mannes ein großes Publikum eingeladen. Dieses Publikum konnte ja alles bestätigen. Letztendlich haben Ihnen Ihre Gäste sozusagen ein Alibi gegeben."
Frau Katsuragi zuckte abrupt zusammen. Sie schien zu merken, dass Kogoro ihr skeptisch gegenüber war. Sonst hätte er nicht erwähnt, dass sie Gäste eingeladen hat, um sich ein Alibi zu verschaffen. Sie merkte, dass sie von Kogoro verdächtigt wurde. Ein passendes Motiv existierte auch. Doch was steckte hinter diesem Fall? Ein Teil des Puzzles war klar: Frau Katsuragi hat ihren Mann umgebracht. Obwohl sie sehr nervös war, wusste ich, dass sie clever war. Aber nicht clever genug, um uns hinters Licht zu führen. Jeder Mörder macht Fehler. In Frau Katsuragis Fall war es auch nicht anders. Irgendetwas würde sich schon finden lassen.
Frau Katsuragi fing wieder stark zu schwitzen an. Doch sie fasste sich und sagte: "So gesehen habe ich ein Alibi. Aber wo kein Verbrechen vorliegt, kann man auch nicht nach einem Alibi suchen. Ich könnte ja keinen Flugzeugabsturz verursachen. Ach ja, hätten Sie gerne etwas zu trinken?" Wir nickten, woraufhin Frau Katsuragi in die Küche ging. Als sie gerade in der Küche stand und die Getränke in Gläser abfüllte, waren wir für kurze Zeit unbeobachtet. In dieser kurzen Zeit zog Kogoro die Polaroid mit einigen Fotos unter seinem Hemd hervor und steckte Yoshimi sowohl die Kamera als auch die Fotos in die Handtasche.
Ein paar Sekunden später kam Frau Katsuragi mit drei Gläsern ins Wohnzimmer zurück. Diese waren mit gekühltem grünem Tee gefüllt. Sie stellte die Gläser ab. Wir nahmen die Gläser und tranken langsam. Wieder warf Kogoro Frau Katsuragi einen skeptischen Blick zu. Diese war extrem nervös und angespannt, was man daran erkennen konnte, dass sie in regelmäßigen zeitlichen Abständen mit der Spitze ihres rechten Zeigefingers auf die Tischplatte klopfte.
Kogoro fragte daraufhin: "Und Sie haben die Umgestaltung des Wohnzimmers und Ihrer Hausfassade allein mithilfe des Erbes und der Lebensversicherung Ihres Mannes finanzieren können?" Frau Katsuragi nickte. Kogoro setzte fort: "Wie viel hat Ihr Mann Ihnen denn hinterlassen?" "Das müssten ungefähr 900 Millionen Yen gewesen sein." Nun fiel ein noch skeptischerer Blick von Kogoro auf Frau Katsuragi. Yoshimi blickte diese etwas wütend an, als hätte Sie jeden Moment zu ihr sagen wollen: "Mörderin!"
Doch Yoshimi hielt sich sehr zurück. Frau Katsuragi schien zu spüren, dass im Raum eine Menge Skepsis lag. Doch Frau Katsuragi schien auch plötzlich zu merken, dass Kogoro nur vermutete, sie wäre eine Mörderin. Er wusste es nicht genau, schien sie zu denken. Wahrscheinlich fing sie aus diesem Grund zu lächeln an.
Sie fragte uns mit diesem Lächeln in einem schon beinahe frechen Ton: "Haben Sie sonst noch Fragen an mich, Herr Meisterdetektiv? Wenn nicht, dann können Sie gleich gehen. Ich erwarte heute nämlich noch einen Besucher. Würden Sie also bitte gehen?" Kogoro fragte daraufhin: "Wen erwarten Sie denn noch? Ihren Komplizen?" Frau Katsuragi antwortete mit dem Lächeln im Gesicht: "Nein, es ist mein Geliebter. Würden Sie jetzt also mein Haus verlassen?" Wir nickten und verließen die Villa. Frau Katsuragi rief Kogoro hinterher: "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Akechi." Kogoro rief zu ihr mit einem wütenden Gesichtsausdruck: "Ich sage Ihnen nur eines: Damit werden Sie nicht durchkommen! Ich werde schon herausfinden, wie Sie Ihren Mann umgebracht haben!" Daraufhin schlug Frau Katsuragi schweigend die Haustüre zu.
