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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Mord in Abteil 28

Kapitel 1

Letztens wurde Kogoro von einem Anwärter für das Amt des Bürgermeisters (Toshiro Manada, 35, Besitzer einer Computerfirma) engagiert, da diesem mehrere Morddrohungen geschickt wurden. Wir sollten uns an einem Bahnhof in der Tokioter Präfektur Shibuya mit ihm treffen. Herr Manada wohnte nämlich etwas abwärts von Tokio, genauer gesagt in Osaka.
Wir trafen uns dann an einem schönen Sonntag punkt 18.00 Uhr an besagtem Bahnhof, wo uns Herr Manada, ein kräftig gebauter Mann, empfing. Neben Herr Manada stand ein jüngerer Herr (Taichi Aoba, 22, Assistent von Herr Manada). Dieser rauchte eine Zigarette nach der Anderen.
Die Bahn, mit der wir fahren sollten, war ein eher nostalgisches Modell. Die Türen zu den Abteilen hatten übliche Türschlösser und waren so konzipiert, dass wenn man sie schloss und den Schlüssel im Abteil liegen ließ, man nicht mehr ins Abteil konnte. Kogoro hatte mit solchen Zügen sehr viele unangenehme Erfahrungen gemacht. Er musste sich schon sehr oft einen Ersatzschlüssel beim Zugführer holen. Jedenfalls holten wir noch am Bahnhof unsere Tickets mit dem jeweiligen Abteilschlüssel ab und stiegen in die Bahn ein. Um 18.15 Uhr fuhr die Bahn ab. Wir setzten uns in den Speisewagen und unterhielten uns mit Herrn Manada und Herrn Aoba über die Morddrohungen.
Kogoro fragte Herrn Manada: "Was stand eigentlich in den Morddrohungen, die Ihnen geschickt wurden?" Herr Manada antwortete darauf: "In den Morddrohungen standen eigentlich nur einfache Texte wie "Stirb!" oder "Fahr zur Hölle!", also nichts, was irgendwelche Rückschlüsse auf irgendwelche Motive zulassen würde. Aber als ich die Nachrichten gelesen habe, bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun. Deshalb habe ich Sie engagiert."
Plötzlich kam ein älterer Herr (Yutaka Ochiai, 69, Bürgermeister der Präfektur Tottori in Osaka) herein und sagte: "Das ist ja auch kein Wunder, dass man Ihnen Morddrohungen schickt. Vielleicht will Sie da jemand einschüchtern, damit Sie auf keinen Fall das Amt des Bürgermeisters übernehmen. Ich bin nämlich auch der Meinung, dass Drogenhändler kein Recht zu so etwas haben."
Herr Manada wurde wütend und schrie Herrn Ochiai an: "Was gibt Ihnen eigentlich das Recht, so über mich zu reden. Ich lasse mir so etwas von Ihnen nicht sagen."
Plötzlich kam eine Frau mittleren Alters mit langen Haaren (Reika Manada, 36, Ehefrau von Toshiro Manada) in den Speisewagen und sagte zu Herr Manada: "Hallo, Toshiro. Ich habe es glücklicherweise noch geschafft, den Zug zu erwischen. Wer sind denn die zwei Herrschaften bei dir?" Herr Manada antwortete: "Das sind der Detektiv Kogoro Akechi und sein Assistent Ikuya Hatano. Herr Akechi, Herr Hatano, das ist meine Frau Reika." Kogoro und ich sagten zu ihr: "Freut uns, Sie kennen zu lernen." Herr Manada unterbrach: "Du, Reika. Weißt du eigentlich, wo Yuji geblieben ist?" Frau Manada antwortete: "Der hat auch noch den Zug erwischt, keine Sorge."
Herr Ochiai, der davor so abwegig über Herrn Manada geredet hatte, hatte sich in der Zwischenzeit nach hinten in den Speisewagen gesetzt.
Kogoro fragte Herrn Manada: "Hatten Sie wirklich mit Drogen gehandelt? Herr Ochiai hat doch vorhin so etwas gesagt." Herr Manada bestritt diesen Vorwurf: "Das ist doch nur ein Gerücht, das meine Konkurrenten in die Welt gesetzt haben, um mich schlecht dastehen zu lassen. Da ist nichts Wahres dran." Kogoro fragte auch: "Warum haben Sie denn nicht in Osaka auf uns gewartet? Warum haben Sie uns in Tokio abgeholt?" Herr Manada begründete: "Wir hatten sowieso längst vor, uns in Tokio umzusehen. Da habe ich mir gedacht, ich nehme meine Frau und einen guten Freund mit nach Tokio."
