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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Der Sturz

Kapitel 1

Vor einiger Zeit wurde Kogoro von einem gewissen Herrn Kogami (Noriyuki Kogami, 34, Immobilienmakler) beauftragt, dessen depressive Frau (Haruna Kogami, 31, Bankangestellte) zu überwachen. Mehr erwähnte Herr Kogami nicht am Telefon.
Wir fuhren mittags zu einem Hochhaus inmitten von Tokio, und klingelten an der Klingel mit der Aufschrift "Kogami". Die Tür öffnete sich und wir traten ein.
Dann liefen wir in den 7. Stock, wo uns Herr Kogami schon erwartete. Er begrüßte uns und führte uns in seine Wohnung. Wir setzten uns, dann fing Herr Kogami an zu sprechen: "Herr Akechi. Ich habe Sie hergeholt, um meine Frau Haruna überwachen zu lassen." Kogoro fragte: "Haben Sie den Verdacht, dass sie Sie betrügt?" Herr Kogami sagte empört: "Auf keinen Fall. Haruna ist schwer depressiv, deswegen bin ich besorgt." Kogoro fragte: "Meinen Sie, Ihre Frau ist selbstmordgefährdet?" Herr Kogami sagte: "Ja, das meine ich. Haruna ist extrem depressiv. Sie ist in letzter Zeit appetitlos und ziemlich träge." "Hat Ihre Frau schon versucht, sich umzubringen?" "Nein, das hat sie glücklicherweise noch nicht gemacht. Ich habe Sie beauftragt, meine Frau zu überwachen, damit Sie sie vor einem Selbstmord bewahren können."
Plötzlich kam Frau Kogami in die Wohnung und lief wortlos an uns vorbei. Kogoro bemerkte: "Ihre Frau ist ziemlich schweigsam." Herr Kogami stimmte zu: "Das stimmt. Sie will zurzeit nicht in meiner Nähe sein und hat daher die leer stehende Wohnung im 9. Stock gemietet." "Und Sie sind sich ganz sicher, dass Ihre Frau wirklich nur depressiv ist?" "Natürlich ist sie nur depressiv. Das habe ich mir von einem Freund (Heizo Negishi, 35, Psychologe), der auch in diesem Haus im 10. Stock wohnt, bestätigen lassen." Kogoro bemerkte: "Ich wollte Sie noch etwas Anderes fragen. Befindet sich eigentlich nur eine Wohnung in einem Stockwerk?" "Ja, die Wohnungen sind sehr groß und passen daher jeweils nur in ein Stockwerk. Die Wohnungen besitzen sogar jeweils eine Klimaanlage." Kogoro fragte daraufhin: "Und wer wohnt hier im 8. Stock?" "Warum wollen Sie das wissen, Herr Akechi?" "Vielleicht könnte die Person, die einen Stock tiefer wohnt, auf Ihre Frau aufpassen." "Ach so. Im 8. Stock wohnt eine Amerikanerin (Linda Greenwood, 23, Börsenmaklerin)." "Spricht sie Japanisch?" "Ja, sie spricht fließend Japanisch. Sie ist vor 3 Jahren hier eingezogen, kurz nach diesem tragischen Unfall." "Ein Unfall? Was ist denn damals passiert." Herr Kogami antwortete: "Das war folgendermaßen: …"
Frau Kogami kam aus der Küche und unterbrach Herrn Kogami: "Das ist doch belanglos. Das hat unsere Gäste nichts anzugehen."
Frau Kogami verließ die Wohnung. Herr Kogami sprach weiter: "Gereizt ist meine Frau auch. Sie sehen, Haruna ist ziemlich depressiv, wie mir Herr Negishi bestätigt hat." "Wer ist Herr Negishi?" "Ich habe es Ihnen doch schon vorher gesagt. Herr Negishi ist der Psychologe im 10. Stock. Er ist ziemlich erfolgreich. Aber er reist morgen nach Amerika, um dort eine eigene Praxis aufzubauen. Dann gibt es noch im 11. Stock einen etwas älteren Herrn (Kunio Miyano, 58, Besitzer eines Restaurants). Er ist ziemlich reich und zog, wie Linda Greenwood, ein paar Wochen nach diesem Unfall hier ein." Kogoro bemerkte: "Wir weichen etwas vom Thema ab. Ich soll doch auf Ihre Frau aufpassen. Was bieten Sie mir dafür?" "Ich biete Ihnen 100000 Yen . Sind Sie damit einverstanden?" "Ich bin damit einverstanden." "Entschuldigen Sie mich bitte. Ich würde gerne nach meiner Frau sehen."