Kogoro lächelte: "Das haben wir jetzt erledigt. Wir haben unsere Informationen, die wir brauchen." Yoshimi regte sich auf: "Informationen hin oder her, bei Hiromi kommen wir nicht mehr ins Haus. Sie lässt uns nämlich nicht mehr rein. Das hast du toll hinbekommen, Kogoro! Weißt du das?" "Willst du etwa noch mal in ihre Wohnung? Wir müssen doch gar nicht mehr zu ihr. Wir wissen doch, wie es bei ihr zu Hause aussieht." Kogoro zog die Polaroid mit den Fotos aus Yoshimis Handtasche und sah sich diese genau an. Mit dem Grundriss des Hauses können wir den Fall besser lösen." Yoshimi zweifelte: "Aber du hast den Grundriss doch gar nicht. Wie willst du mit den Fotos herausfinden, wie der Grundriss ihrer Wohnung aussieht? So einfach ist das nicht." Kogoro lächelte: "Ich kenne jemanden, der sich mit solchen Sachen auskennt. Er ist Professor für Mathematik an der Touto-Universität in Tokio. Es ist Prof. Dr. Makoto Yamato. Er hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem man anhand von Fotos herausfinden kann, wie der Grundriss eines Hauses aussieht. Eigentlich hat er das Programm nur zum Spaß entwickelt, aber jetzt kann er es endlich mal in der Praxis anwenden. Ich brauche ihm nur die Fotos zu faxen. Außerdem habe ich ein merkwürdiges Dokument in Frau Katsuragis Schubladen entdeckt. Ihr Mann wollte das Testament nach der Reise nach Kyushu zu Gunsten sozialer Einrichtungen umschreiben." Yoshimi kombinierte: "Also musste Hiromi handeln und ihren Mann noch vor dem Ende seiner Reise umbringen, da sie sonst keine Vorteile mehr aus dem Testament hätte ziehen können. Aber wie konnte sie ihren Mann mit dem Flugzeugabsturz umbringen? Es ist keinem normalen Menschen möglich, ein Flugzeug so zu manipulieren, dass es abstürzt. Was meinst du, Kogoro?" "Da ist was dran. Wenn sie nicht zufällig einen Spezialisten bezüglich Luftfahrt in ihrem Bekanntenkreis hat, können wir die Theorie vergessen, dass das Flugzeug manipuliert wurde."
Aus einigen Metern Entfernung sahen wir daraufhin, wie ein leicht affektiert wirkender Herr mit langen schwarzen Haaren und Sonnenbrille bei Frau Katsuragi an der Haustüre stand und klingelte. Frau Katsuragi machte dem Herrn auf und sagte freudig zu ihm: "Hallo, Ryuichi. Ich habe dich schon erwartet. Komm rein!" Dieser antwortete: "Mach' ich doch gern'." Dann betrat er die Villa.
Yoshimi schreckte auf: "Diese Stimme und diesen Kansai-Dialekt habe ich doch irgendwo mal gehört. Mir fällt nur nicht ein, wo und wann das war ..."
Kogoro mahnte: "Erinnere dich! Wenn wir wissen, wo du die Stimme gehört hast, können wir vielleicht auch herausfinden, wie Frau Katsuragi ihren Mann ermordet hat." "Nein, mir fällt es echt nicht mehr ein ... Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich seine Stimme garantiert irgendwo gehört habe."
Kogoro bemerkte: "Dafür ist klar, dass Frau Katsuragi die Mörderin ihres Mannes gewesen ist. Der erste Beleg für ihre Täterschaft ist ihr Verhalten: Beim Gespräch hat sie zuerst immer vom Thema abgelenkt, als der Tod ihres Mannes zur Sprache kam. Aber als sie merkte, dass ich noch ahnungslos war, schien sie übermütig und erzählte uns in arroganter Weise von ihrem Erbe und ihrem Liebhaber. So ein Verhalten trifft in 99% aller Fälle auf einen eiskalten Mörder zu. Zweitens: Die Tatsache, dass ihr Mann nach der Reise das Testament zugunsten sozialer Einrichtungen umschreiben wollte, spricht wohl für sich: Sie wollte verhindern, dass das Erbe ihres Mannes nicht an sie geht. Und es wird wohl kaum Zufall gewesen sein, dass Herr Katsuragi kurz vor der Änderung des Testaments stirbt.
Das dritte Indiz bildet der Geliebte: Sie hat angeblich eine einmonatige Trauerphase durchgemacht, hing also sehr an ihrem Mann. Dann ist es doch etwas befremdlich, dass sie schon Wochen später einen Geliebten hat.
Das letzte Indiz ist die Tatsache, dass ihr Mann an ihrem Geburtstag gestorben ist. Sie wollte ihren Mann vermutlich an einem ganz besonderen Tag umbringen."
Yoshimi spottete: "An einem ganz besonderen Tag? Du meinst also, sie wollte sich sozusagen den Tod ihres Mannes zum Geburtstag schenken?" "Natürlich", antwortete Kogoro ernst, "Mörder, die des Geldes wegen morden, suchen sich meistens ein spezielles Datum, das sie nicht vergessen können. Damit stellen sie sicher, dass spezielle Termine, wie z.B. die Auszahlung eines Erbes oder ein Treffen nach einem Banküberfall, nicht vergessen werden. Deswegen hat sie ihren Mann zu ihrem Geburtstag umgebracht. Aber eines ist mir bisher immer noch unklar. Und das ist der Trick, mit dem sie ihren Mann umgebracht hat. So gesehen ist es unmöglich, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass Frau Katsuragi einen ganz besonderen Trick in der Hinterhand hat. Dieser Trick ist ihr Trumpf, der verhindern soll, dass Frau Katsuragi enttarnt wird. Sie ist zwar intelligent, aber nicht so intelligent, dass ihr Trumpf unschlagbar ist. Frau Katsuragi hat sich mit den falschen Personen angelegt ...

