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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Eine tödliche Affäre

Kapitel 1

Vor einiger Zeit wurde Kogoro von einem eher unbekannten Künstler (Hajime Yonehara, 35, Künstler) damit beauftragt, dessen Frau (Minako Yonehara, 31, Professorin an der Universität in Tokio) zu beschatten. Sie denken jetzt wahrscheinlich, das wäre langweilig. Aber, wie Sie bald sehen werden, kann sich auch so ein Fall zu einem Mordfall entwickeln.
Wir konnten den Wagen ausnahmsweise in der Garage stehen lassen, da uns Herr Yonehara mit seinem eigenen Auto abholte. Herr Yonehara war ein alter Freund von Kogoro, daher wollte Herr Yonehara mit Kogoro zuvor noch etwas unternehmen, bevor dieser den Auftrag übernimmt.
Herr Yonehara holte uns an einem Freitagabend punkt 21 Uhr ab. Inzwischen war es schon dunkel geworden. Im Auto fragte Herr Yonehara Kogoro verblüfft: "Und das stimmt wirklich, dass du so erfolgreich als Detektiv bist, Kogoro?" Kogoro antwortete daraufhin stolz: "Ja. Ich habe sogar schon einige komplizierte Mordfälle gelöst. Da wird die Beschattung deiner Frau ein Kinderspiel für mich."
Herr Yonehara wurde daraufhin leicht nervös. Es sah schon beinahe so aus, als ob er Angst hätte, dass Kogoro ihn irgendeines Verbrechens überführen könnte. Dann fragte Herr Yonehara Kogoro: "Es stört dich doch nicht, wenn wir nachher noch zu einer Kunstauktion fahren, oder?" Kogoro sagte daraufhin: "Nein, nein. Das macht mir kein Problem. Aber ich habe eine Frage an dich, Hajime. Warum beauftragst du mich mit so etwas in der Nacht?" "Weil ich möchte, dass ..." Herr Yonehara zögerte. "Weil ich möchte, dass du meine Frau kennen lernst. Ich werde ihr sagen, du wärst ein alter Schulfreund von mir. Wir verwickeln uns in ein Gespräch und du bekommst nützliche Anhaltspunkte heraus.
Dummerweise hat meine Frau heute Abend noch einige Vorlesungen an der Universität und kommt daher etwas später nach Hause. Ach ja. Ich fahre nur noch kurz nach Hause, um zu sehen, ob meine Frau schon da ist." "Aber warum bist du dir eigentlich so sicher, dass dich deine Frau betrügt?" "Weil sie ... Weil sie in letzter Zeit etwas zu spät nach Hause kommt. Sie hat zwar gesagt, sie kommt auch heute später nach Hause, weil sie noch eine Vorlesung halten muss, aber in Anbetracht der Umstände kommen mir da einige Zweifel." "Was für Umstände meinst du, Hajime?" "Ich habe in Minakos Zimmer einige Liebesbriefe entdeckt. Sie waren alle von einem gewissen Yutaka Shimoda." "Kennst du diesen Yutaka Shimoda eigentlich?"
Herr Yonehara überlegte kurz, dann sagte er: "Er ist auch Künstler. Ich habe vor Jahren mit ihm zusammengearbeitet." Kogoro sprach leise vor sich hin: "Das kann doch nicht sein." Herr Yonehara fragte: "Stimmt irgendetwas nicht?" "Nein, nein. Ich habe nur laut gedacht. Inwiefern hast du mit Herrn Shimoda zusammengearbeitet?" "Ich kam bei einigen Auktionen mit ihm zusammen. Mit der Zeit entwickelte sich eine geschäftliche Beziehung." "Und seit wann hast du Herrn Shimoda nicht mehr gesehen?" "Lass mich mal überlegen. Das war vor fünf Jahren. Ich hätte aber nie gedacht, dass er eine Affäre mit meiner Frau anfängt." "Warum bist du dir eigentlich so sicher, dass es sich gerade um diesen Yutaka Shimoda handelt?"
