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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Illegale Geschäfte

Kapitel 1

Vor wenigen Monaten erreichte uns ein Anruf von einem alten Schulfreund (Takashi Furuhashi, 31, Chef einer Anwaltskanzlei) von Kogoro. Dieser hatte den Verdacht, dass einer seiner Angestellten illegale Geldgeschäfte von der Kanzlei aus betrieb und die Kanzlei in den Ruin hätte treiben können. Nun stand nur noch die Frage im Raum, wer für die Geschäfte verantwortlich war. Kogoro sah darin einen lukrativen Auftrag und fuhr mit mir zu der besagten Anwaltskanzlei inmitten von Tokio. Er klingelte an der Tür und wurde von einer hübschen, jungen Dame (Mariko Konno, 22, Sekretärin von Takashi Furuhashi) mit kurzen, blonden Haaren begrüßt. Kogoro sagte Frau Konno, dass er einen Termin mit Herrn Furuhashi habe. Frau Konno brachte uns darauf in das Büro von Herrn Furuhashi. In diesem waren drei Schreibtische. An dem ersten saß Herr Furuhashi, an dem zweiten ein Mann mit mittellangen, blonden Haaren (Shiro Shigematsu, 34, Anwalt) und am dritten ein Mann mit kurzen, schwarzen Haaren und Schnurrbart (Kikuhito Sakuraba, 26, Anwalt). Wir setzten uns zum Schreibtisch von Herr Furuhashi.
Dieser begrüßte uns freundlich und sagte zu Kogoro: "Wir haben uns schon ziemlich lange nicht mehr gesehen, Kogoro. Ist doch schon erstaunlich. Ich bin Chef einer bekannten Anwaltskanzlei und du bist ein stadtbekannter Detektiv."
Kogoro lächelte ihn an und sprach: "Du hast mich aber sicher nicht hier hergeholt, um mir das zu sagen. Also, was soll ich jetzt für dich machen?" Herr Furuhashi antwortete: "Ganz einfach. Du sollst für mich herausfinden, wer hier in der Kanzlei illegale Geldgeschäfte betreibt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine der drei Personen, die hier anwesend sind, ist. Diese drei Personen haben als einzige genügend Kenntnisse darüber, wie man solche Geschäfte geschickt betreibt. Befrag' mal die einzelnen Personen dazu. Ich habe ihnen gesagt, dass du heute hier herkommst. Fang bei der Befragung am besten mit Frau Konno an."
Kogoro folgte diesem Rat und sprach Frau Konno auf die Sache an: "Sie wissen doch, warum ich jetzt hier bin?"
"Natürlich", sagte sie und zog an einer Zigarette, "Sie sind doch sicher dieser Detektiv, den Herr Furuhashi beauftragt hat. Ich sage Ihnen, wer es war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Shigematsu die Geldgeschäfte betrieben hat. Er wurde vor 10 Jahren wegen Betruges zu einer beträchtlichen Geldstrafe verurteilt. Ich habe nämlich zu der Sache mit den illegalen Geldgeschäften Nachforschungen angestellt. Also Herrn Shigematsu würde ich diese Geldgeschäfte hier in der Kanzlei durchaus zutrauen. Aber befragen Sie einmal Herrn Sakuraba zu dieser Sache mit Herr Shigematsu, er weiß auch sicher etwas über dessen Vergangenheit."
Kogoro fragte Frau Konno: "Wüssten Sie eigentlich, wer sonst noch ein Motiv haben könnte?" Sie antwortete: "Im Grunde ist mir das ziemlich egal. Wenn Sie hier diesen Fall gelöst haben, sage ich Herrn Sakuraba und dieser Kanzlei hier Auf Wiedersehen! Also, befragen Sie nun Herrn Sakuraba oder nicht?!"