Auf einmal kam eine leicht dickliche Person (Yuji Izumo, 31, Besitzer eines Restaurants) und setzte sich zu uns. Frau Manada sagte zu ihm: "Ach, Yuji, da bist du ja endlich. Was hast du denn in deinem Abteil gemacht?" Er antwortete: "Ach, ich habe nur ein bisschen gelesen." Herr Aoba, der Assistent von Herr Manada, sagte: "Gut, dann sind wir ja alle vollzählig. Herr Manada! Wenn Sie in Ihr Abteil gehen, soll ich Sie dann begleiten? Ich meine, Sie haben doch die vielen Morddrohungen bekommen."
Herr Manada lehnte ab: "Keine Sorge, ich habe einen Revolver mitgenommen. Außerdem kann ich die Abteilstür verriegeln, wenn ich schlafe." Frau Manada fragte ihren Ehemann: "Warum habe ich eigentlich ein anderes Abteil als du, Toshiro?" Herr Manada antwortete: "Weil in jedem Abteil nur ein Bett ist und der Zug über Nacht nach Osaka fährt."
Kogoro unterhielt sich weiterhin mit Herr Manada: "Geht das in Ordnung, wenn ich Ihr Abteil im Auge behalte?" Herr Manada antwortete: "Ja, aber ich möchte in Ruhe schlafen. Die Tour durch Tokio hat uns sehr ermüdet. Ich rufe Sie dann, wenn ich Sie brauche."
Herr Ochiai rief aus der hinteren Ecke des Speisewagens: "Gehen Sie ruhig. Mir soll es Recht sein, wenn ich Ihre Anwesenheit hier nicht ertragen muss." Herr Manada verließ wortlos mit einem zornigen Blick den Speisewagen. Seine Frau sagte zu Kogoro: "Dieser Ochiai bringt ihn jedes Mal zur Weißglut. So war es auch bei der Debatte zur letzten Wahl des Bürgermeisters. Sie werden es kaum glauben, aber damals haben die Beiden eine Schlägerei angefangen." Dann verließ auch sie den Speisewagen.
Herr Ochiai setzte sich plötzlich zu uns und sagte zu Herrn Izumo, dem Freund von Herr Manada und Herrn Aoba, dem Assistenten von Herr Manada: "Würden Sie bitte gehen, ich würde mich gerne mit Herr Akechi und seinem Assistenten unterhalten." Die Beiden folgten der Aufforderung und verließen den Speisewagen.
Kogoro fragte Herrn Ochiai: "Warum sind Sie eigentlich in diesem Zug? Ich meine, hier sind mit uns nur 7 Leute anwesend." Herr Ochiai sagte: "Ich gebe zu, ich habe ihm nachspioniert. Ich dachte, er wollte in Tokio mit Drogen handeln und sah darin eine Chance, ihn auffliegen zu lassen. Behalten Sie Herrn Manada bitte im Auge und untersuchen Sie seine Machenschaften!" Dann verließ auch er den Speisewagen.
Dann saßen wir 4 Stunden herum und dachten wortlos nach. An uns streiften Wälder und Berge vorbei. Um 22.00 Uhr wurde dann verspätet das Essen serviert. Wir aßen und gingen eine halbe Stunde später in unsere Abteile. Ich hatte die Nummer 24 und Kogoro die Nummer 22. Nachdem ich in meinem Abteil die Türe geschlossen hatte, mich hingelegt hatte und gerade dabei war einzuschlafen, ertönte im ganzen Zug ein extrem lauter Schuss, der meinem Gehör nach aus Abteil 28 kam. Ich schloss auf und rannte zu Abteil 28. Dann bemerkte ich, dass Kogoro auch von dem Schuss aufgeweckt worden war und auch zu Abteil 28 lief. Wir klopften laut an der Türe, doch es kam keine Antwort aus dem Abteil. Wir ließen uns im vorderen Teil des Zuges einen Ersatzschlüssel geben und versuchten, die Türe aufzuschließen. Doch es ging nicht, da innen ein Schlüssel im Schloss steckte. Kogoro sah auf den Türriegel. Dieser war eingeschnappt. Da half nur Eines. Wir mussten die Türe eintreten.