Herr Kogami verließ das Zimmer. Kogoro sagte: "Ich hätte bei diesem Auftrag doch etwas Interessanteres erwartet. Stattdessen muss ich eine suizidgefährdete Frau überwachen. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte. Vielleicht sollte ich den Auftrag doch ablehnen." Ich sagte schnell: "Auf keinen Fall, Kogoro. Ich verdiene bei deinen Aufträgen mit." "Aber ich bin aufregendere Sachen gewohnt: Morde, Erpressungen, Morddrohungen, usw. ..." Ich schlug vor: "Wie wäre es, wenn du das Honorar etwas erhöhen lässt?" Kogoro lächelte und sagte: "Das ist ein guter Vorschlag. Ich könnte das Honorar um 50% erhöhen lassen. Davon wird der Auftrag zwar auch nicht interessanter, aber es hat sich dann jedenfalls gelohnt, ihn anzunehmen."
Plötzlich stürzte am Fenster ein uns fremder Mann vorbei. Wir rannten zum Fenster und hörten nach einigen Sekunden einen Aufschlag. Wir sahen aus dem Fenster und sahen den Mann am Boden des Grundstücks in einer großen Blutlache liegen. Wir liefen ins Treppenhaus, um nach unten zu gehen und stießen mit Herrn Kogami zusammen, der auch auf dem Weg nach unten war. Er sagte panisch: "Der Psychologe, Herr Negishi. Er ist runtergestürzt." Kogoro fragte: "Meinen Sie den Psychologen, von dem Sie uns vorher erzählt haben." Herr Kogami nickte.
Dann liefen wir nach unten. Plötzlich rannte eine blonde Frau mit amerikanischem Aussehen zu uns und schrie: "Herr Negishi ist runtergestürzt. Wir müssen ihm helfen, kommen Sie schnell runter."
Wir liefen nach unten und öffneten die Haustüre. Wir sahen dort Herrn Negishi liegen. Herr Kogami wollte sich ihm nähern, doch Kogoro hielt ihn ab und tastete an Herrn Negishis Handgelenk. Dann sagte er: "Rufen Sie sofort die Polizei. Herr Negishi ist tot. Es sieht beinahe so aus, als sei er zu Tode gestürzt." Kogoro untersuchte die Hosentasche der Leiche und fand darin einen Schlüssel. Die blonde Frau mit amerikanischem Aussehen (Linda Greenwood, 23, Börsenmaklerin) bemerkte: "Das ist doch ein Wohnungsschlüssel aus diesem Haus." Kogoro sah sich den Schlüssel genauer an, dann fragte er: "Was bedeutet eigentlich die eingravierte 10 auf dem Schlüssel?" Herr Kogami sagte: "Das bedeutet, dass der Schlüssel fürs 10. Stockwerk ist."
Kogoro sah sich die Hände des Toten genauer an, dann entdeckte er auf der rechten Hand des Opfers mehrere Schnitte, die das nebenstehende Symbol bildeten.
Kogoro fragte sich: "Was könnte das wohl bedeuten? Das ist das japanische Schriftzeichen moku, was soviel bedeutet wie Bäumchen. Könnte das eine Sterbenachricht sein? Wenn ja, was bedeutet sie?" Kogoro dachte nach, dann sagte er: "Wir sollten nachprüfen, wer sich zum Zeitpunkt des Sturzes in diesem Hochhaus befunden hat." Herr Kogami überlegte und sagte: "Das kann ich Ihnen sagen. Der Großteil der Mieter ist verreist, es befinden sich zurzeit nur Frau Linda Greenwood, die gerade bei uns steht, Herr Kunio Miyano, meine Frau und ich in diesem Haus."
Kogoro sah jetzt erst, dass die Leiche parallel zur Hauswand lag, dachte kurz nach und sagte: "Und diese vier Personen bleiben bis zum Eintreffen der Polizei in diesem Haus. Diese vier Personen stehen jetzt nämlich unter höchstem Tatverdacht." Frau Greenwood fragte: "Meinen Sie etwa wirklich, dass wir dafür in Frage kommen?" Kogoro sagte: "Natürlich. Doch zuerst sollten wir das Zimmer von Herrn Negishi überprüfen. Vielleicht finden wir dort Hinweise."