Herr Yonehara wurde etwas nervöser, dann sagte er: "Ich bin mir doch selbst nicht sicher. Was glaubst du, warum ich dich engagiert habe?" "Ich verstehe schon. Und wo genau hast du eigentlich in dem Zimmer deiner Frau diese Liebesbriefe gefunden?" "Sie lagen mitten auf ihrem Schreibtisch. Ich habe die Liebesbriefe nicht mal suchen müssen."
Kogoro grübelte. Aber auch mir fiel auf, dass sich Herr Yonehara in drei Lügen verstrickt hatte. Wollte Herr Yonehara uns wirklich nur herholen, damit wir seine Frau beschatten, oder steckt etwas anderes dahinter? Nach einer Stunde Fahrt kamen wir bei Herrn Yoneharas Haus in der Haido-Straße 15 an. Wir betraten eine hübsche Eingangshalle, dann kamen wir in ein großes Wohnzimmer. Herr Yonehara wunderte sich und sagte: "Das ist merkwürdig. Meine Frau ist immer noch nicht da. Kogoro, du kannst dich mit deinem Assistenten hinsetzen. Wir müssen sowieso erst in einer Viertel Stunde zu der Auktion fahren. Ich mach euch beiden noch schnell einen Kaffee."
Nach 5 Minuten kam Herr Yonehara mit zwei Tassen Kaffee aus der Küche. Als er sich zu uns setzen wollte, klingelte das Telefon. Herr Yonehara ging ans Telefon: "Ja, hier Yonehara ... Ach, du bist es, Minako ... Was? Du kommst erst um 23 Uhr nach Hause. Aber da bin ich schon mit einem Freund auf einer Auktion ... Wie bitte? Noch eine Vorlesung? ... Bis dann, Minako."
Herr Yonehara legte auf und sagte zu Kogoro: "Da siehst du es. Meine Frau kommt gerade sehr spät nach Hause." Kogoro sagte: "Vielleicht hält sie wirklich nur Vorlesungen an ihrer Universität." "Bis 23 Uhr? Da fällt mir ein, wir müssen zu der Auktion. Jetzt ist es schon 22.20 Uhr und die Auktion fängt um 22.50 Uhr an."
Wir eilten überstürzt aus dem Haus. Herr Yonehara startete das Auto und sagte nervös: "Oh nein. Zu der Auktion dauert es mindestens 40 Minuten." "Und was ist, wenn du Gas gibst?" "Das würde gehen, aber dann würde ich von einer Radarfalle geblitzt und das wäre sehr ungeschickt für mich."
Wir kamen schließlich um 23.00 Uhr verspätet bei der Auktion an. Wir setzten uns in dem Auktionssaal. Plötzlich fiel Herrn Yonehara etwas ein: "Ich habe meinen Geldbeutel im Auto liegen lassen. Zum Glück habe ich aber zu Hause nicht vergessen, den Videorekorder für die Überwachungskamera zu timen." Kogoro fragte: "Was? Du hast eine Überwachungskamera?" "Ja. Sie läuft von 22.30 Uhr bis 23.15 Uhr. Ich habe mir nämlich gedacht, dass meine Frau sowieso um 23.00 Uhr zu Hause ist."
Herr Yonehara verließ um 23.05 Uhr den Auktionssaal. Ich unterhielt mich solange mit Kogoro: "Ich finde deinen Freund, Herrn Yonehara, sehr merkwürdig. Was meinst du, Kogoro?" "Allerdings. Hajime gibt zu viele Daten bezüglich der Zeit an. Er will, dass wir auf die Zeit achten. Aber welchen Grund könnte das haben? Will er vielleicht seine Frau...? Was für ein abwegiger Gedanke. So kann sich doch keiner ein Alibi verschaffen."
5 Minuten später setzte sich Herr Yonehara wieder zu uns. Um 2.00 Uhr war die Auktion vorbei. Herr Yonehara bedauerte: "Schade. Es war wohl nichts Geeignetes für mich dabei." Kogoro sagte: "Vielleicht läuft es beim nächsten Mal besser, Hajime. Kommen wir zu einem anderen Thema. Es macht deiner Frau wirklich nichts aus, wenn wir in der Nacht bei dir in die Wohnung kommen?" "Nein, es macht ihr nichts aus. Sie kann zurzeit sowieso nicht schlafen."