Kapitel 6
Die Suche nach der Trumpfkarte

Kogoro hatte Recht mit dem, was er gesagt hatte: Frau Katsuragi hat sich mit den falschen Personen angelegt. Doch es stand eine immer noch ungeklärte Frage im Raum: Wie hat Frau Katsuragi es geschafft, ihren Mann umzubringen? Schließlich war sie mit ihren Freundinnen von ihrem Computerkurs bei sich zu Hause, als das Flugzeug, in dem ihr Mann mitflog, abstürzte.
Kogoro überlegte: "Könnte es vielleicht sein, dass Frau Katsuragis Mann gar nicht bei dem Flugzeugabsturz umkam? Könnte es sein, dass er gar nicht mitgeflogen ist? Wenn ja, warum? Vielleicht wollte er seine Frau auf die Probe stellen, ob sie ihm nach seinem Tod immer noch treu bleiben würde. Aber warum hätte er das tun sollen? Vielleicht sollten wir im Internet nachsehen, welche Personen bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Was hältst du davon, Yoshimi?" "Gute Idee, Kogoro. Aber so, wie ich Hiromi einschätze, wird man Herrn Katsuragi auf der Liste der Toten finden. Sonst hätte sie doch nie das Erbe ausbezahlt bekommen. Na ja, du hast Recht, Kogoro. Wenn wir mit dem Internet nachforschen, sind wir schlauer." Kogoro schlug vor: "Oder wir sehen uns die Buchungen des besagten Flugs an. Vielleicht findet sich dort ein wichtiger Anhaltspunkt. Der Flughafen ist ja in direkter Nähe. Kommt, wir gehen jetzt zum Flughafen!"
Daraufhin fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen. Am Schalter fragte Kogoro die Frau, die dort stand: "Könnten Sie uns bitte die Liste mit der Belegung des vor einigen Wochen abgestürzten Flugzeugs geben?" Die Frau, eine langhaarige, brünette Dame Anfang dreißig, fragte daraufhin in einem unsympathischen Ton: "Warum sollte ich das machen? Sind Sie etwa Detektive oder so etwas in der Art?" Kogoro antwortete lächelnd: "Sie haben Recht, ich bin Detektiv. Ich bin einer der bekanntesten Detektive von Japan. Mein Name ist Kogoro Akechi. Na, fällt bei Ihnen der Groschen?" Die Antipathie der Dame am Schalter verwandelte sich zunächst in Bewunderung, dann in Erstaunen: "Sie sind also der legendäre Kogoro Akechi. Na gut, ich kann Ihnen da gerne helfen. Auch, wenn ich es eigentlich nicht dürfte, ich könnte Ihnen da die Belegung des abgestürzten Flugzeugs zeigen. Warten Sie bitte geschwind zehn Minuten!"
Wir warteten einige Minuten, dann kam die Dame mit einem Ordner zurück. Sie legte diesen auf den Tisch neben dem Schalter. Daraufhin blätterte sie darin. Sie schien etwas ratlos darin zu blättern. Yoshimi bemerkte: "Ich glaube, der Flug ging an einem Montag. Habe ich Recht?" Die Dame blätterte, dann stieß sie auf die richtige Seite: "Nein, der Flug ging an einem Mittwoch. Sehen Sie hier!" Wir sahen auf die Liste, doch nirgendwo war ein gewisser Takuya Katsuragi zu finden.
Kogoro fragte erstaunt: "Könnte es sein, dass Herr Katsuragi gar nicht in dem abgestürzten Flugzeug saß?" Yoshimi stellte eine Theorie auf: "Wahrscheinlich ist er unter einem falschen Namen geflogen. Das ist eigentlich hier in Japan bei interregionalen Flügen beinahe normal." Ich zweifelte: "Er war doch Geschäftsmann. Warum sollte sich jemand für einen geschäftlich bedingten Flug mit falschem Namen eintragen?" Kogoro vermutete: "Wahrscheinlich, weil er etwas zu verbergen hatte." Yoshimi fragte leise: "Aber was sollte das sein? Was hatte er zu verbergen?" Kogoro merkte an: "Vielleicht wollte er seiner Frau etwas verheimlichen und flog gar nicht aus geschäftlichen, sondern aus privaten Gründen." Yoshimi lächelte: "Du bist mir auch so ein Spaßvogel, Kogoro! Warum hätte er sich unter falschem Namen eintragen sollen, wenn Frau Katsuragi die Liste sowieso nie gesehen hätte. Das ergibt doch keinen Sinn." Kogoro bemerkte: "Das ergibt genauso wenig Sinn wie die Tatsache, dass ein Geschäftsmann unter falschem Namen fliegt. Vielleicht sollten wir uns jetzt mit dem Internetzugang des Hotels über die Namen der Toten informieren."