Kogoro bedankte sich und ging zum Schreibtisch von Herr Sakuraba. Er sprach Herrn Sakuraba an: "Mir wurde mitgeteilt, dass Sie vielleicht etwas über die Vergangenheit Ihres Kollegen Herr Shigematsu wissen könnten." Herr Sakuraba fragte: "Meinen Sie vielleicht den Fall vom Betrug in seiner alten Kanzlei? Das ist doch schon 10 Jahre her." Kogoro fragte: "War Herr Shigematsu etwa davor in einer anderen Kanzlei tätig?"
"Ja, das war er. Da er dort wegen dieser Sache gefeuert wurde, fand er zunächst keinen Job. Einige Zeit später stellten wir ihn dann ein. Er ist nämlich ein sehr talentierter Anwalt. Außerdem würde ich ihm das nicht zutrauen, schon eher unserer feinen Sekretärin Frau Konno. Sie war das und braucht einen Sündenbock. Sie will übrigens zur Konkurrenz wechseln." "Stimmt", sagte Kogoro, "Ihre Sekretärin hat vorhin so etwas in der Art erwähnt. Könnte es sein, dass sie zu Ihnen eine Beziehung hatte?"
"Woher wissen Sie das jetzt schon wieder, Herr Akechi?" "So etwas hat sie vorhin auch erwähnt. Sie sagte, sie sage Ihnen und der Kanzlei Auf Wiedersehen. Wüssten Sie einen Grund dafür?" "Vielleicht wurde ihr ein höheres Gehalt versprochen. Der Chef hat sich in der letzten Zeit übrigens fast immer mit Frau Konno gestritten. Vielleicht wollte sie es ihm mit den illegalen Geldgeschäften heimzahlen, kann ja auch sein. Also, reden Sie ruhig mit Herr Shigematsu. Er macht so etwas sicher nicht mehr.", sagte Herr Sakuraba und schaltete ein kleines Radio an.
Kogoro bedankte sich für die Informationen und lief zu Herr Shigematsus Schreibtisch. Herr Shigematsu arbeitete gerade an seinem Computer. Kogoro unterbrach ihn bei seiner Arbeit: "Sie sind doch Herr Shigematsu, nicht wahr?" Herr Shigematsu lächelte und sagte: "Ja, das bin ich. Worum geht es?" "Es geht um die illegalen Geldgeschäfte hier in der Kanzlei. Frau Konno hat vorhin ziemlich viel Negatives über Sie erzählt.", sagte Kogoro. "Hat sie Ihnen also von meiner kriminellen Vergangenheit erzählt? Ich wurde zwar wegen Betrugs verurteilt, aber das war vor 10 Jahren. Seitdem ist nichts mehr geschehen.", sagte Herr Shigematsu. Kogoro sagte zu Herr Shigematsu: "Es könnte ja auch sein, dass Sie zur Zeit von hier aus illegale Geldgeschäfte betreiben." "Habe ich nicht gerade gesagt, dass ich so etwas nicht mehr mache? Außerdem hat Frau Konno das mehr nötig als ich. Sie steckt zur Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und hat das Geld mehr nötig als ich. Wahrscheinlich will sie auch deswegen zur Konkurrenz wechseln. Fragen Sie ruhig einmal unseren Chef, Herrn Furuhashi. Er wird sicher auch einen Verdacht haben, wer es war."
Kogoro dankte und ging noch einmal zu Herrn Furuhashi. Kogoro fragte Herrn Furuhashi: "Du hast doch zur Zeit häufig Streit mit Frau Konno. Könnte es sein, dass sie dich in den Ruin treiben will?" Herr Furuhashi sagte: "Ich glaube, das fragst du am besten Frau Konno selbst." Er holte Frau Konno zu Kogoro und setzte sich selbst an seinen Schreibtisch.