Wir stiegen in Herrn Yoneharas Auto ein. Plötzlich erschien in seinem Gesicht ein düsteres Lächeln. Wir fuhren innerhalb von 45 Minuten zu Herrn Yoneharas Haus in der Haido-Straße 15. Wir stiegen aus dem Auto aus, Herr Yonehara klingelte an der Tür und rief: "Minako! Bist du hier?" Aus dem Haus kam keine Antwort. Herr Yonehara sagte: "Sie ist wohl noch nicht hier."
Er schloss die Tür auf und schrie auf: "Minako! Was ist mit dir passiert?" Wir blickten in die Eingangshalle des Hauses. Der Anblick war fürchterlich: Der Kopf von Frau Yonehara lag in einem Meer von Blut abgetrennt neben dem Rest ihres Körpers. Daneben lag ein blutiges Katana . In Herrn Yoneharas Gesicht bildete sich wieder ein düsteres Lächeln. Es stellten sich zwei Fragen: War er der Mörder seiner Frau? Wenn ja, hat er ein Ass im Ärmel?
Wir riefen sofort die Polizei. Wir warteten eine Viertel Stunde, dann kamen Hauptkommissar Kano, ein alter Freund von Kogoro, und einige Polizisten. Nach einer halben Stunde waren der Tatort abgesperrt und die Zeugen befragt worden. Hauptkommissar Kano fasste zusammen: "Sie alle fuhren um 22.00 Uhr zu diesem Haus, um sich auf eine Auktion vorzubereiten. Um 22.05 Uhr rief Herrn Yoneharas Frau an, um mitzuteilen, dass sie um 23.00 Uhr nach Hause käme. Sie, Herr Akechi, Herr Hatano und Herr Yonehara, sind um 22.20 Uhr zur Auktion gefahren und kamen um 23.00 Uhr schließlich an. Um 2.00 Uhr fuhren Sie wieder zurück zu Herrn Yoneharas Haus. Um 2.45 Uhr entdeckten Sie schließlich die Leiche von Frau Minako Yonehara. Wir haben die Leiche untersucht. Die Todesursache konnte schnell festgestellt werden: Frau Minako Yonehara wurde mit einem Katana geköpft. Stimmen meine Ausführungen?" Herr Yonehara bestätigte: "Ja, das stimmt. Und so komme ich als Täter nicht in Frage. Ich wurde um 22.05 Uhr von Minako angerufen. Um 22.20 verließen wir das Haus. Zu diesem Zeitpunkt lag die Leiche noch nicht in der Eingangshalle. Die Todeszeit muss also zwischen 22.20 Uhr und 2.45 Uhr gewesen sein. Und in diesem Zeitraum befand ich mich die ganze Zeit bei Herrn Akechi und Herrn Hatano. Diese beiden sind meine Zeugen." Kogoro erwiderte: "Hajime, du vergisst ein Detail. Du hast vorhin den Auktionssaal für 5 Minuten verlassen." "Natürlich habe ich den Auktionssaal für 5 Minuten verlassen. Aber ich habe nur meinen Geldbeutel vergessen. Mir war es nicht möglich, in 5 Minuten zum Haus zu fahren, Minako zu ermorden und wieder zurück zur Auktion zu fahren. Es dauert schon 40 Minuten vom Auktionssaal bis zu meinem Haus." Kogoro erinnerte sich: "Hajime. Du hast doch vorhin gesagt, dass die Überwachungskamera in deinem Haus von 22.30 Uhr bis 23.15 Uhr lief. Vielleicht ist auf dem Überwachungsvideo etwas Interessantes zu sehen."