Wir wollten uns gerade vom Schalter entfernen, als die Frau, die hinter dem Schalter stand, uns aufhielt: "Herr Akechi! Da ich Ihnen soeben geholfen habe, wären Sie doch sicher so lieb und würden mir noch einen Gefallen erweisen, nicht wahr?" Kogoro lief zurück zum Schalter, woraufhin die Dame ihm einen leeren Zettel und einen Kugelschreiber auf den Tisch legte. Kogoro schaute etwas ratlos drein. Daraufhin sagte die Dame am Schalter: "Na kommen Sie! Ein Autogramm von Ihnen ist doch nicht zuviel verlangt, oder etwa doch?" Kogoro unterschrieb auf dem Zettel. Die Dame dankte. Nun entfernten wir uns rasch vom Schalter und machten uns auf den Weg zum Hotel.
Auf Kogoros Hotelzimmer suchten wir im Internet nach einer Liste mit den Opfern. Während Kogoro suchte, murmelte er etwas in seinen Bart: "Einen Beweis gegen Frau Katsuragi hätten wir eigentlich schon in der Hinterhand. Ihre Gier wird sie bald hinter Gitter bringen. Doch wie hat sie es geschafft, ihren Mann zu ermorden? Ach, da ist die Liste ja ..."
Kogoro hatte die Liste der Toten im Internet entdeckt. Wir sahen etwas sehr Überraschendes darauf: Hier stand der Name von Herrn Katsuragi auf der Liste der Toten. Noch etwas Merkwürdigeres offenbarte sich, als wir einen Blick auf die Anzahl der Passagiere warfen: Auf der Liste des Flughafens waren 85 Fluggäste eingetragen, aber auf der Liste der Toten waren 86 Fluggäste registriert. Wie ließ sich das erklären. War dieser eine Fluggast zuviel an Bord vielleicht Herr Katsuragi? Und warum ist er nicht auf der Liste der Fluggäste, sehr wohl aber auf der Liste der Toten eingetragen gewesen?
Yoshimi erstaunte: "Das kann doch nicht sein! Wie kommt denn Herr Katsuragi auf die Liste?! Ist er etwa von dem Flugzeug erschlagen worden?" Kogoro antwortete gelassen: "Sicher nicht. Schließlich ist das Flugzeug im Wald abgestürzt. Und zwar auf der Halbinsel Honshu! Warum sollte er auf Honshu durch die Wälder streifen. Das wäre doch dann ein bisschen zuviel des Unmöglichen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Frau Katsuragi es geschafft hat, das Flugzeug abstürzen zu lassen, ohne je in dessen Nähe gewesen zu sein. Bloß wie? Wir fassen zunächst zusammen, wie sich die Sachlage bis jetzt darstellt: Herr Katsuragi befindet sich zwar nicht auf der Liste der Fluggäste, aber sehr wohl auf der Liste der Toten. Und die Anzahl der toten Passagiere ist um eins größer als die Anzahl der eingestiegenen Passagiere. Hat er etwa erst während des Fluges das Flugzeug bestiegen? Oder hattest du Recht, Yoshimi, und Herr Katsuragi lag wirklich schon längst tot im Wald, bis das Flugzeug runterstürzte? Aber dann wäre es sehr stupide, anzunehmen, dass er noch zum Zeitpunkt des Absturzes seine Frau bei einer Geburtstagsfeier angerufen hat. Wie also hat sie das angestellt?"
Plötzlich kamen aus dem Faxgerät des Zimmers mehrere Blatt Papier. Kogoro fiel ein: "Ach, das sind die Gebäudegrundrisse, die uns Prof. Dr. Makoto Yamato freundlicherweise erstellt hat." Kogoro sah sich die Grundrisse gut an und bemerkte: "Yamato hat herausgefunden, dass es bei Frau Katsuragi einen versteckten Raum geben muss. Er behauptet, es müsste dem restlichen Grundriss des Hauses nach einen Raum geben, der die ganze Villa zu einem normalen rechteckigen Grundriss ergänzt. Ah, was haben wir denn da?", Kogoro blickte auf ein Foto, das der Professor mit einer Bemerkung zurückgeschickt hatte, "Hier hat der Professor einen Riss in der Wand entdeckt. Mir wäre der natürlich nicht aufgefallen. Aber was sollte der mit dem Flugzeugabsturz zu tun haben?" Ich vermutete: "Vielleicht hat ja Frau Katsuragi ihren Mann umgebracht, wobei es zu dem Riss kam, und hat eine andere Person mit dem Flugzeug abstürzen lassen." Yoshimi zweifelte: "Aber wie hat sie diese Person abstürzen lassen? Das ist genauso unmöglich."
