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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Die Vollstreckung

Der Bericht des Delinquenten:
Das Urteil war schon eine Woche zuvor verk?ndet worden: Ich, Jean Jacques Moire, Anf?hrer der antirevolution?ren Bewegung, sollte mit der Guillotine hingerichtet werden. Die Gr?nde verstanden sich in den windigen Zeiten nach der franz?sischen Revolution wohl von selbst - meine politische Einstellung war der haupts?chliche Grund f?r meine Hinrichtung. Ich sah mich dem Absolutismus weiterhin zugeneigt und f?hrte eine kleine Gruppe an, die diese Staatsform wieder einzuf?hren versuchte. Dieser Versuch war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und dies sollte mich kurz darauf schwer zu stehen kommen: wir wurden von den Revolution?ren gefangen genommen und einer nach dem anderen in eilig abgewickelten Verfahren zum Tode verurteilt.
An einem Sommertag war es dann so weit: Der Tag meiner Hinrichtung war gekommen. Ich stand mit hinter dem R?cken zusammengebunden H?nden in einer Reihe von Personen, die alle auf ihre Hinrichtung durch die Guillotine auf dem gro?en Marktplatz warteten; und pro gefallenem Kopf verringerte sich die Anzahl der Personen vor mir jedes Mal ebenfalls um einen Kopf. Diese Warterei war qu?lend lange. Nicht dass ich wollte, das es schnell ging, im Gegenteil. Aber es war nicht das Warten an sich, das qualvoll war, sondern das, was auf das Warten folgte. Es war ein Zwischenzustand zwischen dem Eindeutigen und dem Ungewissen. Das Ungewisse war f?r mich die Zeit vor dem Urteil. Ich konnte durch das Fallbeil sterben, was aber nicht sicher war. Das Eindeutige war f?r mich der Augenblick, in dem mein Kopf in der Halterung steckte und das Fallbeil gel?st wurde. Und w?hrend der Warterei befand ich mich zwischen diesen beiden Zust?nde - ein unheimliches Gef?hl?
Einige peinigende Minuten sp?ter war das beinahe Eindeutige auf mich zugekommen: mein Kopf wurde zwischen den halbmondf?rmigen Halterungen fixiert und ich sah die Menge vor mir, die ungeduldig meine Exekution erwartete. Ihr Warten war jedoch reines Erwarten - nichts, worin auch nur die geringste Spur irgendeiner Qual zu erkennen war.
Kurz darauf fielen die Unheil verk?ndenden Worte. ?F?r Mutter Frankreich!? Und mit diesen Worten fiel auch die einen Zentner schwere Schneide auf mich herab, die von einem maskierten Mann ausgel?st wurde.
Kurz vor meinem Hals stoppte die Schneide. So etwas war in den f?nf Jahren ihrer Benutzung noch nie geschehen. Die Klinge war bei jeder Hinrichtung bis zum Boden gekommen, ausgerechnet bei mir gelang es ihr erstmals nicht.
Unschl?ssig, was mit der Guillotine zu machen war, befreiten die Revolution?re meinen Kopf aus der Halterung und f?hrten mich auf eine gro?e gr?ne Wiese, auf der sich zehn Soldaten der revolution?ren Bewegung versammelt hatte, um auf ihren Schie?befehl zu warten. Wieder fielen die Worte ?F?r Mutter Frankreich? und nun fielen Sch?sse, die halb Paris erbeben lie?en.
Keine der Kugeln traf mich. Die Soldaten schossen zehnmal, und doch traf mich kein einziger Schuss. Es war ein Fluch, und zwar ein wirklicher Fluch!
Der n?chste Versuch der Revolution?re bestand in dem Galgen, der sich bisher schon immer in schwierigeren Angelegenheiten bew?hrt hatte. Wieder wurden die Worte ausgesprochen und ein Henker stie? mich von dem Ger?st, auf dem ich stand.
Der Knoten l?ste sich und ich fiel unsanft auf das harte Holz des Ger?sts.
Schon wieder misslang die Hinrichtung. Jedes Mal, wenn ich sterben sollte, starb ich nicht. Das erkannten nach mehreren weiteren Versuchen auch die Revolution?re und schickten mich nach mehreren abgebrochenen Schwertklingen, gerissenen W?rgeseilen und nicht wirkenden Giftmischungen auf eine Insel in die Verbannung.
Der Henker musste mit mir auf die Insel kommen, warum auch immer?