Wir gingen zu Herrn Negishis Zimmer und bemerkten, dass die Türe abgeschlossen war. Kogoro fragte: "Wie viele Schlüssel gibt es eigentlich zu diesem Zimmer?" Herr Kogami antwortete nach kurzem überlegen: "Nur den einen, den wir in der Hosentasche des Opfers gefunden haben." Frau Greenwood ergänzte: "Außerdem kann man die Schlüssel nicht nachfertigen."
Plötzlich kamen auch ein älterer Herr (Kunio Miyano, 58, Besitzer eines Restaurants) und Frau Kogami in den 10. Stock. Herr Miyano fragte erstaunt: "Was ist denn passiert?" Kogoro erklärte: "Herr Negishi ist zu Tode gestürzt." Dann nahm Kogoro den Schlüssel, den er in der Hosentasche der Leiche gefunden hatte und schloss damit die Wohnung auf. Sofort sahen wir, dass das Fenster weit offen stand. Kogoro sagte: "Hier ist Herr Negishi also runtergestürzt. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass es Mord war." Herr Miyano zweifelte: "Das denke ich nicht. Gehen wir von der Theorie aus, es war wirklich Mord, dann wäre der Tathergang folgendermaßen gewesen: Der Täter entwendete dem Opfer den Schlüssel, schloss damit die Tür von innen ab, steckte dem Opfer den Schlüssel in die Hosentasche und warf das Opfer schließlich im 10. Stock aus dem Fenster. Es gibt nur einen Schlüssel zu dem Tatort. Hätte der Täter das Opfer also wirklich mit dem Schlüssel aus dem Fenster geworfen, wäre er nicht mehr aus dem Zimmer gekommen." Frau Greenwood fragte: "Und was ist, wenn der Täter danach durch das offene Fenster stieg und über das Fenster der eigenen Wohnung wieder zurückkam?" Herr Kogami erwiderte: "Sie vergessen ein Detail, Frau Greenwood: Wir befinden uns hier im 10. Stock, also mindestens 60 Meter über dem Boden. In dieser Höhe wäre der Täter doch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch abgestürzt." Kogoro fragte: "Und wo waren Sie vier zum Zeitpunkt des Sturzes, also um 12.40 Uhr?" Herr Miyano begann: "Ich war zum Zeitpunkt des Sturzes in meiner Wohnung und habe einen Brief beantwortet." Kogoro fragte: "Wie lange hat das ungefähr gedauert?" Herr Miyano lächelte: "Ich bin noch nicht fertig geworden. Ich habe jetzt ungefähr 8 Seiten zusammen. Ich habe um 11 Uhr angefangen zu schreiben. Jetzt ist es 13 Uhr. Es ist unmöglich, 8 Seiten innerhalb von zwei Stunden zu schreiben, wenn man zwischendurch eine Pause macht, sprich: einen Mord ausführt. Mir war das Verbrechen zeitlich also gar nicht möglich." Kogoro bemerkte: "Sie könnten den Brief doch schon im Voraus geschrieben haben." Herr Miyano stritt ab: "Das war mir gar nicht möglich, da ich den Brief erst heute um 11 Uhr bekommen habe, was Sie sich auch sicher von dem Autor des Briefes bestätigen lassen können." Kogoro schloss daraus: "Das ist ein perfektes Alibi. Wie sieht es mit den Alibis der anderen Personen aus?" Frau Greenwood antwortete: "Ich habe zum Zeitpunkt des Sturzes auf den Anrufbeantworter einer Freundin gesprochen. Das können Sie sich von meiner Freundin bestätigen lassen. Ich habe bei ihr 10 Minuten lang ununterbrochen auf ihren Anrufbeantworter gesprochen. Als ich dann sah, dass Herr Negishi runterstürzte, habe ich sofort aufgelegt. Ich denke dennoch, dass das ein perfektes Alibi ist." Kogoro nickte. Frau Kogami sprach weiter: "Ich war um 12.40 Uhr auf dem Dach dieses Hauses. Es lag eine Nachricht vor meiner Tür: Kommen Sie bitte aufs Dach, ich würde dort gerne etwas mit Ihnen besprechen. Ich ging also aufs Dach, doch dort war niemand. Dann bin ich auf dem Dach geblieben, um die Aussicht zu genießen." Kogoro fragte: "Sie haben also kein Alibi?" Frau Kogami sagte: "Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Alibi ist. Am Dachgeländer stand ein Nagel ab, an dem ich mich geschnitten habe. Ich habe also dort einige Tropfen Blut verloren. Es heißt doch, man könnte erkennen, wann das Blut getropft ist und zu wem es gehört." Kogoro bestätigte: "Das stimmt. Dank der heutigen Methoden kann man auf