Auf einmal sprang Kogoro auf: "Das muss die Lösung sein: Frau Katsuragi hat nicht ihren Mann fliegen lassen, sondern hat den Piloten veranlasst, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Dieser musste nur das Flugzeug während des Fluges verlassen und das Flugzeug würde nach einer gewissen Zeit automatisch abstürzen. Und ich vermute, dass der Geliebte von Frau Katsuragi in Wirklichkeit dieser Pilot war." Yoshimi verneinte diese These: "Von wegen, mein lieber Kogoro! Warum war Herr Katsuragi dann auf der Liste der Toten? Herr Katsuragi muss in dem Flugzeug mit geflogen sein. Demnach steht fest, dass Herr Katsuragi bei dem Absturz umgekommen sein muss, der Anrufer Herr Katsuragi sein muss und Hiromi somit keine Möglichkeit hatte, ihren Mann umzubringen. Wenn wir von etwas anderem ausgehen, ergibt alles plötzlich keinen Sinn mehr. Wie also war dies alles möglich?" Ich war schon nahe vorm Verzweifeln: "Frau Katsuragi ist zu intelligent für uns. Sie hat ein geniales Verbrechen begangen und es gibt auch keine Möglichkeit, ihr alles nachzuweisen. Schließlich ist das Flugzeug, mit dem Herr Katsuragi geflogen ist, sofort ausgebrannt. So kam es jedenfalls in den Nachrichten ..." Kogoro unterbrach: "Was? Das Flugzeug ist ausgebrannt? Aber wie konnte man dann ...?" Kogoro warf einen flüchtigen Blick auf Yoshimis Handtasche und murmelte vor sich hin: "Ach so, so war das also! Frau Katsuragi ist vermutlich nicht im Besitz des Wissens, dass wir soeben hinter den Mord an ihrem Mann gekommen sind. Kein Zweifel: sie hat ihn umgebracht. Und einen Beweis haben wir auch schon." Yoshimi fragte erstaunt: "Du hast es also herausgefunden?! Ja, aber wie hat sie es denn nun gemacht? Wie hat sie ihren Mann umgebracht?"
Daraufhin erklärte uns Kogoro, wie dieses Verbrechen möglich gemacht wurde.
Erschöpft vom Tag zuvor, schliefen wir eine Nacht, um bei Frau Katsuragis Überführung am darauf folgenden Tag wach zu bleiben.
Am nächsten Tag wachten wir früh auf und machten uns zwei Stunden, nachdem wir aufgestanden waren und gefrühstückt hatten, auf den Weg zu Frau Katsuragis Haus. Um 11.00 Uhr waren wir schließlich angekommen und klingelten bei ihr an der Tür. Sie stand in einem Bademantel vor uns und sagte müde: "Was, Sie schon wieder? Sie haben uns gestört, wissen Sie das?" Daraufhin rief Frau Katsuragis Geliebter vom Schlafzimmer aus herunter: "Was is' denn jetz' los?" Kogoro forderte Frau Katsuragi auf: "Ziehen Sie sich erst mal um, dann sehen wir weiter! Und könnten Sie Ihrem Geliebten bitte dieselbe Anweisung geben?" Frau Katsuragi sagte gestresst: "Na gut. Wenn Sie unbedingt darauf bestehen. Gehen Sie solange ins Wohnzimmer!"
Wir folgten der Aufforderung und setzten uns ins Wohnzimmer. Nach zehn Minuten kamen Frau Katsuragi und ihr Geliebter zu uns ins Wohnzimmer. Frau Katsuragi fragte: "Was wollten Sie uns denn nun sagen? Wollen Sie uns etwa wieder sagen, ich sei die Mörderin meines Mannes gewesen? Mir war das alles nicht möglich, ich meine, meinen Mann im Flugzeug abstürzen zu lassen. Ich hatte vielleicht ein Motiv, aber keine Möglichkeiten. Oder glauben Sie etwa, ich hätte meinen Mann umgebracht?" Kogoro lächelte: "Ich glaube nicht, dass Sie Ihren Mann umgebracht haben. Ich weiß es! Sie haben Ihren Mann umgebracht und ich werde Ihnen jetzt den kompletten Fall analysieren, sowie es sich die besten Krimiautoren vorstellen würden ..."

Kapitel 7
Das Geheimnis hinter dem Flugzeugabsturz

Kogoro sagte lächelnd zu Frau Katsuragi und deren Geliebten: "Ich weiß, dass Sie Ihren Mann umgebracht haben und werde Ihnen jetzt die Ergebnisse meiner kriminalistischen Analysen darlegen." Frau Katsuragi hatte ein eiskaltes Lächeln auf den Lippen: "Wenn Sie mir im Ernst vorwerfen wollen, meinen Mann umgebracht zu haben, dann sagen Sie mir, wie ich es gemacht haben soll. Es war mir keinesfalls möglich, meinen Mann mit einem Flugzeugabsturz umzubringen."
