Gratis bloggen bei
myblog.de

Home | Abonnieren | Gästebuch | Kontakt

Rechtliches

Ich versichere, dass jedes Werk, das ich auf dieser HP veröffentliche, von mir geschaffen wurde, es sei denn, es steht explizit geschrieben, dass es nicht von mir stammt. Wer eines meiner Werke für eigene Zwecke verwenden will, hat aufgrund des Urheberrechts die Pflicht mich danach um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls folgen strafrechtliche Konsequenzen. Carsten Dietzel

Meine Welt

Werke

Gedichte
Kogoro Akechi
Kompositionen
Kurzgeschichten
Mathematik
Satiren
Schwaben-Krimis

Übersicht aller Werke

Credits

Design by Annikki.
Brushes by eSadness.
Thank you.

Websites von Freunden

GeistX
Melli
Tiefblau
Marenwen
Samaeliv
RickyLee
Gedichte und mehr
Itheferi
(gegebenenfalls Passwort beim entsprechenden Betreiber anfragen)
Neuer Blog unter wordpress.com

Ab sofort werde ich meine Werke auf dem Blog http://koniortos.wordpress.com/ hochladen.
Dies hat mitunter zum Grund, dass ich die Blogsoftware von Wordpress.com als komfortabler und umfassender empfinde. Zum Anderen werde ich hier schon seit einiger Zeit von Spambots belästigt, obwohl ich keinen Bedarf an Potenzmitteln, Psychopharmaka oder Turnschuhen habe.

Dieser Blog bleibt trotzdem online und wird regelmäßig von Spam gesäubert.
ikuya-hatano am 11.8.12 04:02


Werbung


Koniortos, Teil 1

Bei der Untersuchung von Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble III stellt sich heraus, dass sich hinter Quaoar (ein transneptunisches Objekt) ein weiterer Kleinplanet hervortut.
Die spektroskopischen Verfahren, die zur Entdeckung des Himmelsobjekts führten, führen die Wissenschaftler weiterhin zu der Annahme, dass dieser Kleinplanet - Koniortos genannt - weiträumig von einer Atmosphäre umgeben ist, die aus einem Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch im Verhältnis 2:1 besteht, sprich: aus Knallgas.
Ein Konzentrationsgefälle innerhalb dieser Atmosphäre verhindert jedoch die Zündung der Gasmischung durch kleinere Meteoriten; und gerade für dieses starke Gefälle liegen den Forschern keinerlei schlüssige Erklärungen vor.
Eine achtzehnköpfige Crew wird zum Koniortos geschickt, die es zur Aufgabe hat, die Phänomene dieses Kleinplaneten zu untersuchen - darunter der Techniker Victor Stewart, die Chemikerin und Biologin Lian Tseng und der Physiker Julius Sharp.
In der Isolation des Koniortos beginnt die Raummission für diese drei Astronauten zu einer Konfrontation mit der eigenen Person zu werden, die geprägt ist von ihren irdischen Fragen und Problemen.

Download von Teil 1 von "Koniortos" als PDF (125 Seiten)
ikuya-hatano am 9.8.12 20:42


Julius Sharps Gedicht (Ohne Titel)

(Ausschnitt aus meiner längeren Geschichte "Koniortos", deren erster Teil in wenigen Wochen fertig und auf dieser Seite hochgeladen sein wird)

Die Heimat ist ein Mutterschoß,
Der dich zu deiner Rückkehr zwingt,
Nur gierig, dich zurückzuschlingen.
So laufe nicht zurück,
Such' dir auch nicht
Die nächste fremde Heimat,
Oder auch nur ihr Versprechen.