Kogoro fing an, sich mit Frau Konno am Eingang des Büros zu unterhalten: "Haben Sie die illegalen Geldgeschäfte betrieben?" "Natürlich nicht. Aber ich habe etwas Ungewöhnliches entdeckt. Es geht um eine …"
Plötzlich ging das Licht aus. Wir hörten, wie ein metallischer Gegenstand im Gang der Kanzlei auf den Boden fiel. Die drei Anwälte fragten, was passiert war. Kogoro versicherte: "Keine Sorge, der Strom ist nur gerade ausgefallen."
Plötzlich hörten wir einen dumpfen Schlag und ein leises Ächzen, 10 Sekunden später ein lautes Rauschen, dann das Zerbrechen von Glas. Herr Sakuraba rief: "Ich guck mal nach der Sicherung." Dann lief er an uns vorbei in den Gang. Ungefähr 15 Sekunden später ging das Licht an.
Uns bot sich ein schrecklicher Anblick: Frau Konno lag tot auf dem Boden, ihr Kopf war blutüberströmt. Neben ihr lag ein blutiger Pokal. Wir riefen sofort die Polizei, inzwischen sah Kogoro sich die Leiche genauer an und sagte: "Es sieht so aus, als sei sie durch einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf getötet worden, als der Strom ausfiel und wir nichts sehen konnten. Als Tatwaffe käme dieser Pokal in Frage." Herr Sakuraba fragte entsetzt: "Aber wer macht so etwas Grausames?"
Kogoro sagte: "Das weiß ich leider auch nicht. Wahrscheinlich ein Einbrecher." Herr Shigematsu erwiderte: "Das kann nicht sein. Ich meine, der Pokal stand bei uns in der Vitrine hier hinten im Büro." Kogoro bestätigte ihn: "Das wirft natürlich ein anderes Licht auf diesen Fall. Nur Sie drei kommen also für die Tat in Frage." Herr Furuhashi fragte daraufhin: "Aber wie konnte der Täter das Opfer und den Pokal so schnell in völliger Dunkelheit finden? Außerdem ist der Strom zu dem Zeitpunkt ausgefallen, als wir alle in diesem Büro hier saßen. Aber der Sicherungskasten ist im Gang. Wie soll also einer von uns der Täter sein. Überzeugen Sie sich und sehen sich den Gebäudeplan an!"
Kogoro sah sich den Gebäudeplan an und fragte: "Gibt es hier noch andere Spuren, die uns weiterhelfen könnten?" Herr Sakuraba antwortete: "Wir haben doch vorher gehört, wie eine Glasscheibe zerbrach. Vielleicht wurde im Wartezimmer die Fensterscheibe zerbrochen."
Wir liefen zum Wartezimmer und öffneten die Tür. Wie erwartet lagen dort ziemlich viele Scherben herum. Plötzlich sagte Herr Sakuraba: "Mir fällt da gerade ein, als das Licht wieder anging, lag ein Metallring von ungefähr 3 Zentimetern Durchmesser bei der Sicherung." Kogoro sagte daraufhin: "Das war also das metallische Geräusch, das wir zum Zeitpunkt des Stromausfalls im Gang gehört haben. Könnte es also sein, dass dieser Metallring zum Auslösen des Stromausfalls benutzt wurde? Nun stellt sich aber die Frage, wie dieser Gegenstand den Stromausfall auslösen konnte. Und wie die Scheibe zerbrochen wurde, während Sie alle im Büro waren. Jedenfalls beweist der Metallring, dass einer von Ihnen der Täter war. Und ich werde auch herausfinden, wie der Täter diese Show inszeniert hat, verlassen Sie sich drauf! Vorhin habe ich übrigens erfahren, dass jeder von Ihnen ein Motiv hatte, Frau Konno umzubringen. Herr Shigematsu wurde immer von Frau Konno schlecht hingestellt, Herr Sakuraba hatte eine engere Beziehung zu Frau Konno und Herr Furuhashi hatte öfters Streit mit Frau Konno. Jedenfalls sollten wir erst herausfinden, wer von Ihnen die illegalen Geldgeschäfte betrieben hat. Vielleicht bringt uns das weiter. Mir fällt gerade ein, dass wir doch vorhin die Polizei angerufen haben. Wann kommt die denn endlich hier her?" Herr Shigematsu sagte: "Ich habe mich vorhin noch einmal erkundigt. Die Polizei kann aus bestimmten Gründen erst in 2 Stunden anrücken."