Kogoro erklärte: "Sie haben Ihren Mann gar nicht durch den Flugzeugabsturz umgebracht, sondern mit dem Katana, das in diesem Wohnzimmer in der Halterung liegt. Ihr Motiv war Geldgier: Sie mussten Ihren Mann umbringen, bevor dieser sein Testament umschreiben würde. Als er Ihnen die Nachricht kundgab, nahmen Sie nach reichlichem Überlegen das Schwert aus dem Wohnzimmer, rannten damit zu Ihrem Mann und ermordeten ihn damit. Dabei kam es zum Riss in der Wand im Obergeschoss. Jetzt hatten Sie aber ein Problem: Wie sollte man die anderen von der eigenen Unschuld überzeugen, wenn der Tote bei sich zu Hause mit einem Katana ermordet im Gang liegt und die Tatwaffe übersäht ist mit den eigenen Fingerabdrücken? Ganz einfach: Sie mussten allen vorgaukeln, Ihr Mann sie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen."
Frau Katsuragi lachte: "Wie soll das bitte sehr möglich gewesen sein, die Leiche meines Mannes in ein Flugzeug zu setzen und abstürzen zu lassen? Das geht doch nicht." Kogoro erläuterte: "Es war wirklich nicht möglich. Da haben Sie Recht. Aber der Einfall mit dem vorgetäuschten Flugzeugabsturz kam Ihnen erst, als das besagte Flugzeug schon längst auf dem Boden lag. Sie mussten in den Nachrichten die Meldung von dem Flugzeugabsturz auf Video aufnehmen und diese Nachricht dann bei Ihrer Geburtstagsfeier abspielen, sodass die Gäste denken würden, es wäre eine Live-Übertragung. So würde jeder denken, dass das Flugzeug erst an Ihrem Geburtstag abgestürzt sei. Ihr Mann starb also nie bei dem Flugzeugabsturz, weil er nie in dem Flugzeug gesessen ist. Ein Beweis dafür ist, dass meine Frau dachte, das Flugzeug wäre an einem anderen Tag abgestürzt."
Frau Katsuragi fragte: "Haben Sie dafür Beweise oder sind das alles nur Theorien Ihrerseits?" Yoshimi erklärte: "Es gibt einen Beweis dafür, dass die Sendung nur eine Videoaufnahme gewesen sein kann: Sofort nach dem Absturz wurde auch schon gesagt, dass alle Fluggäste tot seien. Wie konnte man das bei den Nachrichten wissen? Das ist der Beweis dafür, dass die Zahl der Toten schon lange bekannt war.
Außerdem wissen wir, dass dein Mann nicht im Flugzeug mitgeflogen ist. Wir haben ein Indiz für diese Theorie: Herrn Katsuragis Leiche hätte man gar nicht bei der Bergung identifizieren können, da das Flugzeug ausgebrannt ist. Du machtest dir dies zunutze und täuschtest den Bergungstrupps vor, dein Mann wäre einer der Toten, indem du deinen Geliebten beauftragt hast, den Personalausweis deines Mannes an die Absturzstelle zu legen. Würde man nun den Ausweis finden, würde man zum falschen Schluss kommen, dass Herr Katsuragi unter den Toten war. Nur dumm, dass er nicht auf der Passagierliste zu finden ist. Daran hast du nicht gedacht. Und der Personalausweis deines Mannes hat uns somit indirekt auf den falschen Schluss gebracht, dass ein Passagier zuviel an Bord war. Was sagst du jetzt, Hiromi?"
Frau Katsuragi fragte: "Und wie soll dann mein Mann auf der Geburtstagsfeier angerufen haben, als er im Flugzeug saß und abstürzte, wenn er angeblich schon längst tot war? Das ist doch irgendwie unmöglich." Kogoro erklärte: "Er konnte gar nicht vom Flugzeug aus telefonieren, da ihm das gar nicht gestattet war. Im Flugzeug sind nämlich Handys verboten. Das bedeutet, dass die Person, die angerufen hat, nicht im Flugzeug gesessen haben kann, sondern wahrscheinlich von zu Hause aus angerufen hat. Und bei dieser Person handelt es sich keinesfalls um Ihren Mann, sondern um Ihren Geliebten. Meine Frau hat mir nämlich erzählt, sie würde die Stimme Ihres Geliebten irgendwoher kennen. Nach einigem Nachdenken ist mir die Idee gekommen, dass sie die Stimme Ihres Geliebten von dem Anruf auf Ihrer Geburtstagsfeier her kennen würde. Das bedeutet, dass Ihr Geliebter angerufen hat und ein Gespräch inszeniert hat. Und jetzt kommt Ihr nächster Fehler, den Sie gemacht haben: Sie sind sofort nach dem abbrechenden Anruf an den Fernseher gerannt. Aber ich frage mich wirklich, wie man es schaffen soll, gleich nach dem Abbruch des Anrufs den richtigen Sender herein zu bekommen, ohne auch nur einmal umzuschalten. Das bedeutet, dass Sie von Anfang an den Videokanal angeschaltet hatten, um die Videoaufnahme der Nachrichtensendung abzuspielen. Im Großen und Ganzen war dies also ein ziemlich gut organisiertes Verbrechen mit einigen fatalen Fehlern. Was sagen Sie dazu, liebe Frau Katsuragi und Sie? Ja, Sie meine ich, Sie als den Geliebten von Frau Katsuragi!"