Die halbe Tür flog uns um die Ohren, dann sahen wir auf dem Bett des Abteils Herrn Manada sitzen. In seiner rechten Hand lag ein Revolver und sowohl sein Bett als auch sein Kopf waren voller Blut. Scheinbar hatte Herr Manada Selbstmord begangen. Plötzlich kamen auch Herr Ochiai, Frau Manada, Herr Aoba und Herr Izumo angerannt. Frau Manada fragte Kogoro: "Was ist denn hier passiert?" Dann blickte sie auf das Bett des Abteils und erstarrte vor Schreck, als sie dort ihren toten Mann erblickte. Sie wollte zu ihm gehen, doch Kogoro hielt sie ab und spürte an der Halsschlagader des Toten: "Bleiben Sie bitte alle von Herr Manada weg. Er ist leider tot. Die Todesursache ist ein Einschuss in die Schläfe. Es sieht mir stark nach einem Selbstmord aus. "
Herr Aoba fragte: "Wie wollen Sie sich denn so sicher sein, Herr Akechi?" Kogoro antwortete: "Das ist schnell erklärt. Das Abteil war von innen verriegelt, also konnte keiner rein oder raus." Herr Izumo sagte: "Ich kannte doch meinen Freund Toshiro sehr gut. Er hätte nie Selbstmord begangen. Es könnte doch auch sein, dass der Täter durch ein kleines Loch hindurch ins Abteil geschossen hat." Kogoro erwiderte: "Nein, kann es nicht! Dieses Abteil weist keine Löcher auf. Außerdem hatte das Opfer den Revolver in der Hand. Wie hätte der Täter dem Opfer den Revolver in die Hand legen können? Sehen Sie, es war eindeutig Selbstmord. Herr Manada war dazu noch ziemlich kräftig und hätte den Täter leicht überwältigen können. Und selbst wenn ihn der Täter überwältigen konnte, hätte das Spuren hinterlassen. Sehen Sie, seine Uhr hat keinen einzigen Kratzer."
Kogoro hob den rechten Arm des Toten hoch und sagte: "Sehen Sie, die Uhr ist immer noch einwandfrei." Herr Ochiai schlug Kogoro vor: "Wir könnten ja das Abteil durchsuchen. Vielleicht finden wir hier Indizien für die Drogengeschäfte." Wir durchsuchten das Abteil und fanden schließlich in seinem Gepäck mehrere kleine Päckchen, die mit Drogen gefüllt waren. Frau Manada schrie erschrocken auf: "Wie kommen denn die Drogen in das Gepäck meines Mannes? Ich kann das einfach nicht glauben." Herr Aoba sagte: "Das überrascht mich jetzt allerdings auch. Ich war mir ganz sicher, dass das mit den Drogen wirklich nur ein Gerücht war." Herr Izumo sagte daraufhin: "Die Drogen könnten doch ein Motiv für Toshiros Selbstmord gewesen sein. Vielleicht hat er die Türe abgeschlossen, um in Ruhe alles zu prüfen und hat dann gemerkt, dass er betrogen wurde." Kogoro bestätigte diese Theorie: "Das stimmt allerdings, dass er betrogen wurde. Die ganzen Päckchen sind mit Waschpulver oder ähnlichen Substanzen gefüllt. Nur in einer angebrochenen Packung sind Drogen." Herr Ochiai sagte: "Gut, dann wissen wir ja jetzt, dass es Selbstmord war. Außerdem ist es jetzt 23.00 Uhr und wir würden uns gerne hinlegen." Kogoro sah auf die Leiche und führte ein leises Selbstgespräch: "Dann war es also doch Mord. Aber wie hat der Täter das Abteil verriegelt?"
Herr Aoba unterbrach das Selbstgespräch von Kogoro: "Ist irgendetwas, Herr Akechi?" Kogoro stritt ab: "Nein, nein. Mir fällt nur gerade ein, dass der Zug ohne Halt nach Osaka fährt. Da bleibt uns doch noch genügend Zeit, Ihre Abteile zu durchsuchen. Begeben Sie sich auf Ihre jeweiligen Abteile! Ich würde mir gerne Ihre Abteile genauer ansehen. Keine Sorge, das ist Routine."