eine Minute genau bestimmen, wer wann und wo Blut verloren hat. Wenn wir das überprüfen lassen, ist Ihr Alibi perfekt. Und wie steht es mit Ihrem Alibi, Herr Kogami?" Herr Kogami überlegte, dann sagte er: "Ich war auf meinem Zimmer und habe dort meine Frau gesucht. Dann habe ich gesehen, wie Herr Negishi runtergestürzt ist. Ich bin doch eine halbe Minute nach dem Sturz mit Ihnen auf der Treppe zusammengestoßen. Ich hätte also nur eine halbe Minute Zeit gehabt, um Herrn Negishi runter zu werfen, von dem Fenster des von innen verriegelten Raumes aus in Stock 9 zu klettern und mit Ihnen letztendlich auf der Treppe zusammenzustoßen. Außerdem erwähne ich nochmals, dass es sowieso beinahe unmöglich ist, aus dem Fenster im 10. Stock zu steigen, ohne selbst herunterzustürzen." Kogoro bemerkte: "Sie haben somit auch ein Alibi, Herr Kogami. Es wird Ihnen doch sicher nichts ausmachen, wenn ich Ihre Zimmer durchsuche, oder?" Die vier Tatverdächtigen gingen weg, doch Kogoro hielt Herrn Kogami an: "Herr Kogami, Sie haben doch vorhin gesagt, dass sich hier vor drei Jahren ein tragischer Unfall ereignet hat. Könnten Sie mir sagen, was sich damals zugetragen hat?" Herr Kogami nickte: "Vor drei Jahren ist hier eine Frau heruntergestürzt und war sofort tot. Die Polizei fand ihren Appartementschlüssel in ihrer Rocktasche. In ihrem Zimmer stand eine Leiter am Fenster, man nahm also an, sie wollte die Leiter hochsteigen und ist dann unglücklich gestürzt. Das war im 12. Stockwerk." "Und wie hieß die Frau?" "Das habe ich leider vergessen, doch als einige Wochen später Herr Miyano einzog, war dieser etwas bedrückt. Zwei Wochen war Herr Miyano dann wieder sehr gut gelaunt und bestellte ziemlich viele Luxusgüter. Zwei Monate später eröffnete Herr Miyano dann ein Restaurant. Herr Negishi, der heute verstorben ist, wohnte schon lange vor diesem Unfall vor drei Jahren in diesem Haus und war mit seiner Praxis nicht besonders erfolgreich. Doch 5 Wochen nach dem Unfall erweiterte er seine Praxis und nahm ziemlich viel Geld ein." "Und wie sieht es mit der Amerikanerin, Frau Greenwood, aus?" "Sie zog drei Wochen nach dem Unfall ein. Sie ist Börsenmaklerin und ist durch den Aktienhandel reich geworden, das hat sie damals jedenfalls gesagt." "Und was ist mit Ihnen und Ihrer Frau, Herr Kogami?" "Wir wohnten schon sehr lange vor dem Unfall hier. Ab und zu haben wir bei Herrn Negishi Ratschläge geholt, dennoch war meine Frau etwas misstrauisch ihm gegenüber. Ich weiß auch nicht, warum, aber sie sagte, er hätte keine Erfahrung mit Psychologie. Ich selbst habe mich sehr gut mit ihm verstanden. Ich spielte jeden Samstagabend mit ihm und seinen Freunden Poker." Plötzlich kam ein alter Bekannter von Kogoro, Hauptkommissar Kano, zu uns und sagte: "Gestatten, ich bin Hauptkommissar Kano. Herr Kogami, Ihre Frau hat uns angerufen und hat uns gesagt, dass hier jemand runtergestürzt sei. Wir werden jetzt erst einmal alle Beteiligten nach ihren Alibis befragen und diese auch überprüfen. Sie können solange ja die Wohnung des Opfers überprüfen, Herr Akechi." Kogoro bemerkte: "Ich will Ihnen nur sagen, dass es sich bei dem vermeintlichen Selbstmord um ein geschickt verübtes, eigentlich unmögliches Verbrechen handelt. Wir haben in der Hosentasche des Opfers dessen Wohnungsschlüssel für den 10. Stock gefunden, die Wohnung des Opfers war verschlossen. Es gibt nur diesen einen Schlüssel für das 10. Stockwerk, also konnte der Täter nach dem Mord nur noch durch das Fenster entkommen, was sich aber im 10. Stock als unmöglich erweist. Wenn es also wirklich Mord war, dann war es ein Mord in einem von innen verriegelten Raum, also ein unmögliches Verbrechen. Aber ich bin mir sicher, dass es eine Möglichkeit gibt, das unmögliche Verbrechen zu realisieren. Ich durchsuche dann mal das Zimmer des Opfers." Hauptkommissar Kano sagte: "Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei."