Der Geliebte lächelte nur: "Wie wollen Sie uns das denn beweisen?" Kogoro erläuterte: "Mit dem versteckten Zimmer in Ihrem Haus. In diesem haben Sie die Leiche von Herrn Katsuragi versteckt, da Sie die Leiche nicht aus dem Haus schaffen konnten. Wenn wir das Zimmer durchsuchen lassen, wird die Leiche bestimmt dort auftauchen."
Frau Katsuragi sagte auf arrogante Weise: "Den Eingang werden wir bestimmt nicht verraten. Aber nicht, weil dort die Leiche meines Mannes liegt, sondern weil Sie das nichts angeht. Außerdem sollten Sie uns mal Beweise bringen. Und zwar solche, die man stichhaltig nennt."
Yoshimi erläuterte: "Du wolltest es ja nicht anders, Hiromi. Der Beweis ist die Renovierung des Wohnzimmers, in dem wir gerade sitzen. Wir haben nachgeforscht und haben herausgefunden, dass du die Renovierung der Wohnung schon vor dem Flugzeugabsturz bezahlt hast, als du noch gar nicht genügend Geld dafür hattest. Damit konnten wir wirklich rechnen, dass du diesen Fehler begehen würdest. Du wusstest schon vor dem Flugzeugabsturz, dass du die Renovierung von dem Erbe deines Mannes zahlen konntest. Und das kann nur eines bedeuten: Du wusstest schon vor dem Flugzeugabsturz, dass dein Mann tot war. Ergo: Du hast deinen Mann umgebracht! Was meinst du, Hiromi? Ergibst du dich?"
Frau Katsuragi zuckte zusammen und wurde extrem bleich im Gesicht.
Wenige Sekunden lang vollkommene Stille im Raum ...
Der Geliebte schaute Frau Katsuragi nervös an ...
"Ja, ich war es. Ich habe meinen Mann umgebracht. Pah, in Wirklichkeit war doch diese soziale Einrichtung, der mein Mann das Geld vererben wollte, die Yakuza... Ich musste ihn umbringen, weil er das Geld irgendwelchen Kriminellen vererbt hätte. Ich musste verhindern, dass mein Erbe an die Yakuza geht. Ich weiß, das wirkt jetzt sehr eigensinnig, doch ich musste meinen Mann umbringen und mir von meinem Geliebten Ryuichi helfen lassen, um an das Geld zu kommen. Tut mir Leid, dass unsere zukünftigen Träume den Bach runter sind ... Wir werden uns jetzt wohl ergeben müssen, Ryuichi ..."
Der Geliebte stand stumm auf und ging langsam zum Eingang des Wohnzimmers. Frau Katsuragi wollte gerade auch aufstehen, als sich der Geliebte plötzlich umdrehte und mit einem eiskalten Lächeln einen Revolver auf uns hielt: "Verdammtes Miststück!!! Ich hatt' mir die ganze Sache ganz anders vorgestellt! Und du musstest mir mit deiner verdammten Geldgier 'n Strich durch die Rechnung machen! Eigentlich hatt' ich ja vor, dich beim baldigen Skiurlaub auf Hokkaido tödlich verunglücken zu lassen, aber scheinbar wollt'st du früher sterben!"
Frau Katsuragi fragte geschockt: "Dann bist du also auch ..."
Der Geliebte lächelte düster und setzte fort: "Ganz genau! Ich bin genauso von der Yakuza und hab damit gerechnet, dass du dein' Mann umbringen würd'st. Ich hab mich an dich rangemacht, damit wir im Fall des vorzeitigen Todes deines Manns an das Erbe kommen könnten, selbst wenn das Geld nicht direkt an die Yakuza geh'n würd'."
Der Geliebte hatte einen Blick, an dem man sehen konnte, dass er auf Frau Katsuragi zielte. Dann jagte er mit einem eiskalten Lächeln Frau Katsuragi eine Kugel durch den Kopf.
Frau Katsuragi sackte mit weit geöffneten Augen tot auf ihrem Sitzkissen zusammen und fiel mit ihrer Stirn vornüber auf die Tischplatte.
Kogoro mahnte: "Damit werden sie nicht durchkommen! Wir wissen, dass Sie sowohl beim Mord an Herrn Katsuragi Beihilfe leisteten als auch Frau Katsuragi soeben ermordet haben."