Wir liefen zum Videorekorder und schalteten den Fernseher an. Herr Yonehara spielte das Überwachungsvideo ab: Um 23.00 Uhr soll Frau Yonehara nach Hause gekommen sein und ins Wohnzimmer gegangen sein. Dann klingelte um 23.10 Uhr die Türklingel, Frau Yonehara öffnete die Türe und nahm einen Mann mit Pferdeschwanz in Empfang. Sie wollte den Mann ins Wohnzimmer führen, doch noch im Eingang nahm der Besucher das Katana vom Schuhschrank und köpfte Frau Yonehara damit. Der Besucher ging ins Wohnzimmer, dann brach die Aufnahme ab.
Herr Yonehara erschrak: "Man kann den Mann auf dem Überwachungsvideo zwar nur von hinten sehen, aber das ist eindeutig mein alter Kollege Yutaka Shimoda. Er hat meiner Frau auch schließlich die Liebesbriefe geschrieben."
Hauptkommissar Kano ließ Herrn Yutaka Shimoda herholen. Um 4.00 Uhr war dieser im Haus von Herrn Yonehara. Herr Yonehara ging auf Herrn Shimoda los: "Du hast meine Frau umgebracht, du Schwein. Warum hast du das getan?" Herr Shimoda fragte: "Was ist denn passiert?" Dann blickte er auf die Leiche von Frau Yonehara: "Das ist doch Minako. Wer hat ihr das denn angetan?" Herr Yonehara wurde noch aggressiver: "Das weißt du ganz genau. Wir haben auf dem Überwachungsvideo des Hauses genau gesehen, dass du meine Minako ermordet hast." Hauptkommissar Kano fragte Herrn Shimoda: "Ich stelle Ihnen eine Frage. Wo waren Sie um 23.10 Uhr letzten Abend?" "Ich stand vor der Haustüre dieses Hauses. Minako hat mir nämlich ein Fax geschickt, auf dem stand: "Komm um 23.10 Uhr zu meinem Haus. Ich will dort etwas mit dir besprechen. Damit keiner etwas davon mitbekommt, solltest du dieses Fax vernichten. Deine Minako." Ich habe natürlich das Fax verbrannt und bin letzten Abend um 23.10 Uhr zu diesem Haus gefahren. Dort habe ich dann mehrmals geklingelt, aber Minako öffnete mir nicht die Türe. Nach 10 Minuten bin ich dann wieder nach Hause gefahren." Kogoro zog sich mit mir zurück und sagte: "Das gibt es nicht. Ich bin mir sicher, dass Hajime der Täter war. Schon von Anfang an hat er sich merkwürdig benommen. Aber es gibt ein großes Problem: Sein Alibi ist perfekt. Er hat mit uns um 22.20 Uhr sein Haus verlassen. Bis zur Entdeckung der Leiche um 2.45 Uhr war er die ganze Zeit mit uns zusammen. Er hat um 23.00 Uhr den Auktionssaal für 5 Minuten verlassen. Aber vom Auktionssaal bis zum Haus braucht man mit dem Auto 40 Minuten. Außerdem wird Hajimes Alibi durch Herrn Shimoda gestützt. Auf dem Video war zu erkennen, dass die Tatzeit um 23.10 Uhr war. Angenommen, Herr Shimoda sagt die Wahrheit, dann scheidet Hajime als Täter ganz klar aus. Herr Shimoda ist nämlich zur Tatzeit vor Hajimes Haus quasi Wache gestanden. Keiner konnte also unbemerkt an ihm vorbei. So kommt als Täter nur Herr Shimoda in Frage. Das sollten wir jedenfalls denken. In Wirklichkeit war nämlich Hajime der Täter. Ich weiß zwar nicht, wie er das angestellt hat, aber ich werde seinen Trumpf, das Alibi, schlagen." Ich bemerkte: "Außerdem hat sich dein Freund, Herr Yonehara, in vier Lügen verstrickt. Er steht ganz klar als Täter fest." Kogoro fügte hinzu: "Und außerdem ist die Tat sehr ungewöhnlich. Welchem normalen Mörder würde es spontan einfallen, sein Opfer