Kogoro dankte, dann ging er in Herrn Negishis Zimmer. Kogoro bemerkte: "Die Alibis der vier Verdächtigen sind alle nicht wirklich überzeugend. Man kann jedes der Alibis kippen, der Trumpf des Täters ist der verschlossene Raum, der ihm den Mord unmöglich macht."
Kogoro stieß versehentlich an Herrn Negishis Schreibtisch, auf dem daraufhin ein Stapel Visitenkarten umfiel. Er sah sich die Visitenkarten genauer an: "Merkwürdig." Ich fragte: "Was ist merkwürdig, Kogoro?" "Es gibt zwei Sorten von Visitenkarten. Auf der ersten Sorte von Visitenkarten steht, er sei diplomierter Psychologe, auf der zweiten steht, er sei Hausarzt. Ich habe das merkwürdige Gefühl, dass das mit dem Unfall vor drei Jahren zu tun hat. Und ich bin mir sicher, dass einer der vier Verdächtigen ein falsches Spiel mit uns treibt."
Kogoro sah sich weiter im Zimmer um, dann warf er einen schnellen Blick auf die Yuccapalme, die in Herrn Negishis Zimmer stand und bemerkte: "Scheins sind da eine Menge Blätter ausgefallen. Wahrscheinlich war die Klimaanlage falsch eingestellt. Aber hätte Herr Negishi wirklich die Klimaanlage so eingestellt, dass eine unangenehme Temperatur entsteht? Nein, keinesfalls. Damit wäre bewiesen, dass sich jemand noch vor kurzer Zeit in diesem Zimmer aufgehalten hat und versehentlich an die Klimaanlage gekommen ist. Und dieser jemand war nicht Herr Negishi, sondern dessen Mörder. Und ich habe schon eine Ahnung, was das Motiv des Täters angeht. Nur der Trick mit dem verschlossenen Raum will mir nicht einleuchten."
Wir warteten 5 Minuten, dann kam Hauptkommissar Kano um 14.00 Uhr zu uns und berichtete: "Ich habe die Alibis der Verdächtigen überprüfen lassen. Herr Kogamis Alibi ist verständlich, er ist mit Ihnen eine halbe Minute nach dem Sturz von Herr Negishi mit Ihnen auf der Treppe zusammengestoßen, aber es ist unmöglich, innerhalb von einer halben Minute vom 10. in den 6. Stock zu gelangen. Herrn Kogamis Alibi ist perfekt. Frau Greenwoods Nachricht auf dem Anrufbeantworter ihrer Freundin wurde von 12.30 Uhr bis 12.40 Uhr, also bis zum Zeitpunkt des Sturzes, aufgezeichnet. Frau Greenwood kommt also auch nicht in Frage. Frau Kogamis Alibi, das durch Blutspuren belegt wird, ist zwar ungewöhnlich, aber perfekt. Die Untersuchung des Gerinnungsgrades hat ergeben, dass das Blut zwischen 12.38 Uhr und 12.43 Uhr auf der Dachterrasse hinterlassen wurde, Frau Kogami hätte also nur drei Minuten Zeit gehabt, ungesehen vom Tatort im 10. Stock auf die Dachterrasse im 25. Stock zu gelangen, was ihr unmöglich war, da es hier keinen Aufzug gibt. Sie hat also auch ein perfektes Alibi. Auch Herr Miyanos Alibi ist lückenlos. Er hat einen Brief beantwortet, der ihm zweifelsfrei um 11.00 Uhr geschickt wurde. Bis 13.00 Uhr hat er 8 Seiten geschrieben. Hätte er in der Zwischenzeit einen Mord verübt, wäre es ihm nicht mehr möglich gewesen, die 8 Seiten zu schreiben, was auch ihm ein perfektes Alibi gibt." Kogoro erwiderte: "Wir haben aber nicht gesehen, was die vier Verdächtigen in dieser Zeit gemacht haben. Keiner hat die Verdächtigen zur Tatzeit gesehen. Ich liege doch richtig in der Annahme, dass ein perfektes Alibi nur gesichert ist, wenn eine andere Person gesehen hat, dass ein Verdächtiger zur Tatzeit an einem anderen Ort gewesen ist, nicht wahr. Aber jeder der Verdächtigen war woanders, als das Verbrechen verübt wurde." Hauptkommissar Kano sagte verblüfft: "Das stimmt allerdings. Dennoch wäre das Verbrechen für den Täter unmöglich gewesen, da der einzige Fluchtweg des Täters das Fenster gewesen sein konnte, nachdem dieser