Herr Furuhashi schlug vor, dass wir in der Zwischenzeit selbst nach Beweisen suchen könnten. Wir liefen also ins Büro und sahen uns um. Nach kurzer Zeit hob Herr Sakuraba eine Diskette vom Boden auf. Wir überprüften diese mit Herrn Furuhashis Computer. Auf der Diskette war eine unvollständige Textdatei: "Erhalt von illegalen Geldern. Besitzer: Herr S…" Kogoro sprang auf und sagte: "Jetzt wissen wir jedenfalls, dass diejenige Person, die die illegalen Geldgeschäfte betrieben hat, entweder Herr Sakuraba oder Herr Shigematsu sein muss. Doch jetzt stellen sich zwei weitere Fragen: Warum fehlt der Rest des Textes? Wurde der Text manipuliert oder versehentlich gelöscht?"
Herr Shigematsu entdeckte ein kleines Loch in der Decke. Da wir das für unwichtig hielten, ignorierten wir das Loch und suchten nach weiteren Beweisen. Kogoro fand schließlich in der Schublade des Opfers ein zerstörtes Videoband und fragte Herrn Furuhashi: "Wüssten Sie, was auf dem Video zu sehen sein könnte?" Herr Furuhashi sagte: "Nein ich wüsste nicht, was darauf zu sehen ist. Vielleicht hätte ja dieses Band den Täter verraten können. Aber jetzt können wir nicht mehr viel damit anfangen."
Herr Shigematsu fügte hinzu: "Ich hätte auch gerne gewusst, was darauf zu sehen ist." Herr Sakuraba sagte: "Vielleicht ein Beweis, der den Täter belastet." Herr Shigematsu zweifelte an dieser Theorie: "Aber wenn Frau Konno eine Videokamera dabei gehabt hätte, hätten wir das gemerkt."
Kogoro sagte schließlich: "Es kann doch auch sein, dass der Täter dachte, auf dem Band wäre belastendes Material. Außerdem habe ich ein weiteres Indiz entdeckt. Auf Frau Konnos Kragen und auf dem Pokal ist jeweils ein kleiner gelber Fleck. Ich weiß zwar nicht, warum, aber ich werde es herausfinden."
Wir sahen uns weiterhin nach Beweisen um, dann entdeckte Kogoro im Mülleimer einen Kugelschreiber mit versengtem Plastik und einen kleinen Draht. Dann sagte er: "Es war also doch einer von Ihnen. Mir ist nämlich jetzt klar geworden, was der kleine Metallring bei der Sicherung mit dem Stromausfall zu tun hat. Ich weiß nur noch nicht, wer von Ihnen der Täter war. Ich weiß auch nicht, wie der Täter sein Opfer und den Pokal in völliger Dunkelheit finden konnte. Es ist mir auch ein Mysterium, wie der Täter die Fensterscheibe zerschlagen konnte und gleichzeitig hier sein konnte. Herr Sakuraba, könnten Sie mir bitte sagen, wo Sie die Diskette gefunden haben?" Herr Sakuraba antwortete: "Ich habe sie unter der Vitrine gefunden. Sie war dort ziemlich gut versteckt."
Herr Sakuraba lief daraufhin zu seinem Schreibtisch und schaltete sein kleines Radio aus. Kogoro redete mit sich selber: "Ach so. So war das also. Jetzt weiß ich, dass unter den dreien nur er für den Mord in Frage kommt. Ich habe sogar einen unumstößlichen Beweis, der gegen ihn spricht. Ich habe das Verbrechen komplett durchschaut."