Wir fingen mit Abteil 27, Herrn Aobas Abteil an. Dort entdeckten wir einige Aktenordner, einen Fotoapparat und ein Diktiergerät. Kogoro fragte Herrn Aoba: "Wofür haben Sie denn den Fotoapparat mitgenommen?" Herr Aoba antwortete: "Wir haben Ihnen doch vorhin erzählt, dass wir ein bisschen durch Tokio gelaufen sind. Um Fotos zu machen, habe ich den Fotoapparat mitgenommen." Kogoro fragte daraufhin: "Und wie verstanden Sie sich mit Herr Manada?" Herr Aoba zögerte kurz und sagte: "Eigentlich ziemlich gut. Ich habe ihm beim Wahlkampf geholfen. Bei so etwas ist Zusammenhalt sehr wichtig." Kogoro dankte und verließ das Abteil, um in Herrn Izumos Abteil, Abteil Nummer 26, zu gehen.
Kogoro entdeckte auf dessen Abteil eine Feile, eine Sonnenbrille und Souvenirs aus Tokio. Dann befragte er auch Herrn Izumo: "Verstanden Sie sich eigentlich gut mit Herrn Manada?" Herr Izumo antwortete: "Ich verstand mich trotz seines starken Temperaments gut mit ihm. Sonst hätte er mich doch nicht mitgenommen." Kogoro sagte: "Ich verstehe schon, Herr Izumo. Vielen Dank, das war, was ich wissen wollte.
Ich wünsche Ihnen eine angenehme Nacht."
Dann ging Kogoro zur Nummer 25, Frau Manadas Abteil. Er durchsuchte das Zimmer gründlich und fand einen Revolver und Frau Manadas Kleidungsstücke. Dann fragte er: "Frau Manada, wofür brauchen Sie denn den Revolver?" Frau Manada antwortete: "Irgendwie muss ich mich doch verteidigen können. Außerdem habe ich einen Waffenschein und habe somit das Recht, eine Waffe bei mir zu tragen." Kogoro sagte: "Ich verstehe. Und wie war Ihre Beziehung zu Ihrem Ehemann?" Frau Manada antwortete darauf: "Er hatte keine Affären, betrog mich nie und war immer nett zu mir. Ich habe mich also sehr gut mit Toshiro verstanden." Kogoro dankte und ging in das letzte Abteil, das die Nummer 23 hatte, das Abteil von Herrn Ochiai.
Dort waren ein Fotoapparat, eine Pinzette und Einweghandschuhe. Kogoro sagte zu Herrn Ochiai: "Dieses ganze Zeug haben Sie doch sicher gebraucht, um die Spuren von Herrn Manadas Drogengeschäften zu sichern, habe ich Recht?" Herr Ochiai sagte: "Richtig. Wie ich schon sagte, war ich Herrn Manadas Geschäften auf der Spur. Ich wollte ihn noch vor der Bürgermeisterwahl überführen, damit er nicht das Amt des Bürgermeisters bekommt, das wäre nämlich gefährlich gewesen. Aber das Problem hat sich glücklicherweise von selbst gelöst. Herr Manada hat sich in seinem Abteil erschossen und jetzt ist die Sache gelaufen." Kogoro fragte: "Sie und Herr Manada waren doch Todfeinde? Das stimmt doch, oder?" Herr Ochiai antwortete mit einem finsteren Lächeln: "Ja, das waren wir. Vielleicht wissen Sie schon, dass er bei der Debatte zur Bürgermeisterwahl letztes Jahr eine Schlägerei angezettelt hat."
Kogoro bedankte sich für die Informationen und sprach leise vor sich hin: "Jetzt weiß ich jedenfalls, dass wir zwei Personen als Täter ausschließen können."
Dann ging er nochmals zu dem Abteil mit der Leiche und sah es sich genauer an. Auf dem Boden lagen mehrere kleine Metallsplitter. Auch entdeckte er, dass am Lauf des Revolvers die Blutspuren augenblicklich aufhörten. Dann überlegte er und sprach wieder vor sich hin: "Das ist jetzt allerdings merkwürdig. Hatte nicht diese eine Person in ihrem Gepäck …? Aber diese Theorie ist nicht in sich stimmig. Nein, das war es nicht. Am Türriegel sind keine Spuren zu sehen, außerdem funktioniert das so nicht. Es hätte für den Täter zeitlich nicht funktioniert."