Herrn Negishi mit dem einzigen Schlüssel aus dem Fenster geworfen hat. Und es ist nun mal unmöglich, im 10. Stock aus dem Fenster zu steigen, ohne selbst auch herunterzustürzen." Kogoro lachte: "Und ich werde Ihnen beweisen, dass der Täter uns nur ein unmögliches Verbrechen vortäuschen wolle, damit man den Mord für einen Selbstmord halten würde." Hauptkommissar Kano fiel ein: "Ach ja, Herr Akechi. Wir haben auf Herrn Negishis rechter Hand dieses komische Zeichen eingeschnitten gesehen. Das japanische Schriftzeichen moku (Bäumchen). Außerdem haben wir in Herrn Negishis linker Hosentasche eine blutige Rasierklinge gefunden, mit der das Symbol eingeschnitten wurde. Auf seiner linken Hand war im Handteller ein kleiner Stich, dazu waren unter den Fingern der linken Hand Pflanzenfasern." Kogoro erschrak und sagte: "Dann war der Täter also … Genau, nur so lässt sich das merkwürdige Symbol in Herrn Negishis Hand erklären. Nur der Trick mit dem von innen verschlossenen Raum ist mir immer noch ein Rätsel. Hauptkommissar Kano! Sie haben doch im Labor eine Leuchte, mit der man im Dunkeln unsichtbare Blutspuren leuchten lassen kann, habe ich Recht?" Hauptkommissar Kano nickte und öffnete einen Koffer, den er bei sich trug. Dann zog er aus dem Koffer eine UV- Lampe. Kogoro verdunkelte das Zimmer, dann sagte er: "Hauptkommissar Kano! Richten Sie die UV- Lampe auf die Yuccapalme in diesem Zimmer!" Hauptkommissar Kano folgte der Anweisung. Kogoro wunderte sich: "Hier leuchtet ja gar nichts. Wie lässt sich das erklären?" Dann schoss es Kogoro durch den Kopf, er erhellte wieder das Zimmer und sagte: "Das ist es, das war also der Trick des Täters. Aber dann ist diese andere Aussage unlogisch, es sei denn …" Kogoro lachte: "Ach so. Jetzt weiß ich alles. Ich kenne den Trick mit dem verschlossenen Raum, mit dem falschen Alibi und das Motiv des Täters. Ich weiß, wie ich den Täter überführen kann. Ich weiß auch, was es mit dem merkwürdigen Symbol auf sich hat. Die Identität des Mörders liegt nicht mehr im Verborgenen. Ich habe den Fall durchschaut."


Kapitel 2

Kogoro sagte: "Das war also der Trick des Täters. Hauptkommissar Kano, versammeln Sie bitte die vier Verdächtigen vor Herrn Negishis Zimmer! Ich habe den Fall durchschaut."
Hauptkommissar Kano ging kurz weg und kam nach 5 Minuten mit den vier Verdächtigen zu Herrn Negishis Zimmer. Kogoro begann: "Ich weiß jetzt, wer von Ihnen der Täter war, der Herrn Negishi in die Tiefe gestürzt hat und uns mit dem Trick mit dem von innen verschlossenen Raum und dem falschen Alibi einen Selbstmord vortäuschen wollte. Es handelt sich bei dem Täter um einen von Ihnen." Frau Kogami fragte: "Was führt Sie überhaupt zu der Annahme, dass es Mord gewesen ist?" Kogoro antwortete: "Das ist schnell erklärt: Herrn Negishis Leiche lag parallel zur Hauswand und somit auch parallel zum Fenster, aus dem er gestürzt ist. Ein Selbstmörder aber stellt sich auf das Fensterbrett und springt, kommt also orthogonal zur Hauswand auf. Darum war es kein Selbstmord." Herr Miyano erwiderte: "Sie vergessen, dass wir kein Motiv hatten, Herrn Negishi umzubringen." Kogoro lächelte: "Sie hatten alle ein passendes Motiv, Herrn Negishi umzubringen. Es hat mit dem tragischen Unfall vor drei Jahren zu tun. Die Frau, die vor drei Jahren aus dem 12. Stock gestürzt ist, ist das Motiv des Täters. Der Täter wollte Rache für diese Frau." Frau Greenwood fragte: "Aber was hat das mit dem Tod von Herrn Negishi zu tun?" Kogoro sagte: "Herr Negishi war ein Betrüger. Er hat sich seine Arztlizenzen erschlichen, doch er wurde