Sei dir nur selbst ein Haus,
Das du nur dann verlässt,
Die Reisen zu begehen.
Und bist du mehr geworden,
Kehre wieder heim.
Doch täusch' dich nicht -
Du musst auch dieses
Niederbrennen!
ikuya-hatano am 19.6.12 01:52


Auf einem anderen Gleis

(teilweise - und nur teilweise - inspiriert durch Andrei Tarkowskis Film "Stalker")

Es ist kein Sinn
In ihrem Sinnen
Und sie ließen
All die Kinder gehn.
Und doch, sie wollen uns -
Sie wollen uns Verlorene
Doch nur erneut verloren sehn.

Sie sind verdingt
Vor allen Dingen
Und Farben gingen ihnen
Gänzlich schon abhanden.
Durch uns're Wälder
Streifen sie und schreien uns -
Sie wollen uns als Gleiche
Unter Gleichen bald in ihren Landen.

Sind doch dem Leben
Schon entlebt,
Und nur die Masken sind
Von großer Dauer.
Im Unrecht glauben sie
Noch Recht zu sprechen -
"Zerreißt ihnen die Bleibe
Und nehmt sie mit in ihrer Trauer!"
ikuya-hatano am 22.1.12 02:00


Trauma

Das Feuer,
Es hat lediglich
Die Zeit umgangen.
Es brennt nun mehr
Aus dir
Als aus der Fremde
Deine Häuser ab.
Und was du hast,
Das könnte es
Noch nehmen.
So nimm es selbst
Und setz es selbst
In Flammen.

Die Täler
Drohen bald nur noch
Ein Schutz zu sein.
Fernab davon
Wuchs auf der Asche
Schon ein neuer Wald.
Und wo du bist,
Schützt du dich
Vorm gestillten Feuer,
Und sitzt du auch
Im Bunker voll Benzin
Und lässt vor Feuerangst
Das Hölzchen fallen...
ikuya-hatano am 22.1.12 01:56


Mikrokosmos: In einem Zimmer

Als man den Januskopf in eine Schublade zu verfrachten versuchte, widerstrebte er heftigst, sodass man ihn in zwei Schubladen unterbringen musste. Auch dies war nicht zufriedenstellend, sodass der Kopf noch in derselben Nacht nach der Katze rief, welche das Aufbewahrnis eröffnete, und auf dessen Geheiß die Kugel herausfallen ließ. Daraufhin ging der Januskopf entzwei und brachte etwas hervor, das sich in jedem Moment von Neuem selbst hervorbrachte. Dies spielte in alle Ewigkeit weiter, sodass wohl niemand bemerkte, dass der nun überflüssige Januskopf von der Katze gefressen worden war, als man im Vordergrund nur noch das Ereignis sah, das sich eigenständig und wiederholt ereignete.
ikuya-hatano am 31.12.11 00:53


Entschleierung

Hinter den versiegten Brüsten
Lauert nur ein Abgrund -
Götzenbilder stürzen
Sämtlich
In den Schmutz.
Gottes Wort verwest
Belanglos
Vor sich hin.

Der Fluch
Der Adleraugen.

Der Mutter Mund
Schließt sich
Das letzte Mal.

Die Schwäche schreit -
Die großen Ohren
Tauben
Sich dagegen.

Zweifel blendet -
Die scharfen Augen
Blinden
Sich davor.

Ein Kind
Verschließt sich
Vor Enttäuschung.
ikuya-hatano am 16.12.11 21:46


Panoptikum

Die Zwillingsspinnen
Tragen dein Gesicht
Und haben dir ein Netz
Aus Sicht gebaut.
Im matten Anzug
Läufst du dort umher,
Trittst ruhelos
In alle Fäden.
Die Spinnen
Schreien endlos
Deinen Namen
In die Ohren.

Ein Turm aus Spiegeln
Reckt sich in den Nebel,
Der metallgeschwängert
Rück auf dich verweist.
Strebst du nach dort oben,
Spiegelt sich dein Fliegen
Und erinnert dich daran,
Dass du nicht fliegen kannst.
Fürs Fliegen sei'n
Die Flügel nicht gemacht,
Sagst du dir dann
Als Wächter.

