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Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

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Büro

In einem Anflug von Zorn ging ich in dem verschachtelten Bürokomplex im 20. Stockwerk die Gänge entlang. Wen ich suchte, war mir, trotz der komplizierten Situation, in der ich eigentlich jede andere Person genauso hätte verfluchen können, klar – ich suchte A, die sich offenbar irgendwo da versteckt hatte, wo sie nicht von mir gefunden werden konnte, so zumindest meine Ansicht.
A hatte die Wahrheit in ihre Hände genommen und sie zu einem nicht mehr zu entwirrenden Knäuel verformt, das ich so nicht mehr auseinander zwirbeln konnte. Nun war sich also jeder, der jemals diesen Bürokomplex betreten hatte, über diese meine Wahrheit im Klaren, meine Schande. Was diese Menschen wussten, war nichts als eine Lüge, und gleichzeitig doch nichts als die Wahrheit. Was A getan hatte, war unentschuldbar, es war schlichtweg irreversibel.
So zog ich also durch den überall gleich aussehenden Bürokomplex, den ich zuvor so gut zu kennen glaubte und erkannte nun erst, dass ich die dort herrschenden Strukturen nie wirklich gekannt hatte. Ich verlief mich, wo auch immer ich hinging.
A hatte die Wahrheit indirekt erfahren, lange Zeit zuvor, hatte sie in der Mittagspause, als unser Büro noch im ersten Stock lag, dem gelauscht, dass ich einem Kollegen B meine Schuld anvertraut hatte. Sie hatte diese Schuld durchaus korrekt aufgefasst, nicht aber korrekt unter die anderen meiner Kollegen gebracht; folglich war B der Einzige, der wirklich bescheid wusste.

Ich hatte mich verlaufen, in den Gängen, die ich tagtäglich betrat. Es wehte ein kalter Hauch durch die Büroräume, der offensichtlich dadurch verursacht wurde, dass man das Fenster nicht richtig geschlossen hatte. Es fror mich stark, und versuchte mich davon abzuhalten, A zu suchen, insbesondere davon, sie zu finden. Aber ich musste sie finden, wenngleich die Geschehnisse, die zu meiner Verleumdung – obwohl man nicht von einer Verleumdung in diesem Sinne sprechen konnte – führten, schon ein Jahr in der Vergangenheit lagen. Außerdem nahm ich bereits vor einem halben Jahr Kenntnis von der verzerrten Wahrheit, die unter die Menschen gebracht wurde, insbesondere dessen Urheberin, A. Nie empfand ich den Drang, dies zu beenden, obwohl es damals noch nicht zu spät war, doch gerade das hatte dazu geführt, dass es inzwischen tatsächlich zu spät war. Die Kündigung war der einzige noch bleibende Ausweg, und selbst das war kein wahrer Ausweg, sondern nur eine vorübergehende Befreiung von den Qualen, die mir in den Elementen des Zellkomplexes durch das Wissen um jedermanns Wissen um meine Schande angetan wurde, zumal doch niemand die Schande überhaupt im Detail kannte, nicht einmal die Schande an sich kannte überhaupt jemand hier. Außer B, selbstverständlich. Aber B war eine Ausnahme.