übermütig: Er gab sich bei einigen Personen als Hausarzt, bei einigen anderen als Psychologe aus. Sie verstehen: Zwei Jobs, doppeltes Gehalt. Ein Indiz dafür sind die Visitenkarten des Opfers. Auf den einen steht, er sei diplomierter Psychologe, auf den anderen steht, er sei Hausarzt. Ich werde dieses Puzzle jetzt auflösen: Herr Negishi stellte vor ungefähr drei Jahren bei der Verstorbenen eine folgenreiche Fehldiagnose, damals in der Rolle des Hausarztes. Er sagte, sie würde nach einer gewissen Zeit sterben. Die Frau war psychisch aufgewühlt und beging Selbstmord. Die Polizei nahm an, dass es ein Unfall gewesen wäre. Die Frau verteilte ihr Erbe an zwei Personen, nämlich an Herrn Miyano und den Täter. Herr Miyano war wahrscheinlich ein sehr guter Freund von der verstorbenen Frau, weswegen diese Herrn Miyano einen Erbteil überließ. Dieser kam hinter die Sache mit der Fehldiagnose und bedankte sich bei Herrn Negishi mit einem Teil seines Erbteils. Der Täter aber wollte Rache für die Fehldiagnose." Herr Kogami fragte: "Aber das erklärt dennoch nicht, warum der Tatort verriegelt war und der einzige Schlüssel zum Tatort in der Hosentasche des Opfers war." Kogoro lachte: "Das ist ein einfacher psychologischer Effekt, den der Täter geschickt ausnutzte. Herr Negishi stürzte nicht aus dem 10. Stock, sondern aus einem anderen Stockwerk. Indem der Täter das Fenster im 10. Stock öffnete, den Schlüssel der Wohnung im 10. Stock in die Hosentasche des Opfers steckte und die Einstellung der Klimaanlage veränderte, würden wir unsere Untersuchung im 10. Stock belassen und so auch annehmen, dass das Zimmer im 10. Stock wirklich der Tatort war. Der Tathergang war also folgendermaßen: Der Täter holte Herrn Negishi zu sich und betäubte ihn. Dann nahm der Täter den Schlüssel des Opfers, ging in dessen Wohnung, öffnete dort das Fenster, verstellte die Klimaanlage, ging wieder zum Opfer und steckte diesem den Schlüssel in die Hosentasche. Dann warf er das Opfer in die Tiefe. Ein beinahe perfekter Mord. Der Täter war einer von Ihnen. Jedes Ihrer Alibis ist zu stürzen. Herr Miyano könnte nämlich schon bei dem Autor des Briefes den Brief liegen gesehen haben und hat sich damals den Inhalt eingeprägt und ihn schon gestern aus dem Gedächtnis heraus beantwortet. Frau Greenwood kommt auch in Frage, sie hätte nicht persönlich auf den Anrufbeantworter sprechen müssen, sondern hätte stattdessen ein Tonbandgerät neben das Telefon gelegt und exakt zur Tatzeit aufgelegt. Frau Kogami befand sich zwar auf der Dachterrasse, als Herr Negishi stürzte, aber sie hätte Herrn Negishi auch vom Dach werfen können. Und Herr Kogami kommt auch in Frage, wenn wir in Betracht ziehen, dass der Tatort dessen Wohnung war. Doch der Täter hat einen Fehler gemacht: Er hat Frau Kogami aufs Dach gelotst. Warum aber sollte der Täter einen Zeugen wegschicken, der bestätigen könnte, dass das Opfer am Fenster des 9. Stocks vorbeistürzte? Ganz einfach: Der Täter musste davon ausgehen, dass Frau Kogami sich wundern würde, wenn sie den Sturz nicht beobachtet hätte. Sie konnte den Sturz auch nicht beobachten, da sich der Tatort unter ihrer Wohnung im 9. Stock befand. Der Täter wollte nicht, dass Frau Kogami aussagt, an ihrem Fenster wäre niemand vorbeigestürzt. Sonst hätten wir nämlich in Frage gestellt, ob der Tatort wirklich der 10. Stock gewesen war." Herr Miyano sagte erstaunt: "Dann war der Täter also …" Kogoro lächelte: "Genau. Bei dem Täter handelt es sich um die Person, die sich als einzige zur Tatzeit unter dem 9. Stock aufhielt, wenn man uns