Der Bericht des Henkers:
Ein gro?er Tag war gekommen. Endlich wurde einer vom antirevolution?ren Pack der Verk?rzerin zum Fra? vorgeworfen. Ich stand maskiert an dem Hebel, der das Fallbeil ausl?ste, und zog - es war bei mir inzwischen zur Routine geworden - alle zwei Minuten den Hebel nach unten, wobei auch die gesch?rfte Klinge ihren Weg direkt nach unten, auf den Hals des Delinquenten zu, suchte.
Bei Moire machte ich eine Ausnahme: er war bestimmt keines meiner routinem??igen Opfer, sondern eine Person, die in aller Feierlichkeit hingerichtet werden musste. Das Volk Frankreichs sollte mit seinem gefallenen Kopf in Jubelst?rme ausbrechen und sich an dem Tod eines Nationalfeindes erfreuen. Doch ich erkannte schnell, dass es sich bei diesem Delinquenten tats?chlich um eine Ausnahme handelte, die auch mein folgendes Schicksal besiegelte.
Ich hatte seinen Kopf gerade erst in den Halterungen befestigt, wobei ich die Vorfreude genoss, die auf dem riesigen Marktplatz in der riesigen Menschenmenge herrschte. Ganz Frankreich erwartete Moires Tod. Auch ich erwartete den Moment, in dem die Klinge seinen Kopf von seinem K?rper abtrennte.
In feierlicher Stimmung h?rte ich mein Kommando. ?F?r Mutter Frankreich.? Ich zog an dem Hebel, und das Fallbeil st?rzte, wie geplant, auf seinen Hals hinab - und bremste abrupt, einige daumenbreit, vor dem Nacken des Delinquenten. Unm?glich, dachte ich mir. Das war seit Ludwig XVI. nicht mehr passiert. Und bei dem lag es ja nur an seinem starken Nacken, dass man die Hinrichtung mehrfach wiederholen musste, bis schlie?lich sein Kopf ab war.
Nichts zu machen, die Guillotine war vorerst irreparabel!
Gl?ck f?r Moire, Pech f?r mich. Aber das w?re auch nur noch von kurzer Dauer, dachte ich zun?chst.
Doch selbst die Erschie?ung gelang nicht. Einer der Sch?tzen war ich. Wir schafften es nicht, seinen K?rper zu treffen. Selbst das war jahrelang nicht passiert. Was war nur los? Dieser Mann war wie verhext! Aber er war kein Hexer, nur ein Anf?hrer der antirevolution?ren Bewegung. Ein Verr?ter! Ein Staatsfeind!
Wir wiederholten die Erschie?ung solange, bis den Soldaten die Kugeln ausgingen. Wenn einer unserer Feinde, das dachte ich mir, nicht auf diese Weise sterben wollte, musste er einen anderen Tod erfahren, n?mlich den Tod durch den Strang.
Wie er da auf dem Ger?st stand, hoffte ich, diesmal w?rde die verdammte Exekution klappen. Verr?ter wie ihn hatte ich schon zuvor in Massen hingerichtet, auch er musste irgendwann einmal sterben. Doch als ich Moire den Boden unter seinen F??en nahm, l?ste sich gleichzeitig auch der Knoten, was praktisch auch noch nie passiert war.
Sp?ter versuchte ich ihn h?chstpers?nlich mit einem Schwert zu erstechen, doch hier wurde die Klinge augenblicklich, von einer Sekunde auf die andere, spr?de und brach.
Mit meinen eigenen H?nden versuchte ich sogar, Moire mit einem Seil zu erw?rgen. Das einzige erzielte Ergebnis war ein zerrissenes Seil.
Als auch die Giftmischung nicht wirkte, beriet ich mich schlie?lich mit dem Richter, der das Todesurteil gesprochen hatte. Sein Entschluss stand schnell fest:
Moire wurde auf eine einsame Insel im Mittelmeer verbannt, da es unm?glich war ihn umzubringen.
Ich wurde auf dieselbe Insel verbannt, da ich angeblich ein miserabler Henker w?re und Mutter Frankreich Ungl?ck bringen w?rde.
Nun konnte ich Moire erstmals verstehen, nachdem ich von meinem eigenen Mutterland verraten worden war?

Der Bericht des Richters:
Jean Jacques Moire wurde am 17.9.1797 durch das Fallbeil hingerichtet. Die Hinrichtung erfolgte ohne weitere Komplikationen. Die Verk?rzerin funktionierte wie immer. Allerdings ist im Moment der Hinrichtung auch der Henker unvorhergesehen wegen pl?tzlicher Herzbeschwerden zusammengebrochen?
Sowohl Moire als auch der Henker waren sofort tot. Der Tod konnte bei beiden zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Doch ich mache mir Sorgen, gro?e Sorgen! Ich glaube, dass Moire und sein Henker nicht wirklich gestorben sind. Sie sind zwar tot, aber sie hatten beide ein zu weit entwickeltes Bewusstsein, als dass sie nicht weiterleben w?rden. Vielleicht leben sie in dieser Welt nicht mehr, aber wie s?he es aus, wenn es tats?chlich eine weitere Ebene g?be, die von ihrem Bewusstsein ausgef?llt wurde?
Konnten sie auf diese Weise dem Tod entfliehen?
25.2.06 01:44
 


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