Schließlich begegnete ich A, die eher zufällig als Zellkern aus einer der vielen Zellen getreten war, und sich mir in den Weg stellte. Auf ihren Lippen lag ein undurchsichtiges Lächeln, das vieles bedeuten konnte, das ich nicht deuten konnte. Ich spürte eine Bedeutung, aber gleichzeitig konnte ich diese Ahnung nicht genauer beschreiben.
Ich hatte es mir ganz einfach vorgestellt – ich würde mich ihr in den Weg stellen, um sie zu hindern, weiterzugehen. Sie sollte mit sich selbst konfrontiert werden, solange, bis sie dem Erdboden gleich war. Dann würde sie in sich zusammensinken, da sie ihre Scham, vor mir zu stehen, und ihre Schuld, die Wahrheit verzerrt zu haben, nicht mehr ertragen würde. Und alles hätte ein Ende, zumindest sie, obwohl ich nicht mehr in der Lage sein würde, das Knäuel zu öffnen, das sie mit ihrer gordischen Feinfühligkeit geknüpft hatte. Was wollte ich nun also?
Als ich immer mehr auf ihre Lippen schaute, welche ein eindeutig böswilliges Lächeln auf ihrem Gesicht zeichneten, wurde mir zugleich immer mehr klar, was A mir sagen wollte. „Du hast die Wahrheit gesagt und ich habe die Wahrheit gesagt. Du kannst mir nicht vorwerfen, gelogen zu haben, somit trifft mich auch keine Schuld, der du mich bezichtigen kannst. Ebenso wenig bist du in der Lage mir Schuldgefühle zu machen. Du wirst dich an der Anklage, die du gegen mich richtest, selbst zugrunde richten. Gib auf, ich habe dir nur geholfen, deine eigene Selbstzerstörung ein klein wenig zu beschleunigen.“
Ohne dass sie dies gesagt hatte, hatte sie es auch schon, allein durch ihren Gesichtsausdruck, ausgesprochen. Wortlos.
Der Versuch ihrer stillen Anklage zu widersprechen, misslang. Mir schnürte es die Lippen geradezu zu und der einstmalige Versuch entpuppte sich als Unmöglichkeit. Ich konnte nicht genau beschreiben, was mich überhaupt am Sprechen hinderte, doch der Anflug eines Gefühls sagte mir etwas Unaussprechliches – den Grund für mein zwangsläufiges Schweigen. Es war eine fremde Macht in meinem Innern, welche die Kommunikation mit der Außenwelt abrupt abschnitt. Wahrscheinlich war es mir nicht einmal durch meine Mimik möglich, mich mit ihr oder überhaupt jemandem zu verständigen.
Sie sprach ebenfalls kein Wort, jedoch war mir ohne jeglichen Zweifel bewusst, dass sie problemlos in der Lage war, mir jedes einzelne ihrer Motive zu schildern. Bestimmt war das nur eine andere Art, mich herablassend zu behandeln, indem sie kein Wort an mich verschwendete.

Mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass wir auf dem Gang – in diesen mündete auch ein Gang von der Seite, jedoch eine Sackgasse, an deren Ende sich lediglich ein Fenster befand – umzingelt wurden: hinter A stand eine Menge von Kollegen, alle mit leeren Augen, und ebenso hinter mir eine wahrscheinlich ebenso große Masse von Kollegen, ebenfalls denselben leeren Blick in den Augen.
Die Farbe in A’s Augen erkannte ich jetzt erst als ein verblasstes Braun, das auch jede andere Farbe hätte sein können. Meine Augen hingegen mussten, verglichen mit den Blicken der anderen Beteiligten, geleuchtet haben, allein wenn man davon ausging, dass ich meine ursprüngliche Augenfarbe beibehielt, in ihrer vollen Stärke.
Hinter dem Mob, welcher hinter mir stand, erkannte ich B, der aus seiner Bürozelle herauslugte und mich mit einem Blick voller Farbe anblickte, in dem der Anflug eines Schuldeingeständnisses lag, obgleich B keinesfalls irgendeine Schuld trug. Er zog den Kopf zurück, schloss die Tür und war weg.

Der Mob begann mit einem Mal loszurennen, beide Seiten aufeinander zu, wie zwei wütende Böcke sich einander die Köpfe einrennen. Die zwei Mengen prallten zusammen, indes ich noch eiligst in den seitlich einmündenden Gang springen und mich somit vor der Kollision retten konnte. A musste darin umgekommen sein…
Doch A erhob sich prophetisch wie die Anführerin allen Geschehens über der unübersichtlich gewordenen aufeinander einprügelnden Masse. Sie schwebte über dem Einheitsbrei, wenngleich sie doch nur ein Element dieses Breis war.
Ich lief also auf das Fenster zu, und versuchte es zu öffnen, in der Hoffnung, diesem Bürokomplex zu entkommen, doch es war nicht möglich, das Fenster zu öffnen, nicht einmal einschlagen konnte ich das Fenster. Mein Wunsch war zu entkommen, doch dieser eine einzige Wunsch wurde mir nicht gewährt.
Noch immer schwebte A aufrecht über dem verschmolzenen Mob, der – trotz der vielen Menschen, die hier aufeinander einschlugen - von eigentümlicher Stille erfüllt war. Es war fast so, als schlugen sich hier keine Menschen, sondern Menschen aus einer sonderbar formbaren Masse.
Aus A’s Augen trat ein Leuchten, das übernatürlich hell schien. Sie deutete mit dem Finger auf mich, was in mir die Assoziation einer missratenen Justitia wachrief. Voller Zorn wollte ich in die Masse rennen, doch meine Beine trugen mich widerwillig in genau die andere Richtung, sodass ich mit meinem Körper die Fensterscheibe zerschmetterte und im folgenden Sturz aus dem 20ten Stockwerk auf halber Höhe meinem fallenden Kollegen B begegnete.
26.3.08 22:53
 


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