Aus allen Wänden
Kreischen deine Augen,
Blicken nur auf dich
Und warnen dich -
Du mögest nicht vergessen,
Dass die Selbstvergessenheit
Nicht mehr
In deinen Händen liegt...

Angst vor einem Panoptikum
Erbaute ein Panoptikum,
Das eine Angst erbaut...
ikuya-hatano am 22.11.11 22:57


Luftangriff

Zusammen mit wenigen renne ich die Straße entlang, kurz nachdem die Sirenenwägen durch die Stadt fuhren, um uns aufzuscheuchen und dazu aufzurufen, doch bitte die Häuser zu verlassen. Lediglich mit Unterhose, Hausschuhen und einer Digitalkamera bekleidet, um Fragmente des allmonatlichen Geschehens aufzuzeichnen, bewege ich mich mit den wenigen Spätaufstehern, die mit den Sirenen aufgewacht sind, auf den Stadtkern zu. Ohne große Sorge blicke ich auf die blutende Platzwunde an der Stirn eines dieser Stadtbewohner, der, wie er mir eben erzählte, in der Eile die Treppe hintergestürzt war, um schnellstmöglich das Haus zu verlassen. Dabei war seine Kamera nicht zu Schaden gekommen, aber er verspüre inzwischen leichte Übelkeit und starken Schwindel, und ob ich ihn nicht ein wenig stützen könne, es falle ihm schwer geradeaus zu laufen, zu rennen, da er die Orientierung verloren habe. Ich schlage ihm seine Bitte ab, und es fällt ihm nach und nach schwerer, mit mir mitzuhalten. Der Besuch eines Arztes habe noch Zeit, versicherte er mir, bevor er zu weit zurückgefallen war, als dass ich mit ihm noch vernünftig hätte kommunizieren können. Armer Kerl. Er kann froh sein, dass es ihn nicht erwischt hat wie die Idiotin, die vor zwei Monaten (oder ist es schon ein Jahr her?) aus dem Fenster gesprungen war, um sich den Weg aus dem Haus abzukürzen, dabei jedoch in ihrer Hektik vergaß, dass sich unter besagtem Fenster ein Zaun befand, und von besagtem Zaun aufgespießt wurde (oder liegt das bereits anderthalb Jahre zurück? Die Monotonie hat viele Gesichter, und sogar dieses ist eines davon. Wenn ich allerdings noch einmal darüber nachdenke... auf meinem Computer findet sich sicherlich irgendwo das Foto der aufgespießten Frau, mit Datum und Uhrzeit versehen...).

Das Grauen besucht unsere Stadt inzwischen mit einer unglaublichen Regelmäßigkeit - inzwischen das achtundzwanzigste Mal - und es hat schon ein paar tausend Menschen das Leben gekostet. Dennoch haben sich die Bürger dieser Stadt schnell an die wiederkehrenden Luftangriffe gewöhnt: inzwischen sind sie genauso fest im Stadtbild verankert wie unser großes Einkaufszentrum und die Kirche, die schon seit einem Jahrzehnt saniert werden sollte.
Wir sind lernfähig. Schon beim dritten Angriff gab es einige, die sich aus ihren Häusern trauten, um die Katastrophe zu verfolgen, die damals allerdings noch keine Menschenleben forderten.
Wir sind lernfähig. Nach dem neunten Luftangriff war es für die meisten Bürger Gang und Gäbe, das Haus zu verlassen, sobald sich das obligatorische Unglück ankündigte.
Nach dem elften Mal haben wir uns endlich auf einen Treffpunkt - den großen Platz vor dem Rathaus - geeinigt, von dem aus wir gemeinsam das Geschehen beobachten können.
Ab dem dreizehnten Mal riss uns das Frühwarnsystem - die Sirenenwägen - aus unserer Vergessenheit, wenn es wieder so weit war.
Seit dem fünfzehnten Mal findet sich auch ein kleiner HotDog-Stand bei den Versammlungen, damit die evakuierten Menschen nicht hungern müssen (und ein Stand mit gebrannten Mandeln und Zuckerwatte für die, die es eher süß mögen).
Danach änderte sich nicht mehr viel.
Ja, wir sind lernfähig.