Kapitel 2

Kogoro lief in das Wartezimmer der Anwaltskanzlei, sah dort aus dem zerbrochenen Fenster und ging zu den drei Verdächtigen zurück. Dann fing er an zu sprechen: "Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Ich bin soeben zu dem Schluss gekommen, dass einer von Ihnen dreien der Täter sein muss. Es war also entweder Herr Furuhashi, Herr Sakuraba oder Herr Shigematsu." Plötzlich sagte Herr Shigematsu: "Wir haben doch alle ein Alibi für den Stromausfall. Als der Strom ausfiel, waren wir alle im Büro der Kanzlei. Sie haben sich doch mit dem Opfer an der Tür unterhalten und können das sicher bestätigen. Mit dem kleinen Metallring bei der Sicherung ließe sich so etwas bestimmt anstellen. Bloß wie?" Kogoro sagte: "Um das aufzuklären, müssen wir etwas weiter ausholen. Am besten finden wir heraus, wer für die illegalen Geldgeschäfte verantwortlich ist. Auf der Diskette war zu lesen: "Erhalt von illegalen Geldern. Besitzer: Herr S…" Nehmen wir an, Herr Furuhashi hat die Datei manipuliert. Warum hätte er sie dann so versteckt, dass sie so schwer auffindbar gewesen wäre. Also unter der Vitrine. Er ist somit nicht für die illegalen Geldgeschäfte verantwortlich zu machen. Wir können auch Herrn Sakuraba für die Geldgeschäfte ausschließen, da er sich mit dem Inhalt der Diskette verdächtig gemacht hätte und dennoch die Diskette aufhob. Somit bleibt nur noch Herr Shigematsu als Verdächtiger übrig. Nicht wahr, Herr Shigematsu?" Herr Shigematsu fragte: "Wie wollen Sie das denn beweisen, Herr Akechi?" Kogoro antwortete: "Der Computer verrät Sie. Sie standen unter Zeitdruck und wollten den Inhalt der Diskette löschen. Dummerweise wurde der Löschvorgang unterbrochen und blieb rein zufällig bei dem Anfangsbuchstaben Ihres Namens stehen. Sie waren die einzige Person, die zu diesem Zeitpunkt den Computer angeschaltet hatte. Ich rede vom Zeitpunkt des Stromausfalls. Dieser unterbrach das Löschen der Diskette. Sie mussten aber die Diskette verstecken, sodass sie nicht entdeckt würde. Bloß konnten Sie in der Dunkelheit gerade noch die Vitrine ertasten und die Diskette unter dieser verstecken. Somit bleiben als einzige Person Sie für die illegalen Geldgeschäfte übrig, Herr Shigematsu. Nicht wahr?" "Na gut, Ich gestehe. Ich bin für die illegalen Geldgeschäfte verantwortlich. Aber ich habe nicht Frau Konno umgebracht. Wir hatten sowieso alle kein besonderes Motiv, Frau Konno umzubringen. Wir haben doch auch ein Alibi für den Stromausfall."
Kogoro sagte plötzlich: "Und was ist, wenn ich Ihnen beweise, dass einer von Ihnen der Täter war? Außerdem hatte jeder von Ihnen ein noch stärkeres Motiv, Frau Konno umzubringen. Vielleicht wusste Frau Konno von Herrn Shigematsus Geldgeschäften und machte ihn nicht nur schlecht, sondern erpresste ihn gleichzeitig. Sie wissen ja alle, dass Frau Konno in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Auch Herr Sakuraba ist verdächtig. Es könnte doch auch so sein, dass er eine Frau hat und Frau Konno die Beziehung auffliegen lassen wollte, wenn Herr Sakuraba sie verlässt. Auch Herr Furuhashi kommt in Frage. Frau Konno wäre bald zur Konkurrenz gewechselt. Vielleicht hat sie in der letzten Zeit Manipulationen in Herr Furuhashis Kanzlei angestellt." Herr Furuhashi unterbrach: "Na gut, wir haben vielleicht alle ein Motiv gehabt, Frau Konno umzubringen, aber was hat es mit dem Metallring auf sich, der zum Zeitpunkt des Stromausfalls auf den Boden fiel? Was hatte der Metallring mit dem Stromausfall zu tun?"