Dann sah sich Kogoro den Türriegel genauer an. Er war voller Schmieröl und glänzte eigenartig. Kogoro murmelte vor sich hin: "Das ist mehr als merkwürdig. Aber ich habe eine Theorie. Bloß wie soll ich diese Theorie beweisen. In 3 Stunden fährt der Zug in Osaka ein und ich habe keine Beweise. Diese Beweise wird der Täter sofort vernichten oder hat sie gar schon vernichtet. Außerdem fehlt mir das entscheidende Indiz, das mir beantwortet, warum der Täter bei diesem Trick so schnell war."
Plötzlich entdeckte er im Boden im Gang ein Loch. Kogoro machte sich eine Skizze mit der Abteilbelegung. Dann sah er sich im Zug nach einem Mülleimer um und entdeckte im einzigen Mülleimer im ganzen Waggon mehrere kleine Metallblöckchen und einen weiteren Revolver.
Plötzlich sagte er zu mir: "Jetzt muss ich aufgeben. Der Täter hat alle Beweise, die ihm gefährlich werden konnten, vernichtet." Dann legte er die Metallblöckchen aus der Hand und lief betrübt zu seinem Abteil. Er nahm seinen Abteilsschlüssel und bemerkte, dass der Schlüssel klebrig war.
Er starrte wenige Sekunden auf den Schlüssel, dann erschien in seinem Gesicht ein Lächeln, das darauf hinwies, dass er den Fall durchschaut hatte. Er rannte zum Tatort und sah sich die Tür genau an. Dann fiel ihm ein: "Ich habe doch immer noch keinen Beweis. Ach ja, Ikuya, könntest du bitte das Abteilfenster öffnen. In dem Waggon stinkt es." Ich erwiderte: "Aber hier in dem Waggon gibt es keine Fenster."
Daraufhin erschien ein Leuchten in Kogoros Augen. Er sagte: "Dann habe ich den Fall gelöst. Ich kenne den Trick, mit dem der Täter den Tatort verriegelt hat. Ich weiß auch, welche der vier Personen den Mord so geschickt begehen konnte. Und, dass der Täter uns zum Narren gehalten hat. Selbst den überführenden Beweis kenne ich."



Kapitel 2

Kogoro versammelte die 4 Zugpassagiere vor Abteil 28, dem Tatort. Er sagte zu Ihnen: "Ich danke Ihnen, dass Sie alle hergekommen sind. Ich bin mir über die Identität des Mörders von Herr Manada im Klaren." Herr Aoba, der Assistent des Opfers, sagte: "Wir kennen auch den Mörder von Herr Manada. Es war Herr Manada selbst. Er beging in seinem Abteil Selbstmord. Die Türe des Abteils war von innen verriegelt und sein Revolver lag in seiner Hand. Außerdem haben wir doch bei der Durchsuchung seines Abteils entdeckt, dass in seinem Gepäck ein Päckchen mit Drogen war. Die restlichen Päckchen waren mit Waschpulver gefüllt." Herr Izumo sprach weiter: "Genau, und als er in seinem Abteil merkte, dass er bei seinen Drogengeschäften hintergangen wurde, beging er Selbstmord." Kogoro sagte schließlich: "Oder der Täter wollte uns das glauben lassen. In Wirklichkeit wurde Herr Manada ermordet, und zwar von einem von Ihnen vieren. Der Täter verriegelte nach dem Mord das Abteil auf trickreiche Weise und wollte den Mord an Herr Manada wie einen Selbstmord aussehen lassen." Herr Ochiai fragte: "Und weshalb sind Sie sich so sicher, dass es Mord war?" Kogoro antwortete: "Das ist schnell erklärt. Sehen Sie sich die Leiche genau an! Was fällt Ihnen an deren Uhr auf?" Frau Manada antwortete: "Ich erkenne nichts Ungewöhnliches an der Uhr. Mein Mann trug die Uhr wie immer am rechten Arm." Plötzlich schoss es ihr durch den Kopf: "Ach so. Darauf wollen Sie also hinaus." Kogoro sagte: "Ich denke, Sie haben verstanden, worauf ich hinaus will. Ein Linkshänder legt gewöhnlich eine Uhr mit der