Vor mir höre ich bereits die ersten Explosionen - haben diese unhöflichen Rüpel etwa schon ohne mich angefangen?, denke ich im Scherz - doch noch fühle ich den Sturm im Nacken, hinter mir, folglich kommt die Katastrophe noch auf die Stadt zu. Hier und da liegen allerdings schon tote und sterbende Menschen herum, die im größten, dem ersten, Ansturm der Massen niedergetrampelt wurden. Ein Sterbender liegt am Straßenrand. Schau weg, aber nicht, ohne ein Foto gemacht zu haben! Es wäre nicht auszudenken, fände ich mich zu spät auf dem Platz ein. Der große Schatten des kommenden Angriffs ist wahrscheinlich nur noch wenige Kilometer hinter mir. Nur noch fünfzig Meter! Schnell!

Endlich angekommen!

Auf dem Marktplatz herrscht großes Gedränge, und auf dem Boden finden sich Menschen, die von der heißen Mittagssonne niedergestreckt wurden. Das wäre an sich nicht schlimm, würden die anderen sie nicht als Podest verwenden, um etwas mehr zu sehen als der Rest. Mehr als hunderttausend Leute auf kleinstem Raum, und ich brauche mich nicht dafür zu schämen, dass ich in Unterhose und Pantoffeln womöglich bescheuert aussehe. Die Zeichen eines überstürzten Aufbruchs finden sich an so gut wie jedem meiner Mitbürger, so auch an mir. Der Wagen des Notarztes wird von Leuten bestiegen, die sich zu schade sind, auf den Zusammengebrochenen herumzustehen (denn diese geben ein wackliges Podest ab, wenn sie sich noch bewegen). Die Notärzte sitzen ebenfalls mit Digicams auf dem Notarztwagen, und sind nicht wirklich in Bereitschaft, den Verletzten zu helfen. Nur die Alten stehen noch mit altbackenen Kameras herum, da sie darauf bestehen, dass die Bildqualität bei solchen Kameras wesentlich höher sei.

An mir drängt sich eine Frau vorbei, die ich mit einigem Erstaunen als die allseits bekannte Verrückte der Stadt wiedererkenne. Dieses irre Weib war bei jedem der Luftangriffe die ganze Zeit über in ihrem Haus geblieben, warum ist sie also jetzt hier auf der Versammlung? Sie beschimpfte uns als Idioten (was sich nun wirklich nicht gehört!) und nannte die ehrenwerten Bürger dieser Stadt die eigentliche Katastrophe, und war strikt der Meinung, es sei besser für uns, würden wir in unseren Häusern bleiben. Wenn sie nur wüsste, was für ein Unglück es anrichten würde, würden die Bürger das monatliche Geschehen versäumen.
Doch sie scheint sich keineswegs für den bevorstehenden Luftangriff zu interessieren, vielmehr klettert sie weinend und schreiend die Motorhaube des parkenden Notarztwagens hinauf, um dem auf dem Wagendach sitzenden Notarzt ein Kleinkind - ihr eigenes - mit blau angelaufenem Gesicht zu zeigen. Hat diese Irre doch tatsächlich ihr bewusstloses Kind durch die halbe Stadt geschleppt, um es dem Notarzt vorzuführen... Womöglich, weil sie wusste, dass sie die Krankenhäuser leer vorfinden würde.
Der Notarzt handelt schnell und umsichtig. Und schubst die aufdringliche Irre aus seinem Blickfeld, welche daraufhin von der Motorhaube stürzt.