Kogoro antwortete mit einem Lächeln: "Überhaupt nichts. Der Täter wickelte um einen Stecker einen Draht und schob den Stecker in die Steckdose. So wurde augenblicklich ein Stromausfall in der gesamten Kanzlei verursacht. Der Metallring wurde einfach um den Sicherungsschalter gelegt. Sobald der Strom ausfällt, fällt der Sicherungsschalter nach unten und lässt somit den Metallring fallen. Das Geräusch hörten wir natürlich und brachten es mit dem Stromausfall in Verbindung. Somit hatte der Täter eine falsche Spur gelegt. Solange nämlich nicht feststeht, wie ein Täter eine Tat ausgeführt hat, kann man ihn auch nicht überführen. Ach ja, den Draht, den der Täter für den Trick mit dem inszenierten Stromausfall verwendet hat, haben wir doch vorhin mit einem versengten Kugelschreiber im Mülleimer gefunden. Der Kugelschreiber wurde vom Täter sehr geschickt eingesetzt. Der Draht wurde durch den Stromausfall stark erhitzt. Der Täter schälte also mit Hilfe des Kugelschreibers den glühenden Draht ab. Dadurch versengte der Kugelschreiber."
Herr Sakuraba fragte: "Aber wie konnte der Täter sein Opfer und den Pokal in der Dunkelheit finden?" Kogoro erklärte: "Die Antwort darauf liefern die kleinen gelben Punkte auf Frau Konnos Kragen und auf dem Pokal. Das war nämlich eine Substanz, die im Dunkeln leuchtet. So musste sich der Täter an den zwei Lichtpunkten orientieren. Die Substanz auf Frau Konnos Kragen konnte der Täter im Vorbeigehen anbringen."
Plötzlich fragte Herr Shigematsu: "Aber was hat es mit dem zerstörten Videoband in Frau Konnos Schublade auf sich?" Kogoro gab auch darauf eine Antwort: "Erinnern Sie sich noch an das Loch in der Decke? Frau Konno hatte in dieses Loch eine kleine Videokamera eingebaut, um zu sehen, was in der Kanzlei vor sich geht. Sie sah zum Beispiel, dass Herr Shigematsu für die illegalen Geldgeschäfte verantwortlich ist. Doch sie wollte mir vorhin, als das Licht ausging, sagen, dass sie etwas Merkwürdiges entdeckt hat. Leider kam sie nicht mehr dazu. Sie wollte mir sagen, dass sie auf dem "Überwachungsvideo" noch eine Person gesehen hat, die die Diskette in den Händen hatte. Diese Person war der Täter. Der Täter wusste, wer für die illegalen Geldgeschäfte verantwortlich war. So hatte er einen Grund, einen Detektiv herzuholen, sozusagen einen unabhängigen Zeugen für sein Alibi."
Plötzlich sagte Herr Shigematsu: "Doch nicht etwa …?" Kogoro sagte: "Richtig, der Täter war Herr Furuhashi, Ihr Chef."