linken Hand am rechten Arm an, während ein Rechtshänder das Selbe an seinem linken Arm macht. Das zeigt uns, dass Herr Manada Linkshänder war und sich nicht mit der rechten Hand die Waffe an den Kopf halten und abdrücken konnte. Somit können wir sagen, dass der Täter Herrn Manada zuerst betäubt und danach kaltblütig den Revolver an seinem Kopf abgedrückt hat." Herr Aoba fragte: "Aber Herr Manada war ein ziemlich kräftiger Mann. Selbst wenn ihn jemand betäubt hat, hätte das Kampfspuren verursacht." Kogoro fragte: "Und was ist, wenn Herr Manada das Betäubungsmittel eingenommen hat, ohne es zu wissen?" Herr Izumo erwiderte: "Wir können zwar annehmen, dass der Täter ihm das Betäubungsmittel in das Essen in seinem Abteil gemischt hat, dennoch wäre es für den Täter schlecht gewesen, wenn die Tür zu gewesen wäre. Denn es hätte gereicht, die Türe zuzumachen, dann hätte der Täter nämlich nicht mehr in Herr Manadas Abteil kommen können." Kogoro sagte daraufhin: "Ich habe nicht gesagt, dass Herr Manada das Betäubungsmittel gegessen hat. Der Täter war sehr viel intelligenter. Angenommen, Herr Manada war wirklich ein Drogenhändler, dann war es für den Täter leicht, Herrn Manada zu betäuben. Er musste Herrn Manada nur ein Päckchen mit Betäubungsmittel verkaufen und ihm sagen, dass es Drogen seien. Herr Manada überprüfte die Ware und probierte davon. Schon hatte er das Betäubungsmittel aufgenommen und es war für den Täter leicht, Herrn Manada zu erschießen." Frau Manada fragte daraufhin: "Und was hat es mit den Päckchen voller Waschpulver auf sich?" Kogoro antwortete mit einem Lächeln: "Diese Päckchen hat der Täter nach dem Mord in Herr Manadas Gepäck versteckt, damit wir annehmen würden, dass Herr Manada beim Drogenkauf betrogen wurde und darum Selbstmord beging. Somit hätten wir auch ein passendes Motiv gefunden. Doch der Täter hat einen weiteren Fehler begangen. Er hat die Päckchen mit Waschpulver gefüllt. Doch jeder normale Mensch kann am Geruch Waschpulver augenblicklich von Drogen unterscheiden. Herr Manada hätte es also sofort gemerkt, wenn er betrogen wurde." Herr Ochiai sagte: "Das ist ja auch einleuchtend, aber warum war das Abteil von innen verriegelt?" Kogoro antwortete: "Weil die Türen schon verriegelt sind, sobald man sie zu macht." Herr Aoba erwiderte: "Sie haben doch vorhin noch gesagt, dass der Schlüssel im Schloss steckte und der Riegel eingeschnappt war. Das konnten Sie doch von außen erkennen." Kogoro sagte: "Wir konnten zwar erkennen, dass der Türriegel vorgeschoben war, aber wir konnten nicht erkennen, ob dieser vollständig war. Der Täter schloss von innen ab und entfernte ein Stück von dem Türriegel. Dann musste der Täter das Zimmer nur verlassen, von außen die Türe schließen und für den außen stehenden Beobachter würde es so aussehen, als ob der Türriegel komplett eingeschnappt war. Er war aber nicht einmal im Schloss. So erzeugte der Täter die Illusion von einem vollständig verriegelten Raum. Doch der Täter hat vergessen, die entstandenen Metallsplitter vom Tatort zu entfernen, das kann man auf dem Boden sehr gut erkennen. Es gibt nur ein Werkzeug in diesem Zug, mit dem der Täter diesen Trick bewerkstelligen konnte. Frau Manada schrie: "Das kann doch nicht sein. Meinen Sie etwa…?" Kogoro unterbrach: "Sie haben es erfasst, Frau Manada. Ich rede von der Feile, die ich vorhin im Gepäck von Herr Izumo entdeckt habe. Herr