mit einem Katana zu köpfen? Das Ganze ist viel zu spektakulär. Außerdem: Mit dem Video stimmte etwas nicht. Der Inhalt war zwar völlig einwandfrei, aber etwas anderes hat nicht gestimmt. Ich weiß nicht genau, was, aber ich werde es herausfinden. Und merkwürdigerweise stimmt auch in diesem Wohnzimmer etwas nicht." Ich bemerkte: "Aber allgemein steht fest, dass Herrn Yoneharas Alibi doppelt gesichert ist. Das Alibi zu stürzen, wird wahrscheinlich sehr schwer sein. Und es steht eine weitere Frage im Raum: Warum hat Herr Yonehara den Auktionssaal verlassen? Bestimmt steckt die Lösung des Falles hinter diesem Manöver." Kogoro merkte: "Es ist jetzt schon 5.00 Uhr morgens. Ich bin ziemlich müde. Hat jetzt eigentlich ein Kiosk in der Gegend offen?" Ich sagte: "Ich weiß es leider nicht. Ich habe sowieso kein Geld für einen Kaffee mitgenommen." Kogoro griff in seine Hosentasche und erschrak: "Wo ist mein Geldbeutel? Ich habe ihn doch mitgenommen. Die Polizei hätte meinen Geldbeutel hier schon längst gefunden, wenn ich ihn hier verloren hätte. Wo habe ich den Geldbeutel verloren? Wenn er hier nicht ist, dann muss er noch im Auktionssaal sein. Nein, das hätte irgendjemand gemerkt. Schließlich war im Geldbeutel auch mein Personalausweis." Ich bemerkte dazu: "Herr Yonehara hat doch vorhin in seinem Auto seinen Geldbeutel vergessen. Deswegen musste er doch auch den Auktionssaal verlassen."
Kogoro dachte nach, dann ging ihm ein Licht auf: "Ach so. Der erste Teil von Hajimes Alibi ist geknackt. Sein Auto spielte eine entscheidende Rolle in diesem Fall. Jetzt fehlt nur noch der zweite Teil seines Alibis. Dieser Teil ist genau so kompliziert wie der erste Teil." Ich versuchte, Kogoro zu helfen: "Hast du nicht vorhin gesagt, dass mit dem Video etwas nicht gestimmt hat?" "Doch. Aber ich meinte damit eher Hajimes Verhalten gegenüber des Bandes. Ein Detail in Hajimes Verhalten war nicht so, wie es hätte sein sollen. Mir fällt nur nicht mehr ein, was." Ich fragte zweifelnd: "Was soll an seinem Verhalten gegenüber des Bandes ungewöhnlich sein? Er hat das Band doch nur abgespielt und hat gesehen, dass der Mörder von Frau Yonehara Herr Shimoda sei." "Jetzt fällt es mir wieder ein. Auch der zweite Teil seines Alibis ist geknackt. Jetzt brauche ich nur noch handfeste Beweise. Ich habe schon eine Ahnung, wie ich ihm den Mord nachweise."
Kogoro nahm sich ein Telefonbuch von einem Tisch und zog sein Handy aus der Hosentasche. Dann telefonierte er. Ich konnte aber nicht verstehen, was er sagte. Nur den Schluss des Gesprächs habe ich verstanden: "Dann ist der Fall klar."
Kogoro wandte sich an mich: "Ich hatte mit meiner Vermutung Recht. Es gibt mehrere entscheidende Details in diesem Fall: das Auto, das Katana, die Videoaufzeichnung, den Liebhaber des Opfers und die Zeitabläufe. Mit dieser Methode war es Hajime möglich, mit uns in einem Auktionssaal zu sitzen und gleichzeitig seine Frau mit dem Katana zu köpfen. Es war ihm so auch möglich, den Liebhaber des Opfers als Täter hinzustellen. Hajime hat ein perfektes Verbrechen begangen und keine Beweise hinterlassen. Ich habe den entscheidenden Beweis gefunden. Und so wird es mir möglich sein, Hajime zu überführen."