Auf einmal richteten sich alle Blicke im Raum auf Herrn Furuhashi. Dieser hatte einen geschockten Gesichtsausdruck. Dann fasste er sich wieder, räusperte sich und fing an zu reden: "Wir sind vielleicht alte Schulfreunde, aber du gehst zu weit, Kogoro. Ich habe kein Problem damit, dich wegen Rufmordes zu verklagen." Kogoro sagte plötzlich: "Und ich habe kein Problem damit, dich wegen Mordes einzubuchten. Nur du kommst in Frage, Frau Konno umgebracht zu haben. Du hast auch deswegen Frau Konno kurz vor dem Mord hergerufen, damit ich mich mit ihr an der Tür unterhielt und wir so auch sahen, dass Sie alle im Büro saßen. Das war entscheidend für dein Alibi für den Stromausfall." Herr Furuhashi sagte zu Kogoro: "Das ist zwar alles in sich stimmig, aber du vergisst zwei Details, Kogoro: Als wir im Büro saßen, wurde nach dem Mord das Fenster im Wartezimmer eingeschlagen. Außerdem hast du keine Beweise dafür, dass ich es war." Kogoro sagte: "Erinnern wir uns bitte noch einmal daran, wie wir das Zimmer aufgefunden haben: Die Tür des Zimmers war geschlossen und das Zimmer war voller Scherben. Doch welcher Täter schließt hinter sich die Tür? Und warum sollten die Scherben im Zimmer liegen, wenn man ein Fenster von innen einschlägt? Diese zwei Fragen sind schnell beantwortet. Herr Furuhashi befestigte außen am Fenster einen Sprengsatz, den er nach dem Mord per Fernsteuerung zündete. Ich habe vorhin aus dem Fenster gesehen. Auf dem Gehweg lagen Überreste eines kleinen Sprengsatzes. Außerdem war die Tür deshalb geschlossen, damit man nicht vom Gang aus in das Zimmer sehen konnte. Dann wäre der Trick mit dem Sprengsatz nämlich aufgeflogen. Der Täter war also diejenige Person, die jetzt eine Fernbedienung bei sich hat. Wir haben ja vorhin weder in den Schubladen, noch im Müll eine Fernbedienung gefunden. Der Täter trägt sie also noch bei sich. Du kannst uns ja den Inhalt deiner Hosen- und Anzugtaschen zeigen, Takashi. Du trägst nämlich das überführende Beweisstück immer noch bei dir."
Herr Furuhashi sagte schließlich: "Gut gemacht, Kogoro. Du hattest sogar Recht, was mein Motiv angeht. Frau Konno wollte zur Konkurrenz wechseln. Mich hat das ja auch nicht gestört. Doch als ich mitbekam, dass Frau Konno in der Kanzlei Systemausfälle verursacht und Aufträge einiger Klienten gelöscht hat, wurde ich sauer und sprach sie darauf an. Sie lachte und sagte zu mir: "Sie sind doch selber schuld an der Situation. Hätten Sie mir mehr gezahlt, hätte ich Ihre Kanzlei verschont. Mich hat die Konkurrenz nämlich dafür bezahlt, dass ich hier Manipulationen anstelle." Als Frau Konno mir das gesagt hatte, beschloss ich, sie umzubringen. Aber ich habe eine Frage an dich, Kogoro. Wie bist du darauf gekommen, dass der Zünder des Sprengsatzes eine Fernbedienung war? Es hätte doch auch ein Zeitzünder sein können." Kogoro antwortete: "Du erinnerst dich doch noch daran, dass kurz vor dem Zerbrechen der Scheibe im Wartezimmer ein Rauschen zu hören war. Die Funkwellen der Fernbedienung störten den Empfang von Herrn Sakurabas batteriebetriebenem Radio und so kam es dann zu dem Rauschen." Herr Furuhashi sagte: "Ich kann es nicht glauben. Ich war so blind vor Hass, dass ich mich letztendlich selbst verraten habe."
Kurze Zeit später kam die Polizei. Herr Furuhashi gestand ohne zu zögern und wurde abgeführt. Monate später wollten wir nachsehen, was aus der Kanzlei geworden war und fanden heraus, dass Herr Sakuraba der neue Chef geworden war. So endete unser erster Kriminalfall. Ich erzähle Ihnen bald von unserem nächsten Fall: Mord in Abteil 28.

Ihr Ikuya Hatano.