Izumo, Sie waren der Mörder von Herr Manada!" Herr Izumo erstarrte beinahe, dann erschien in seinem Gesicht ein eiskaltes Lächeln. Er sagte: "Warum behaupten Sie so etwas? Diese Theorie ist völliger Unsinn. Sie haben doch alle gehört, wann Herr Manada erschossen wurde. Sie eilten sofort zum Abteil mit Herr Manadas Leiche. Wie konnte ich nach dem Mord so schnell das Zimmer verriegeln und verschwinden?" Kogoro antwortete: "Diese Frage ist schnell beantwortet. Sie schossen in den Boden im Gang, als Sie schon das Abteil verlassen haben. Dann rannten Sie schnell in Ihr Abteil, bevor die anderen Personen in diesem Waggon selbst zum Tatort rannten. So wäre Ihr Verbrechen perfekt." Herr Izumo erwiderte auch diese Theorie: "In Ihrer Theorie ist immer noch ein großer Schwachpunkt. Wir haben nur einen Schuss gehört. Wenn Ihre Theorie richtig wäre, hätten wir zwei Schüsse gehört, nämlich die Erschießung von Herr Manada und den Schuss im Gang. Sie wären nämlich alle schon bei der Erschießung von Herr Manada zum Tatort gerannt und ich wäre in der Falle gesessen." Kogoro lachte und sagte daraufhin: "Natürlich konnten Sie es schaffen, dass kein Schuss zu hören sein würde. Sie benötigten nicht einmal einen Schalldämpfer. Wenn man den Revolver in eine gewöhnliche Gepäcktasche einwickelt und erst dann schießt, hört man den Schuss nicht mehr, besonders wenn der Zug in ein unebenes Waldgebiet einfährt. Ich schätze also, dass Sie den Mord schon um 22.00 Uhr begangen haben. Um diese Uhrzeit fuhr der Zug in das Waldgebiet ein." Herr Izumo sagte zu Kogoro: "Sie haben einen weiteren Fehler gemacht. Wenn Sie behaupten, ich hätte im Gang den Revolver abgefeuert, warum haben Sie dann beim Aufbrechen der Abteilstüre den Revolver in Herr Manadas Hand gesehen?" Kogoro antwortete: "Weil Sie einen weiteren Revolver bei sich getragen haben und diesen im Mülleimer im Gang entsorgt haben. Frau Manada hat zwar auch einen Revolver, doch sie kommt wie Herr Ochiai für das Verbrechen nicht in Frage. Beide Abteile, 23 und 25, sind nämlich zu weit vom Tatort, Abteil 28, entfernt. Der Täter musste sich nämlich beeilen, um nach dem Schuss in sein Abteil zu rennen. Sie, Herr Izumo, haben Herrn Manada das Abteil 28 vorgeschlagen. Dieses ist am Ende des Waggons. So würde man sofort wissen, von wo aus der Schuss kam. Sie haben den Schuss im Gang nur deswegen so spät abgefeuert, weil Sie nicht wollten, dass Sie jemand vom Speisewagen aus beim Abfeuern des Schusses beobachtete. Sie warteten also, bis jeder auf seinem Abteil war und feuerten erst dann den Schuss im Gang ab." Herr Izumo sagte daraufhin: "Sie haben doch vorhin erwähnt, dass der Türriegel für den Trick mit dem verschlossenen Raum zerstört wurde. Wir befinden uns jetzt aber vor dem Tatort und der Türriegel ist vollständig. Das bedeutet, dass Sie in Ihrer Theorie einen weiteren Fehler gemacht haben." Kogoro lächelte Herrn Izumo an und sagte ihm: "Sie haben uns sehr geschickt hereingelegt, Herr Izumo. Wer würde schon auf die Idee kommen, dass der Täter während der Durchsuchung der Zimmer einen neuen Türriegel am Tatort einsetzt? Dummerweise kann man am Türriegel hier sehr gut erkennen, dass er neu ist. Dieser Zug ist sehr alt, dennoch ist das Schmieröl am Türriegel vollkommen frisch. Normalerweise wird Schmieröl mit der Zeit braun und lässt Metall rosten. Aber dieser Türriegel glänzt, ist also noch sehr neu."