Der Geliebte lachte: "Und wem wollen Sie das erzählen? Vielleicht den Engeln im Jenseits, hm?! Ich werde Sie drei nich' nur umbringen, weil Sie das Ganze jetzt mitbekommen haben, sondern auch, weil Ihr netter Kollege Ikuya Hatano uns beim Mord an unserem Boss auf die Schliche gekommen is'. Da staunen Sie, nich' wahr?
Herr Shibata, der Pressefotograf, den Sie gestern verhaften haben lassen, wurde von mir manipuliert und hat auf meine Anweisung hin die drei Morde in dem Hotel begangen. Er dachte, ich wär nicht von der Yakuza und ist somit in die Falle getappt, indem er mir alles erzählt hat."
Kogoro fragte kühl: "Aber er wird Sie verraten. Er wird der Polizei von Ihnen erzählen."
Der Typ lächelte: "Tut mir Leid... Daraus wird leider nichts. Er hat im Polizeiwagen 'ne Zyankalikapsel geschluckt. Der Idiot dacht', in der Kapsel wär' n' Sender', mit dessen Hilfe wir ihn aufspürn' könnten, sollt' er verhaftet werden."
Kogoro würde wütend: "Und Sie denken wirklich, die aus den ganzen Morden resultierende Karriere sei wichtiger als ein Menschenleben? Sagen Sie es mir! Wie viele Morde haben Sie denn schon begangen? Sagen Sie mir ja nicht, es wären nur die Morde an dem Pressefotografen und Frau Katsuragi gewesen!"
Der Geliebte lächelte: "Glauben Sie etwa, es würd' mich interessieren, wie viel' Menschen ich aufm Gewissen hätt'? Aber ich kann Ihnen garantieren, dass es mehr als zwanzig Menschen sin'. Und die nächsten drei werden Sie sein!"
Der Typ versuchte zunächst auf Yoshimi zu schießen, doch wir duckten uns schnell und wichen somit dem Schuss aus. Exakt in dem Moment, in dem der Schuss fiel, nahm Yoshimi, während sie sich duckte, das Katana aus der Halterung. Ein ratloser Blick lag auf dem Gesicht des Verbrechers, als Yoshimi plötzlich aufsprang, mit dem Katana in der Hand einen Vorwärtssalto machte und nur noch einen Meter vor dem Typen auf den Füßen landete. Sie hatte es geschafft, ihren Sprung so zu koordinieren, sodass sie, als sie aufkam, die Spitze des Katana an der Kehle des Gangsters angesetzt hatte.
Der Gangster ließ vor Schreck die Waffe fallen und sagte leise mit einem wütenden Blick: "Miststück!"
Yoshimi lächelte ihn gelassen an und hauchte ihm leise mit diesem Lächeln ein Wort ins Gesicht: "Dreckskerl!"
Doch plötzlich zersprang die Fensterscheibe des Wohnzimmers, woraufhin der Verbrecher mir einer Schusswunde in der Brust tot zu Boden sank. Draußen konnte man nur noch das Geräusch eines wegfahrenden Autos hören.
Kogoro bedauerte: "Die haben ihn beseitigt, weil er es übertrieben hat. Er war zu machtgierig." Yoshimi fragte besorgt: "Und wir? Was ist mit uns? Werden die uns etwa auch umbringen?" Kogoro lächelte: "Nein, liebe Yoshimi. Die Yakuza versucht trotz ihrer Stellung als kriminelle Organisation das Wohl der Menschen zu bewahren. Die tun keinem normalen Menschen etwas. Ich glaube, das hat dieser komische Typ nicht ganz geschnallt. Er war übergeschnappt und musste deswegen von der Yakuza exekutiert werden."
Ich fragte: "Ja, aber diese Drohungen von dem einen Typ im Hotel, was war das dann?"
Kogoro erklärte: "Bei der Yakuza gibt es spezielle Einschüchterungstaktiken, wenn z.B. ein Händler die Ware nicht rüberrückt. Natürlich tun die Leute einem nichts, aber man bekommt es schon mit der Angst zu tun." Ich fragte erschrocken: "Woher weißt du eigentlich soviel über die Yakuza? Sag bloß, du ..."
Kogoro unterbrach: "Du hast es erfasst, Ikuya: Ich war auch mal bei der Yakuza und bin dort irgendwann mal ausgestiegen, um als Detektiv weiterzuleben. Bei der Yakuza habe ich einige wichtige Einblicke gewonnen. Aber denen war egal, dass ich als Detektiv weiterarbeite, sollte ich nicht gegen die Yakuza ermitteln. So, und jetzt sollten wir mal den Mistkerl raustragen lassen ..."
Wir riefen die Polizei an, welche auch eine halbe Stunde ankam. Später mussten wir es bei den Verhören schaffen, den Polizisten die Abläufe zu erklären, was sich aufgrund der merkwürdigen Situation als sehr schwierig erwies.
Einige Wochen lang mussten wir uns von dem Schrecken erholen.
So endete dieser Fall.