Fast hätte ich das Objekt verpasst, das endlich in der Ferne sichtbar wird. Mehr als hunderttausend Kameras - darunter auch meine - werden gen Himmel gerichtet, und die ersten Fotos werden von dem Objekt geschossen. Die Menge verwandelt sich in ein Blitzlichtgewitter.

Jeder Lichtblitz das Geräusch einer Explosion.

Das Ding fliegt auf die Menge zu, jedoch nicht, ohne schon in der Ferne Teile seiner Ladung abzuwerfen - würfelförmige Pappkartons mit einem Durchmesser von ca. zwei Metern. Ihr Inhalt ist der Inbegriff jeglicher Banalität, denn diese enthalten nur Bücher, die jedoch beim Aufschlag auf dem Boden auseinanderfallen und später nur noch in Stücken auf dem Boden liegen.

Explosionsgeräusche, doch das Ding scheint aus Stille geschaffen zu sein.

Die große Metallwespe flattert in aller Stille über die Stadt, und wirft ihre Bücherpakete auf den Straßen ab. Ein dreißig Meter langes Insekt aus Chrom, schwarz-gelb gestreift und mit schnell flatternden durchsichtigen Plexiglasflügeln, befindet sich nun nur noch in zwanzig Metern Entfernung und wirft fleißig seine Pakete ab. Wie eine gewöhnliche Wespe ist die Metallwespe in zwei Bereiche unterteilt: einen Bereich, der einem überdimensionierten Wespenkopf gleich, und in dem sich womöglich die (womöglich) automatische Steuerung des Tiers befindet, die durch eine fünfzig Zentimeter dünne Taille vom wesentlich größeren Hinterleib abgetrennt ist, in dem ein Greifer regelmäßig Pakete aus einer zum Boden hin gerichteten Öffnung entnimmt, für einige Sekunden in der Luft hält, und über einem geeigneten Ort abwirft.
Ich fühle den Luftzug, der auf die Menge zuweht, und nehme in den Augenwinkeln wahr, wie ein auf dem Dach des Notarztwagens stehender Mann das Gleichgewicht verliert und unglücklich von dem Wagen fällt (später werde ich erfahren, dass er sich den Kopf auf dem Pflaster aufgeschlagen hat, da die Menge um den Wagen herum ihm für seine Nummer spontan ein wenig Platz gemacht hat).
Die Wespe senkt sich nun auf wenige Meter herab, und fliegt mit einem Paket im Greifer über die Menge hinweg. Vor lauter Explosionen hört man seine eigenen Gedanken nicht mehr. Auch ich habe bereits mehr als vierzig Fotos von dem Spektakel geschossen.
Das Tier unterbricht den Abwurf der Pakete, während es über die blitzende Menge fliegt. Es weiß Rücksicht zu nehmen. Wie immer. Auch eine Form der Monotonie.

Abschweifen.

Ich war irgendwann die Monotonie der Katastrophenmeldungen im Fernsehen und in der Zeitung satt. Mit toten Soldaten, verhungernden Kindern, Verkehrsunfällen (selbst denen mit Toten), und Flugzeugabstürzen satt. Selbstmörder werden auch mit der Zeit langweilig, und die, die sich vor die Bahn werfen, geben zwar ein sensationelles Bild ab, jedoch wird der Nervenkitzel durch Verspätungen von bis zu mehreren Stunden eher gelindert und schlägt ins Gegenteil um. Selbst die schlimmsten Unglücke werden auf Dauer langweilig, und irgendwann rufen auch die Selbstmordattentäter und die großen Zugunglücke mit mehreren Dutzend Toten keine Gefühle mehr in eine wach. Nur noch bloße Langeweile.
Auch die Besuche der Wespe werden uns irgendwann nicht mehr berühren. Und eines Monats werden die Sirenenwägen verstummen, kaum jemand wird noch die Wespe beobachten wollen, und man wird nicht mehr von Krieg reden, wenn sie uns besucht.
Der Krieg hat Einzug in unserer Stadt gefunden, und er kam in einer Form daher, die neu war, anders. Es ist eine willkommene Abwechslung, nach den Besuchen der Wespe die niedergetrampelten Körper vorzufinden und zu fotografieren.
Menschen, die in ihren Wohnungen verunglückt sind, weil sie in Eile waren
Menschen, die durchgedreht sind und andere Menschen niedergestochen haben, weil diese ihnen die Sicht versperrt haben.
Menschen, die in der Menge zerquetscht wurden, keine Luft bekamen, oder niedergetrampelt wurden.
Menschen, die gestürzt sind und sich den Kopf aufgeschlagen haben.
Oder Menschen wie die Idiotin, die auf ihrem Zaun aufgespießt wurde.
Alles wird fotografiert und dokumentiert. Der Krieg hat Einzug gefunden in unserer Stadt, und er hat uns zeitweilig von unserer Langeweile erlöst.