In Herr Izumos Gesicht erschien ein düsteres Lächeln, dann sagte dieser: "Sie haben jetzt zwar gezeigt, dass das Verbrechen selbst für mich möglich war, doch Sie haben keinen einzigen Beweis, der zeigt, dass ich der Täter war." Kogoro sagte daraufhin mit einem triumphierenden Lächeln: "Doch, ich habe einen Beweis. Als Sie in den Zug einstiegen, wussten Sie noch nicht, welche Maße die Türriegel im Zug haben würden. Darum nahmen Sie mehrere Türriegel mit. Damit Sie nicht das Schmieröl für die Türriegel mitnehmen mussten, trugen Sie es schon im Voraus auf die Türriegel auf. Dann suchten Sie den passenden Türriegel aus und wischten von den restlichen Türriegeln mit einem Taschentuch das Schmieröl ab und warfen diese in den Mülleimer, in dem wir später auch den Revolver gefunden haben. Da dieser Zug keine Fenster hat, konnten Sie das Schmieröl-befleckte Taschentuch nicht entsorgen. Es befindet sich nicht im Mülleimer und auch nicht in den jeweiligen Abteilen. Sie tragen es immer noch bei sich." Herr Izumos Lächeln verdunkelte sich immer mehr, dann sagte dieser: "Ich gebe zu, dass ich in meiner Hosentasche ein Schmieröl-beflecktes Taschentuch habe. Ich habe auf dem Weg zum Zug versehentlich einen Gegenstand voller Schmieröl angefasst. Ich habe mir die Hände mit dem Taschentuch abgewischt und dieses in meine Hosentasche gesteckt. Jetzt fehlen Ihnen die Worte, Herr Akechi, nicht wahr? Sobald wir in Osaka sind, werde ich Sie verklagen. Oder haben Sie einen weiteren Beweis, um Zeit zu verschwenden?" Kogoro sagte: "Ich habe einen Beweis, der Sie von Ihrer eigenen Schuld überzeugen wird. Herr Izumo, was haben Sie gesagt, als Frau Manada Sie nach der Abfahrt des Zuges fragte, was Sie auf Ihrem Abteil gemacht haben?" Herr Izumo antwortete: "Ich habe gesagt, dass ich auf meinem Abteil gelesen habe. Das können Sie mir glauben." Kogoro sagte: "Ich kann Ihnen das glauben, aber ich tue es nicht. Sie haben auf Ihrem Abteil nicht gelesen, sondern haben getestet, welche Sorte Türriegel ins Schloss passt. Sonst hätte der Trick mit dem verriegelten Abteil nicht funktioniert. Würden Sie mir bitte sagen, was Sie auf Ihrem Abteil gelesen haben?" Herr Izumo sagte: "Ich habe eine Zeitschrift gelesen. Was soll die Frage?" Kogoro sagte: "Es ist aber keine Zeitschrift auf Ihrem Abteil zu finden gewesen. Würden Sie uns das bitte erklären?" Herr Izumo sagte daraufhin: "Ich erkläre Ihnen das gerne. Die Zeitschrift war langweilig und ich habe sie außerhalb des Zuges entsorgt." Kogoro sagte schließlich: "Jetzt haben Sie sich endgültig verraten. Sie haben den Zug zusammen mit Frau Manada 1 Minute vor der Abfahrt gerade noch erwischen können. Sie hatten also nur 1 Minute Zeit, Ihr Abteil zu erreichen, die Zeitschrift zu lesen, festzustellen, dass sie langweilig ist und sie schließlich außerhalb des Zuges zu entsorgen. Würden Sie uns das bitte erklären, Herr Izumo." Herr Izumo sagte: "Das ist dadurch zu erklären, dass ich der Täter bin. Ja, ich gestehe. Ich, Yuji Izumo, habe Herrn Manada umgebracht." Frau Manada fragte: "Aber warum hast du das getan, Yuji?" Herr Izumo sagte voller Wut: "Weil er meine Freundin Asami durch gestreckte Drogen umgebracht hat. Ich hatte ja nichts dagegen, dass er mit Drogen gehandelt hat, aber auch ein Drogenhändler sollte Rücksicht auf seine Kunden nehmen. Es ist grauenvoll, dass meine Asami durch eine Kaliumnitratvergiftung sterben musste." Herr Ochiai sagte entsetzt: "Aber das ist doch…" Herr Izumo sagte: "Richtig, das ist Pflanzendünger. Und zwar einer der giftigsten, die es auf dem Markt zu kaufen gibt. Ich habe aber nicht nur an Asami gedacht, sondern auch an die vielen anderen Drogenabhängigen. Herr Manada war eine Gefahr, die ich aus der Welt schaffen musste. Darum habe ich ihn umgebracht. Ich habe aber wirklich nicht gedacht, dass mein Plan auffliegt. Ich habe alles bis ins kleinste Detail geplant und verrate mich letztendlich durch die eigene Aussage. Es ist jämmerlich." Montagmorgens fuhr der Zug um 7.00 Uhr in Osaka ein. Wir übergaben Herrn Izumo der Polizei. Als er abgeführt wurde, sah er erleichtert aus. So endete unser zweiter großer Fall. Ich erzähle Ihnen bald von unserem dritten großen Fall: Tod in der Villa. Bis dann,
Ihr Ikuya Hatano.