ausschließt. Zweifelsohne handelt es sich dabei um Frau Greenwood. Sie war die Mörderin von Herr Negishi, was ich zweifelsfrei sagen kann." Frau Greenwood lächelte: "Das ist doch nicht Ihr Ernst, Herr Akechi. Ich bin doch keine Mörderin. Außerdem hat Herr Kogami doch ausgesagt, dass Herr Negishi am 9. Stock vorbeigestürzt ist. Ich wohne aber im 8. Stock. Herr Kogami hätte also den Sturz nicht beobachten können, wenn der Tatort meine Wohnung gewesen wäre." Kogoro erklärte: "Herr Kogami sah aus dem Fenster nach unten und beobachtete, wie Sie Herrn Negishi aus dem Fenster warfen. Um Sie zu schützen, sagte er aus, er habe die Leiche am 9. Stock vorbei fallen gesehen." Frau Greenwood sagte: "Das sind doch alles nur Theorien. Können Sie Ihre Ausführungen irgendwie beweisen?" Kogoro lachte: "Sie müssten doch eigentlich selbst wissen, dass Herr Negishi eine Sterbenachricht hinterlassen hat. Auf seinem Handteller war dieses merkwürdige Symbol für "Bäumchen" eingeritzt. Es geschah etwas für Sie unvorhersehbares. Herr Negishi war nur leicht betäubt und ritzte, als Sie auf seinem Zimmer die Manipulationen anstellten, mit einer Rasierklinge, die er zufällig in seiner Hosentasche hatte, ein Zeichen ein. Es gelang ihm nicht, das komplette Zeichen einzuritzen.
Dieses Zeichen steht für den Begriff "Wald". Ihren Namen, Frau Greenwood, kann man auch mit "Grünwald" übersetzen. Er machte auf den Wortteil "Grün" aufmerksam, indem er ein Blatt von einer Ihrer Pflanzen in die Hand nahm. Sie konnten nur das Blatt entfernen, indem Sie es Herrn Negishi aus der Hand rissen. Leider blieben dabei aber Pflanzenfasern unter Herrn Negishis Fingernägeln zurück. Ihr perfektes Verbrechen geriet also komplett außer Kontrolle." Frau Greenwood fragte mit einem düsteren Lächeln: "Haben Sie auch nur einen einzigen Beweis dafür, dass ich es war? Herr Negishi war noch nie in meiner Wohnung. Oder können Sie etwa das Gegenteil davon beweisen?" Kogoro antwortete: "Ich kann Ihnen beweisen, dass Sie die Täterin waren. Sie, Frau Greenwood, haben Herrn Negishi das Blatt aus der Hand gerissen und es wieder zu Ihren Pflanzen gelegt. Herr Negishi hatte sich zuvor beim Einritzen der Sterbenachricht mit einer Ecke der Rasierklinge versehentlich in seine linke Hand gestochen. Später hat er dann das Blatt in die linke Hand genommen. Also: Auf einem einzigen Blatt in Ihrer Wohnung befinden sich Herrn Negishis Blutspuren. Wenn wir Ihre Wohnung durchsuchen lassen, finden wir dieses Blatt." Herr Kogami zweifelte: "Dieses Blatt wird Frau Greenwood doch schon längst aus dem Fenster geworfen haben." Kogoro schlussfolgerte: "Keinesfalls. Sie wusste, dass man ihre Wohnung nicht durchsuchen würde. Schließlich hatte sie uns den 10. Stock überzeugend als Tatort hingestellt. Sie hat sich nichts dabei gedacht, als sie das Blatt in ihrer Wohnung auf den Boden warf. Das verräterische Blatt befindet sich also immer noch in Frau Greenwoods Wohnung, habe ich Recht, Frau Greenwood?" Frau Greenwood lächelte: "Ja, Herr Akechi. Jedes Wort Ihrer Ausführung ist wahr. Ich habe Herrn Negishi umgebracht, weil er durch die Fehldiagnose meine ältere Schwester Norma in den Selbstmord getrieben hat. Ich konnte nur noch heute meinen Mordplan in die Tat umsetzen, weil Herr Negishi morgen in die USA geflogen wäre. Und gerade heute befindet sich ein Detektiv im Haus, der den Mordplan aufdeckt. Das könnte man Ironie des Schicksals nennen." Frau Greenwood wurde von der Polizei abgeführt. So wurde ein eigentlich unmöglicher Mord aufgeklärt. Das war vorerst unser letzter Fall.
Ihr Ikuya Hatano.