Kapitel 2

Kogoro sagte schließlich: "Und damit wäre bewiesen, dass Hajime seine Frau mit dem Katana enthauptet hat." Er trat zu Herrn Yonehara, Herrn Shimoda und Hauptkommissar Kano und sagte: "Sehr geehrter Hauptkommissar Kano, ich bin gerade zu dem Schluss gekommen, dass Herr Yutaka Shimoda nicht der Täter war, der dieses Blutbad angerichtet hat." Herr Yonehara fragte darauf: "Wer soll denn sonst der Täter gewesen sein? Herr Shimoda stand zur Tatzeit vor dem Tatort. Die Videoaufzeichnung der Überwachungskamera zeigt, dass die Tatzeit um 23.10 Uhr war. Wer also sollte sonst der Täter gewesen sein?" "Du warst der Täter, Hajime." "Das ist doch Unsinn. Wir verließen dieses Haus um 22.20 Uhr und bis 2.45 Uhr, also bis zur Entdeckung der Leiche, war ich mit dir und deinem Assistenten zusammen. Die Tatzeit war also zwischen 22.20 Uhr und 2.45 Uhr. Ich habe zwar für 5 Minuten den Auktionssaal verlassen, aber vom Auktionssaal bis nach Hause dauert es selbst mit dem Auto 40 Minuten. Ich kann also gar nicht der Täter gewesen sein. Denn ich habe ein perfektes Alibi." "Wäre deine Frau wirklich zwischen 22.20 Uhr und 2.45 Uhr ermordet worden, hättest du ein perfektes Alibi. In Wirklichkeit aber wurde deine Frau schon vor 20.00 Uhr ermordet. Und zwar von dir, Hajime." "Das ist vollkommen unlogisch. Wie wäre dann die Leiche an den Tatort gekommen? Selbst wenn Minako schon vor 20.00 Uhr ermordet worden wäre, wäre es mir unmöglich gewesen, die Leiche zwischen 22.20 Uhr und 2.45 Uhr an den Tatort zu bringen." "Das war kein Problem. Deine Frau lag schon seit 20.00 Uhr tot in der Eingangshalle." "Wie bitte? Wir befanden uns um 22.20 Uhr in diesem Haus. Die Leiche wäre doch sofort aufgefallen, als wir das Haus betraten." "Auf diesen psychologischen Effekt hast du doch abgezielt, Hajime. Indem du deine Frau mit dem Katana geköpft hast, würde die Leiche augenblicklich auffallen und meine jetzige Theorie wäre gestürzt. Aber es ist doch nicht klar, ob das Haus, in das du uns um 22.00 Uhr geführt hast, das Haus ist, in dem wir später die Leiche gefunden haben." Hauptkommissar Kano fragte verblüfft: "Was meinen Sie damit, Herr Akechi?" "Ganz einfach. Hajime führte uns um 22.00 Uhr ins Haus Nummer 1 und fuhr uns nach der Auktion zu Haus Nummer 2, das genauso aussah wie Haus Nummer 1. Haus Nummer 2 war der wirkliche Tatort. Deswegen hat er uns auch mit seinem Auto abgeholt. Wäre er nämlich nicht der Fahrer des Autos gewesen, hätte er uns später nicht zu Haus Nummer 2 führen können." Herr Yonehara erwiderte: "Dir sind doch sowohl um 22.00 Uhr als auch um 2.45 Uhr Straße und Hausnummer aufgefallen, Kogoro. Außerdem hat um 22.05 Minako angerufen. Wie erklärst du dir das, Kogoro?" "Das ist schnell erklärt. Haus Nummer 1 und Nummer 2 haben dieselbe Hausnummer und befinden sich in zwei verschieden Straßen, die beide den Namen Haido- Straße tragen. Und der Anruf war kein besonderes Kunststück. Du hast mit deinem Handy in einem unauffälligen Moment dein eigenes Telefon angerufen. Dann hast du am Telefon ein Gespräch inszeniert. Und so erklärt sich deine erste verdächtige Aussage. Als ich dich fragte, warum wir mitten in der Nacht deine Frau beschatten sollten, hättest du beinahe gesagt: "Damit du mir ein Alibi verschaffst." Aber du hast gezögert und hast uns eine Ausrede