Hinschweifen.

Während die Wespe noch über der Menge fliegt, hat jemand die dumme Idee, eine Bierflasche gegen den Rumpf des Tiers zu werfen. Dabei trifft die Bierflasche den Greifer, welcher daraufhin - wahrscheinlich wurde ein Sensor ungeschickt getroffen - das Paket freigibt, welches circa zwei Dutzend dicht aneinandergedrängte Personen unter sich begräbt (und, wie sich herausstellen wird, vierzehn Personen tödlich verletzt), während lose Buchseiten sich wie eine Staubwolke über die Menschenmasse ziehen.

Nie zuvor hatte die Wespe einen Menschen getötet. Empörung macht sich breit. Mistvieh!

Doch sofort richten sich die Kameras gen Boden, und es ertönt ein wahrhaftiges Crescendo von Explosionen - jeder will die Toten zuerst fotografiert haben - während die Wespe sich sofort in Anbetracht des Unfalls zum Himmel erhebt, beschleunigt, und nach weiteren zwei Minuten in der Ferne - wo auch immer - verschwindet.
Enttäuscht löst sich die Menge unter lautem Raunen wieder auf, bis nach fünf Minuten nur noch vereinzelte Gruppen von Menschen auf dem Platz vorzufinden sind - entweder solche, die in der Masse zu Tode gekommen waren oder solche, die sich noch vor Ort aufgeregt über das Geschehene austauschen ("Was hast du gesehen, das ich nicht gesehen habe?").

Gelangweilt verlasse auch ich den Platz.
Morgen werden die Straßen wieder frei von Toten sein.
Auch der Mann mit der Platzwunde ist darunter. Hirnblutung.
Die Fotos (fünfhundertsiebenundachtzig an der Zahl) werde ich später auf meinen Computer laden - und von dort aus werde ich sie ins Internet stellen.

Nie zuvor hatte die Wespe einen Menschen getötet. Empörung macht sich breit.

Mistvieh!
ikuya-hatano am 26.10.11 01:24


Bleierner Mönch

Mönch in Blei,
Vorm Altar,
Betet und
Die Säule strahlt
Plutonium.

Blei ist Schutz
Vor dem Zerfall,
"Bewahre mich
Vorm wundervollen
Strahlentod."

Es ist ein Wunsch,
Der in ihm wohnt.
Denn Klang und Licht
Allein
Verlieren sich
Im Blei.

Ein Ich-will-sein
Wird laut.

Wärme strahlt
Aus seinem Kern,
Schier zerfließt
Der Mönch
In Furcht
Vor der Erhitzung.

Und er öffnet sich
Den Mantel,
Öffnet sich das Blei.
Und geht ins
Strahlenfeuer.

Manifestation
Von
Klang und Farbe
Und Gefühl
Und
Verblutenden Eingeweiden.
ikuya-hatano am 13.10.11 20:37


 [eine Seite weiter]