vorgelogen: "Damit du meine Frau kennen lernst." Du hast uns gesagt, deine Frau würde behaupten, sie würde bis in die Nacht Vorlesungen halten. Ich habe in ihrer Universität angerufen. Deine Frau hatte heute einen freien Tag." "Dann hat mich Minako eben angelogen, um sich mit ihrer Affäre, Herrn Shimoda, zu treffen." "Diese Lüge ist doch wohl auf Dauer etwas fadenscheinig. Keine Frau würde ihrem Mann auf Dauer dieselbe Ausrede vorlügen." "Aber die Theorie mit den zwei Häusern ist doch auch etwas ungewöhnlich. Du hättest es doch gemerkt, wenn ich dich plötzlich in die falsche Richtung gefahren hätte." "Genau deswegen hast du doch den Auktionssaal verlassen. Du hast das Auto in den 5 Minuten deiner Abwesenheit gewendet. Wahrscheinlich befinden sich die zwei Häuser auch in zwei verschiedenen Bezirken. Deswegen hast du, als wir dich fragten, ob du auf dem Weg zu dem Auktionssaal Gas geben könntest, geantwortet: "Nein. Ich könnte von einer Radarfalle geblitzt werden und das wäre sehr ungeschickt für mich." Das wäre auch sehr ungeschickt für dich gewesen. Wenn die Radarfalle dich in einem anderen Bezirk geblitzt hätte, wäre der Trick mit den zwei Häusern aufgeflogen. Du hast uns übrigens erst abgeholt, als es dunkel war, um sicherzustellen, dass wir die Umgebung nicht erkennen würden." "Wie kommst du überhaupt auf eine solche Idee?" "Die Kaffeetassen, aus denen wir vorhin getrunken haben, sind aus dem Wohnzimmer verschwunden. Das lässt sich nur dadurch erklären, dass wir uns in einem anderen Haus befinden." Herr Yonehara sagte plötzlich: "Das ist doch völliger Schwachsinn. Wie lässt sich das mit der Aufzeichnung der Überwachungskamera erklären? Man hat doch eindeutig Herrn Shimoda erkennen können. Die Tatzeit steht dank der Aufzeichnung fest. Die Tatzeit war um 23.10 Uhr." Kogoro lächelte: "Auf solche einfachen Tricks falle ich nicht herein. Du hast die Zeitanzeige der Videokamera verstellt und hast den richtigen Mord schon vor 20.00 Uhr gefilmt. Du hast gewartet, bis deine Frau nach Hause kommen würde. Der Videorekorder war so programmiert, dass er die Ankunft deiner Frau aufnimmt. 10 Minuten später hast du, als Yutaka Shimoda verkleidet, an der Türe geklingelt. Deine Frau hat dir geöffnet, hat dich für Herrn Shimoda gehalten und wollte dich in die Wohnung führen. Den Rest kennen wir schon von der Aufzeichnung. So ist es dir gelungen, Herrn Shimoda als Täter hinzustellen." "Und was führt dich zu dieser Theorie, Kogoro?" "Du hast vorhin erzählt, dass der Videorekorder von 22.30 Uhr bis 23.15 Uhr aufgezeichnet hat, weil in dieser Zeit niemand zu Hause sein würde. Merkwürdig ist allerdings, dass das Haus auch vor unserer Ankunft mindestens eine Stunde völlig leer stand und die Videokamera nicht über diesen Zeitraum lief. Die Erklärung ist ziemlich simpel: Es wäre ungewöhnlich gewesen, wenn wir nicht auf der Aufzeichnung zu sehen gewesen wären." "Und warum stand Herr Shimoda um 23.10 Uhr vor der Haustüre dieses Hauses?" "Du hast ihm ein Fax geschickt, das du Herrn Shimoda für ein Fax deiner Frau hast halten lassen. Herr Shimoda hat uns ja vorhin erzählt, dass deine Frau ihm angeblich ein Fax geschickt hat, auf dem stand: "Komm um 23.10 Uhr zu meinem Haus. Ich will dort etwas mit dir besprechen." Herr Shimoda vertraute nämlich deiner Frau und folgte der Anweisung, die du ihm geschickt hast. Indem du unter das Fax den Anhang Damit niemand etwas davon mitbekommt, solltest du dieses Fax vernichten. gesetzt hast, würde Herr Shimoda das Fax natürlich vernichten und es würden keine Spuren deines hinterhältigen Plans zurückbleiben. Dummerweise hast du bei der Videoaufzeichnung einen fatalen Fehler begangen." "Wie bitte, Kogoro?" "Du hast die Aufzeichnung nur abgespielt, aber nicht zuvor zurückgespult. Das beweist, dass du im Nachhinein überprüft hast, ob die Aufzeichnung überzeugend wirkt, aber die Aufnahme zurückgespult gelassen hast. Ein fataler Fehler." "Aber Minako hatte doch eine Affäre mit Herrn Shimoda. Er ist dennoch der Hauptverdächtige in diesem Fall." "Nein, er ist nicht der Hauptverdächtige. Du hast uns im Auto von ihm erzählt, um ihn uns ins Gedächtnis einzubrennen. Er hatte zwar eine Affäre mit deiner Frau, aber er hat nie Liebesbriefe an diese geschrieben. Diese Liebesbriefe hast du erfunden, um uns klarzumachen, dass Herr Shimoda die Affäre deiner Frau ist. Dadurch erklären sich zwei weitere Lügen von dir: Du hast gesagt, die Liebesbriefe wären von einem gewissen Yutaka Shimoda unterzeichnet worden. Und jetzt erkläre ich, was daran so ungewöhnlich ist: Das Fax, das du Herrn Shimoda geschickt hast, war mit "deine Minako" unterzeichnet. Es bestand also eine ziemlich enge Beziehung zwischen deiner Frau und Herrn Shimoda, wie du feststellen konntest. Warum also hätte Herr Shimoda mit Vor- und Nachnamen unterzeichnen sollen? Er hätte die Liebesbriefe mit "Yutaka" unterzeichnet. Die zweite Lüge war, dass du gesagt hast, die Liebesbriefe lagen mitten auf dem Schreibtisch deiner Frau. Das ist doch zu offensichtlich. Keine Frau würde Liebesbriefe ihrer Affäre auf dem Schreibtisch ausgebreitet liegen lassen, wenn sie das Haus verlässt." "Offenbar willst du mich als Täter hinstellen. Herrn Shimodas Alibi ist doch fadenscheinig. Wenn du mich schon beschuldigen willst, solltest du stichhaltige Beweise bringen." "Gut, Hajime. Du wolltest es ja nicht anders. Wie du dich erinnern kannst, haben wir um 22.20 Uhr Haus Nummer 1 überstürzt verlassen. Jetzt finde ich meinen Geldbeutel nicht mehr. Ich habe einige Polizisten beauftragt, ein weiteres Haus in einer Haido- Straße 14 zu untersuchen. Das Haus hatte denselben Bau wie das, in dem wir uns jetzt befinden. Rate mal, was die Polizisten in diesem Haus gefunden haben?" Herr Yonehara erstarrte vor Schreck. Kogoro setzte fort: "Genau, Hajime. Die Polizisten haben in diesem Haus meinen Geldbeutel gefunden. Als wir das Haus verließen, habe ich meinen Geldbeutel, in dem auch mein Personalausweis war, verloren. Wie erklärst du dir das, Hajime? Wie erklärst du dir, dass sich mein Geldbeutel in einem Haus befindet, das ich angeblich nie betreten habe?" Herr Yonehara sagte daraufhin: "Verdammt. Ich habe alles so perfekt geplant und letztendlich werde ich durch dich verraten. Ja, ich gestehe. Ich, Hajime Yonehara, habe meine Frau ermordet. Ich habe sie gehasst, weil sie eine Affäre mit einem anderen Mann angefangen hat. Es war natürlich auch geplant, dass Minakos Affäre, Herr Shimoda, als Täter dasteht."
Herr Yonehara wurde daraufhin von der Polizei abgeführt. So endete unser fünfter Fall. Ich erzähle Ihnen bald von unserem nächsten Fall: Der Sturz.
Ihr Ikuya Hatano.